Quantum Systems erhält 150 Millionen Euro von Banken
Sie zählen neben Helsing zu den führenden DefenseTech-Unternehmen und wurden auch für zahlreiche Übernahmen bekannt: Quantum Systems hat ein Finanzierungspaket über 150 Millionen Euro abgeschlossen, das von der Europäischen Investitionsbank (EIB), Commerzbank, KfW und Deutsche Bank getragen wird. Die Vereinbarung unterstreicht das wachsende Engagement europäischer Finanzinstitute, sicherheitsrelevante Innovationen mit europäischem Kapital zu entwickeln und zu skalieren.
Zweite Investition der EIB in Quantum Systems
Der Drohnenhersteller aus Gilching gab die Finanzierung am 12. Februar 2026 im Rahmen einer Pressekonferenz am Firmensitz bekannt, kurz vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz. Das 70 Millionen Euro umfassende Darlehen der EIB markiert die zweite Investition der Bank in Quantum Systems nach einer ersten Finanzierung über 10 Millionen Euro im Juni 2021. Zusammen mit den Beiträgen von Commerzbank, Deutsche Bank und KfW beläuft sich das langfristige Fremdkapital auf insgesamt 150 Millionen Euro.
„Diese Finanzierung ist ein starkes Vertrauensvotum in unser Unternehmen, unsere Technologie und unsere Vision. Sie ermöglicht es uns, verantwortungsvoll zu skalieren und gleichzeitig fest in Europa verankert zu bleiben“, sagt Jonas Jarosch, CEO von Quantum Systems.
Angepasste ESG-Rahmenwerke ermöglichen Defense-Tech-Finanzierung
Die Finanzierung spiegelt gezielte Anpassungen in ESG-Rahmenwerken wider, die es europäischen Banken ermöglichen, sicherheitsrelevante Technologien effektiver zu unterstützen. Das Paket sendet ein klares Signal, dass technologische Resilienz, Sicherheit und europäische Souveränität nicht nur Innovation, sondern auch Zugang zu angemessenem Kapital erfordern.
Nadia Calviño, Präsidentin der Europäischen Investitionsbank, betonte die strategische Bedeutung: „Drohnen und Luftaufklärung sind bereits unverzichtbar für Europas Sicherheit, von der Verteidigung der Ukraine bis zum Schutz kritischer Infrastruktur und Grenzen. Mit dieser 70 Millionen Euro Finanzierung unterstützt die EIB einen europäischen Technologie-Champion in Deutschland.“
Banken setzen auf europäische Technologiesouveränität
Die beteiligten Banken unterstrichen ihre Rolle bei der Stärkung europäischer Verteidigungsfähigkeiten. Michael Kotzbauer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, verwies auf die langjährige Partnerschaft: „Wir begleiten Quantum Systems seit der frühen Wachstumsphase als Hausbank und auch als erster Kreditgeber.“
Michael Diederich, Global Co-Head of Corporate Banking bei der Deutsche Bank, ergänzte: „Dieses Finanzierungspaket sendet ein starkes Signal über Europas Fähigkeit, sicherheitsrelevante Technologien mit eigenem Kapital zu entwickeln und zu skalieren.“
Melanie Kehr, Vorstandsmitglied der KfW, hob das Venture Tech Growth Financing Programm hervor, das gezieltes Wachstumskapital bereitstellt und damit zur technologischen Resilienz Europas beiträgt.
Konsolidierung im europäischen Defense-Tech-Sektor
Die Finanzierung erfolgt vor dem Hintergrund einer aggressiven Akquisitionsstrategie von Quantum Systems. Das Unternehmen, das zuletzt mit 3 Milliarden Dollar bewertet wurde, hat in jüngster Zeit mehrere strategische Übernahmen getätigt:
Akquisition von Fernride
Die jüngste und bedeutendste Übernahme betrifft das Münchner Unternehmen Fernride, das auf Fernsteuerung und Autonomie von Lastfahrzeugen spezialisiert ist. Mit diesem Zukauf erweitert Quantum Systems sein Portfolio von Luftfahrzeugen und Software-Intelligenz auf autonome Mobilität am Boden. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, allerdings soll Fernride zuletzt finanziell angeschlagen gewesen sein.
Fernride bringt eine etablierte Software-Plattform für Bodenautonomie mit, die bereits in Container Terminals, bei Defence Logistics, in Yard Operations und im autonomen Fahren zum Einsatz kommt. Das Unternehmen erreichte 2025 als erste Firma in Europa eine TÜV-Zulassung für autonome LKWs und hat die Technologie bereits in Tests mit der Bundeswehr erprobt.
Frühere Übernahmen: Spleenlab und AirRobot
Vor der Fernride-Akquisition hatte Quantum Systems bereits Spleenlab und AirRobot übernommen, um seine technologischen Fähigkeiten und Marktposition zu stärken. Diese Konsolidierungen reihen sich ein in eine Serie von Zusammenschlüssen im europäischen Defense-Tech-Sektor.
Multi-Domain-Strategie mit MOSAIC UXS
Quantum Systems plant, die Fernride-Technologie in seine autonome Missionssoftware MOSAIC UXS zu integrieren. Die Plattform soll künftig Luft- und Bodenrobotik zusammenführen und Multi-Domain-Operationen ermöglichen. Das Unternehmen verspricht sich davon verbessertes Situationsbewusstsein und optimierte Entscheidungsfindung.
Chief Revenue Officer Martin Karkour betont die Skalierbarkeit der Fernride-Plattform und sieht die Übernahme als konsequenten Schritt zur Umsetzung der Vision eines vernetzten Ökosystems für unbemannte Systeme. CEO und Mitgründer Hendrik Kramer hebt die Bedeutung souveräner Autonomielösungen für Europa hervor und identifiziert den Verteidigungsbereich als aktuell dringlichstes Umfeld für die Skalierung autonomer Bodensysteme.
Operative Erfahrung aus der Ukraine
Die operative Erfahrung von Quantum Systems in der Ukraine hat nach eigenen Angaben die Relevanz des Zusammenspiels von Luft- und Bodenrobotik in realen Einsatzszenarien bestätigt. Die im Defense-Bereich gesammelten Erfahrungen sollen perspektivisch auf zivile Logistikanwendungen übertragen werden.
Mit der Kombination aus neuer Finanzierung und strategischen Übernahmen positioniert sich Quantum Systems als Multi-Domain-Anbieter, der sowohl Luft- als auch Bodensysteme aus einer Hand liefern kann. Die 150 Millionen Euro werden die laufenden Investitionen in Technologie, industrielle Kapazitäten und organisatorisches Wachstum unterstützen.
Der europäische Markt für integrierte Autonomielösungen im Verteidigungssektor dürfte angesichts geopolitischer Spannungen und steigender Verteidigungsbudgets weiter wachsen. Die Finanzierung durch europäische Banken unterstreicht die wachsende Erkenntnis, dass kritische Sicherheitsinfrastruktur innerhalb Europas finanziert werden muss, um langfristige Unabhängigkeit und Stabilität zu gewährleisten.

