Chile

Porsche startet mit Produktion von kontroversen eFuels

eFuels-Anlage von Porsche in Chile. © Porsche AG
eFuels-Anlage von Porsche in Chile. © Porsche AG

Nahe der berühmten Magellanstraße, die an Südamerikas Südspitze den Atlantischen mit dem Pazifischen Ozean verbindet, wird heute möglicherweise Energie-Geschichte geschrieben. Denn auf der windigen, kargen Ebene von Punta Arenas in Chile hat der nunmehr börsennotierte Luxuswagen-Hersteller Porsche heute seine erste Pilotanlage zur Produktion der berühmt-berüchtigten eFuels eröffnet. Der synthetische Kraftstoff soll CO2-ärmer sein als Benzin und Diesel und auch in herkömmlichen Verbrennermotoren funktionieren.

„Weltweit gibt es heute mehr als 1,3 Milliarden Verbrennerfahrzeuge. Viele davon werden noch Jahrzehnte lang auf der Straße unterwegs sein. eFuels bieten den Besitzern von Bestandsfahrzeugen eine Perspektive. Als Hersteller hoch performanter und effizienter Motoren verfügt Porsche über ein breites Know-how auf dem Gebiet der Kraftstoffe“, so Michael Steiner, Vorstand Entwicklung und Forschung der Porsche AG. Bei dem deutschen Autokonzern sieht man die eFuels nicht als Konkurrent, sondern als Ergänzung zum E-Motor.

In der Pilotphase ist eine eFuels-Produktion von rund 130.000 Litern pro Jahr vorgesehen, also bescheidene Mengen. Die verwendet Porsche dann zuerst zu Eigenzwecken, unter anderem Porsche Mobil 1 Supercup. Bis 2025 soll die Produktion dann auf 55 Millionen Liter pro Jahr hochgefahren werden, rund zwei Jahre später soll die Kapazität dann verzehnfacht werden – auf 550 Millionen Liter. Die Windkraftanlage soll den nötigen Strom liefern.

E-Fuels: Porsche versteift sich immer mehr auf kontroversen Kraftstoff

eFuels nicht viel besser als Sprit

Denn eFuels werden grundsätzlich aus CO2 und Wasser unter dem Einsatz von sehr viel Strom hergestellt. Auch deswegen wird der synthetische Kraftstoff, der neben Autos auch Flugzeuge oder Schiffe antreiben könnte, vielfach kritisiert. Denn zum einen ist die Produktion durchaus energiehungrig, und zum anderen verursachen eFuels eben auch wieder CO2. Bei der Produktion von E-Fuels gibt es große Effizienzverluste bei der Energieumwandlung, zeigte kürzlich eine Studie (Trending Topics berichtete).

Doch eFuels werden aller Voraussicht nach auch ein großes Geschäft sein – auch deswegen, weil die EU beim „Verbrenner-Verbot“, das seinen Namen nicht verdient, eine große Lücke für die synthetischen Kraftstoffe offen ließ. Porsche, das bei den EFuels mit Siemens Energy kooperiert, hat bislang über 100 Millionen US-Dollar in die Entwicklung und Bereitstellung investiert. Im April 2022 hat sich Porsche mit 75 Millionen Dollar am Unternehmen HIF Global LLC beteilig, das eben die eFuel-Anlagen in Chile, USA und Australien baut und betreibt. Auch wure bekannt, dass Porsche-Chef Oliver Blume ordentlich auf höchster Ebene für die Kraftstoffe lobbyierte – und zwar beim deutschen Finanzminister Christian Lindner (FDP) höchstpersönlich.

Laut ADAC sind eFuels problemlos in herkömmlichen Verbrennern einsetzbar. Tests zeigen aber auch, dass die Schadstoffemissionen sich nicht wesentlich gegenüber Sprit verbessern würden. Mit einer weiteren Optimierung sei aber zu erwarten, dass sich sowohl die CO₂-Bilanz verbessere als auch der Schadstoff-Ausstoß weiter reduziere.

Hintertür für E-Fuels bleibt trotz Verbrenner-Verbots offen

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