Krise

Wien Energie: Strompreis bei 1.000 Euro ließ Kautionen explodieren

Wien Energie in Spittelau. © Trending Topics
Wien Energie in Spittelau. © Trending Topics

Wien Energie, einer der größten Versorger für Strom und Gas in Österreich, steckt derzeit in der Krise. Offenbar fehlen aufgrund der mittlerweile in Europa weiter rasant gestiegenen Strompreise Milliarden an Euro, etwa 1,7 Milliarden könne das Unternehmen nicht alleine stemmen (Trending Topics berichtete).

Zwar ist hinlänglich bekannt, dass die Energiepreise stark steigen, doch der Preisanstieg am Freitag war dann doch zu viel und zu schnell da. „Innerhalb nur eines Tages ist der Strompreis im Handel von 700 auf rund 1.000 Euro gestiegen – analog dazu haben sich die erforderlichen Kautionen für bereits getätigte Geschäfte in der Zukunft vervielfacht“, so Wien Energie.

Nun hat sich Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) zu Wort gemeldet und Hilfe zugesagt – wobei jedoch noch einige offene Fragen mit der Stadt Wien, also der Eigentümerin des Stromanbieters, zu klären seien.

Auch Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) bestätigt, dass Hilfen bereits diskutiert werden: „Wir sind nun dabei, die Details mit den Verantwortlichen zu klären. Es ist zu klären, wie es dazu kommen konnte und was die Stadt Wien beitragen kann“, so Brunner auf Twitter.

Wien Energie nach eigenen Angaben nicht insolvent

„Die Wien Energie hat am Wochenende die Bundesregierung um finanzielle Unterstützung gebeten. Diese Hilfe haben wir gestern bei einem Krisengipfel selbstverständlich zugesagt. Denn für uns steht die Versorgungssicherheit von zwei Millionen Kund:innen im Mittelpunkt“, schreibt Gewessler am Montag auf Twitter. Der Energiekonzern braucht Geld, um weiter Strom und Gas an den Börsen kaufen zu können. Um langfristige Käufe tätigen zu können, müssen Unternehmen Sicherheiten hinterlegen. Wie hoch diese sind, hängt letztendlich von den Preisen ab, was in der derzeitigen Lage für den Stadtkonzern ein großes Problem ist.

Beim Energieversorger versucht man zu beruhigen. Das Unternehmen sei nicht insolvent. Es seien lediglich die erforderlichen Sicherheitsleistungen unvorhergesehen angestiegen. Die Sicherheiten würden allerdings zurückkommen, sobald die Handelsgeschäfte abgewickelt werden, heißt es von dem strauchelnden Anbieter. Die Stadt Wien soll dem Unternehmen mit einer milliardenschweren Garantie schon ausgeholfen haben, doch diese sei nun ausgeschöpft, weswegen sich Wien Energie an die Bundesregierung wendet (Trending Topics berichtete).

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Wien Energie: „Die Kautionen kommen zurück“

Das Geld, das Wien Energie vom Bund braucht, wird für die Hinterlegung von Kautionen benötigt, es müssten keine Verluste ausgeglichen werden. „Wien Energie und die Wiener Stadtwerke sind solide, wirtschaftlich gesunde Unternehmen mit bester Bonität. Es müssen keine Verluste ausgeglichen werden. Wien Energie ist der größte Energieversorger Österreichs mit den meisten Kund:innen und den größten Gaskraftwerken Österreichs. Wien Energie ist damit dem Preisdruck am stärksten ausgeliefert“, heißt es in einer Aussendung.

Und weiter: „Im Zuge einer vorausschauenden Planung wurden erforderliche Kreditlinien für Sicherheitskautionen seitens Wien Energie, Wiener Stadtwerke und der Stadt Wien aufgestellt. Die notwendigen Sicherheiten dienen ausschließlich der Absicherung von bereits getätigten Geschäften an der Energiebörse und damit der langfristigen Sicherstellung der Energieversorgung in Wien und ganz Österreich. Diese Sicherheiten sind als Garantien ein üblicher Teil von Handelsgeschäften. Die Kautionen kommen zurück, sobald die Handelsgeschäfte abgewickelt wurden.“

Scharfe Kritik und Vorwurf der „Verspekulierung“

Gegenüber anderen Stromanbietern hat Wien Energie den Nachteil, dass der Konzern den Großteil des Stroms einkauft und wenig Eigenproduktion vorweisen kann, meint Peter Kraus, Vorsitzender der Grünen Wien. Angesichts der Krise wird derzeit scharfe Kritik an der Wiener Stadtregierung laut. Einem Bericht der Krone zufolge beanstandet die ÖVP, dass Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) beim Energie-Krisengipfel am Sonntagabend trotz Einladung nicht anwesend war.

Ebenfalls hagelt es Kritik dafür, dass die bisherigen finanziellen Rettungsmaßnahmen der Stadtregierung ohne Mitwissen des Gemeinderats passiert seien. Die Grünen sprechen von hoher Intransparenz bei der rot-pinken Stadtregierung, die FPÖ von „Totalversagen“. Warum wurde der Gemeinderat und der Stadtsenat nicht involviert, warum wurde die Bundesregierung erst so spät kontaktiert und um Hilfe gebeten?“, fragt Peter Kraus, Parteivorsitzender der Wiener Grünen

Wien Energie steht derzeit im Kreuzfeuer. So meinen Kritiker:innen, dass sich der Konzern auf Kosten der Kund:innen verspekuliert hätte – und wundern sich, warum das Unternehmen so plötzlich von einem Finanzloch von mehr als einer Milliarde Euro überrascht wurde. Tatsache ist, dass der Energieversorger neben kurzfristigen Handelsgeschäften den Großteil der Energie am Terminmarkt kauft – und dort ist eben der Strompreis bis hinauf zu 1.000 Euro am Freitag explodiert. Und diese Preise muss man nun eben bezahlen, kann sie aber nicht 1:1 an die Kund:innen weitergeben.

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„Haben uns nicht verspekuliert“

„Dort (an den Terminmärkten, Anm.) werden Geschäfte abgeschlossen, die erst in Zukunft erfüllt werden. Wien Energie verkauft Strom aus den Kraftwerken bis zu zwei Jahre im Voraus und beschafft Strom und Gas langfristig für seine Kund:innen an der Börse. So sichert sich das Unternehmen gegen zukünftige Strompreisschwankungen ab und kann damit für seine Kund:innen und Kraftwerke die Energiepreise für die nächsten Jahre abschätzen,“ heißt es in einer Aussendung. „Wien Energie hat sich nicht verspekuliert. Wien Energie verkauft Strom aus den Kraftwerken bis zu zwei Jahre im Voraus und beschafft Strom und Gas langfristig für Kundinnen an der Börse. So sichern wir uns gegen zukünftige Energiepreisschwankungen ab“, kontert Tobias Rieder, Sprecher der Wien Energie, auf Twitter.

Und weiter: „Wir können damit für unsere Kund:innen und Kraftwerke die Energiepreise für die nächsten Jahre abschätzen und gewinnen dadurch Planungssicherheit. Dieses Vorgehen, das sogenannte Hedging, ist ein bewährtes Instrument des Risikomanagements und genau das Gegenteil von Spekulation.“

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