Erneuerbare Energie

Wien Energie plant bis 2026 erste Tiefengeothermie-Anlage der Stadt

Wien Energie in Spittelau. © Trending Topics
Wien Energie in Spittelau. © Trending Topics

Aufgrund der durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Energiekrise gewinnen Alternativen zu Erdgas bei der Beheizung von Gebäuden immer mehr an Bedeutung. Als eine unabhängige, aber auch sehr nachhaltige Möglichkeit gilt dabei die Tiefengeothermie, also die Nutzung von Erdwärme durch Thermalwasser, das sich in großer Tiefe befindet. Auf diese Technologie will Wien Energie künftig stark setzen. Schon bis zum Jahr 2026 soll am Rande der Seestadt Aspern die erste Tiefengeothermie-Anlage Wiens entstehen.

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Bohrarbeiten beginnen im Jahr 2024

„Mit der Nutzung von Tiefengeothermie für die Wärmeversorgung verfolgen wir unseren Wiener Klimafahrplan konsequent weiter und machen unsere Stadt bis 2040 CO2-neutral. Dank dem Thermalwasservorkommen direkt unter der Stadt und dem gut ausgebauten Fernwärmenetz befinden wir uns auch im europäischen Vergleich in einer einzigartigen Ausgangslage, um Haushalte mit klimaneutraler Wärme versorgen zu können“, sagt Stadtrat Peter Hanke.

Für die Errichtung der ersten Tiefengeothermie-Anlage Wiens rechnet Wien Energie mit einem Investitonsvolumen von rund 80 Millionen Euro. Das Klimaschutzministerium fördert das Projekt mit rund acht Millionen Euro. Der Start der Vorarbeiten für die Errichtung der Anlage ist für das Jahr 2023 geplant. Die tatsächlichen Bohrarbeiten sollen im Jahr 2024 beginnen. Durch die Nutzung von Tiefengeothermie soll die Anlage Fernwärme mit bis zu 20 Megawatt erzeugen. Um die Anlage noch effizienter zu machen, will Wien Energie sie außerdem mit einer Wärmepumpe kombinieren.

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Tiefengeothermie als geschlossener Kreislauf

Die Anlage in Aspern soll den ersten großen Meilenstein in einer langfristigen Strategie zum Aufbau einer Tiefengeothermie-Infrastruktur in Wien darstellen. Bis 2030 plant Wien Energie den Aufbau von bis zu vier solcher Anlagen in der Donaustadt und in Simmering. Auch danach soll der Ausbau noch weitergehen, damit bis 2040 die Wärme nur noch aus klimaneutralen Quellen kommt. Alleine die erste Anlage soll ab 2026 bis zu 20.000 Haushalte mit grüner Wärme versorgen.

Laut Wien Energie sind Bohrungen in mehr als 3.000 Meter Tiefe nötig, um das Thermalwasser zu erreichen. Doch die Bohrungen sollen nur einen Durchmesser von etwa 30 Zentimeter haben. Dadurch soll es zu keinen signifikanten Auswirkungen auf die Umgebung, wie beispielsweise Vibrationen, kommen. Allerdings ist der Vorgang nicht unkompliziert. Zuerst muss eine Erkundungsbohrung nach dem Thermalwasser am Standort suchen. Dann finden zwei weitere Bohrungen statt, bei denen das Wasser zunächst durch eine Förderpumpe an die Oberfläche gelangt und dann wieder in das gleiche Thermalwasservorkommen zurückgeführt wird. Somit soll ein geschlossener, erneuerbarer Kreislauf entstehen.

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Große Einsparungen bei CO2-Emissionen

Wien soll eine besonders gute Lage für Tiefengeothermie haben. Grund dafür ist das „Aderklaaer Konglomerat“. Dabei handelt es sich um eine wasserführende Gesteinssicht unterhalb der Stadt. In den letzten Jahren hat Wien Energie gemeinsam mit Partnern diese Schicht in einer seismischen 3D-Erkundung erforscht. Es gab auch bereits erfolgreiche Testbohrungen. Das Ergebnis der Forschung war laut Wien Energie, dass bis 2030 bis 125.000 Haushalte Fernwärme aus Tiefengeothermie erhalten könnten. Das entspreche einer jährlichen CO2-Einsparung von 325.000 Tonnen. Der große Vorteil dabei sei, dass die Infrastruktur für Fernwärme bereits bestehe und Haushalte kaum etwas ändern müssten, um Geothermie-Wärme zu beziehen.

Geothermie gilt als eine wichtige Zukunftstechnologie, um Europa von russischem Erdgas unabhängig zu machen und die CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren. Es gibt aber auch Kritik an solchen Vorhaben, speziell was die Bohrungen angeht. In Deutschland ist laut heise der Oberrheingraben zwischen Mannheim und Basel ein besonders vielversprechendes Gebiet für die Geothermie. Jedoch ist die Erdbebengefahr dort auch erhöht. Bohrungen ins Grundgestein lösten 2006 in Basel ein Erdbeben der Stärke 3,4 aus, vor zwei Jahren bebte die Erde wiederholt nach einer Bohrung in Vendenheim bei Straßburg. Wien Energie versichert jedoch, dass die eigenen Bohrungen keine starken Auswirkungen auf die Umgebung haben werden.

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