Kommentar

Elon Musk & Twitter: „Single Point of Failure“ statt „Singular Solution“

Oliver Janko & Jakob Steinschaden. © Trending Topics
Oliver Janko & Jakob Steinschaden. © Trending Topics

Es hat ja mittlerweile System. Jeff Bezos hat die „Washington Post“. Salesforce-Gründer Marc Benioff hat das „Time Magazine“. Binance-Gründer Changpeng Zhao investierte mit seinem Krypto-Riesen dick in „Forbes“. Und der reichste Mann der Welt, der steigt jetzt auch in die Welt der Online-Medien ein und kauft sich um 44 Milliarden Dollar einfach mal so Twitter. „Größter Clown der Welt kauft größten Zirkus der Welt“, schrieb ein Satiriker auf – eh klar, Twitter.

Lieber Elon Musk, ich mag deine E-Autos sehr, deine Raketen sind auch cool, PayPal ist ein nützliches Ding und die Boring-Tunnel sich eine zukunftsträchtige Sache für die Smart Cities der Zukunft. Aber Medien machen? Hm, das solltest du lieber anderen überlassen. Libertäre Geister wie du meinen in regelmäßigen Abständen, dass es am besten gar keine Einschränkungen geben soll. Meinungsfreiheit und Recht auf freie Meinungsäußerung für alle ohne Einschränkungen. „I hope that even my worst critics remain on Twitter, because that is what free speech means„, so Musk. Nun fürchten alle, dass bald Donald Trump zu Twitter zurück kehrt.

Der Deal, den Wettbewerbsbehörden und Shareholder noch absegnen müssen (nein, er ist noch nicht in trockenen Tüchern, sondern wird noch etwa 6 Monate dauern), sorgt für einen Clash bei Twitter. Auf der einen Seite steht eine geschockte Belegschaft, die im liberalen San Francisco eine Kultur der internen Kritik lebte und als Erste Social-Media-Plattform dafür sorgte, dass der Hetzer Trump gesperrt wurde – erst später zog etwa Facebook nach. Ihr neuer künftiger Chef ist einer, der nach Lust und Laune gleich mal ganze Abteilungen (z.B. seine PR) feuert, wenn es ihm passt.

Das ist die eine Seite unserer Kommentar-Serie „Double Trouble“. Was Oliver zu Elon Musks Twitter-Deal denkt, lest ihr hier:

Elon Musk & Twitter: Warum der Ärger über die Übernahme nicht notwendig ist

Keine Angst, auch für Musk gelten Gesetze

Man muss sich zwar nicht fürchten, dass Musk nach Lust und Laune seine Definition von freier Meinungsäußerung bei Twitter durchbringen kann. Auch für ihn gilt der neue Digital Services Act, der strenge Regeln in der EU gegen Hass und Hetze vorsieht. Gut möglich, dass Musk die eine oder andere Strafe in Kauf nimmt, nur um seinen Willen zu bekommen, aber auch der reichste Mann der Welt schwebt nicht im rechtsfreien Raum.

Was aber wird hinter den Kulissen gespielt werden? Amazon-Chef Jeff Bezos, wegen seiner eigenen Weltraum-Abenteuer Lieblingsfeind von Musk, hat da einen interessanten Hinweis. Wie sieht es denn künftig auf den Einfluss des autoritären chinesischen Regimes auf das Meinungsfreiheit-Tool Twitter aus – wo doch China der zweit wichtigste Markt für Tesla ist und darüber hinaus die wichtigsten Lieferanten für Auto-Akkus?

Musk, übergib‘ Twitter dem offenen Netz!

Die Twitter-Übernahme kommt bei Twitter-Gründer Jack Dorsey gut an. Er nennt den Kauf die „singular solution“ für die Zukunft von Twitter. Man könnte aber auch sagen: Ein privates Twitter, das nicht einmal mehr den Shareholdern an der Börse verpflichtet wird, ist Musk völlig ausgeliefert. Musk wird damit zur „Single Point of Failure“.

Hoffnung gibt es für eine These: Twitter zu kaufen und von der Börse zu nehmen, ist nur der erste Schritt eines größeren Plans: Nämlich den „Town Square“ des Internet zu befreien und zu einem dezentralen Open-Source-Protokoll zu machen, das allen gehört und nicht nur einem. Musk, your turn.

Twitter braucht das Gegenteil von Elon Musk

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