Web Summit

WWW-Erfinder Tim Berners-Lee: „Ignoriert das Web3-Zeug!“

Sir Tim Berners-Lee, Co-founder & CTO, Inrupt. © Sam Barnes/Web Summit via Sportsfile (CC BY 2.0)
Sir Tim Berners-Lee, Co-founder & CTO, Inrupt. © Sam Barnes/Web Summit via Sportsfile (CC BY 2.0)

Yuga Labs (Bored Ape Yacht Club), Filecoin, Improbable, Binance, 1inch Network, Polkadot, Cardano, Polygon, Blockchain.com, und so weiter und so fort: Am Web Summit 2022 in Lissabon waren dieses Jahr zahlreiche Krypto-Unternehmen mit Vorträgen und Ständen in den großen Hallen vertreten, um das Web3 als die nächste Iteration des WWW zu proklamieren – natürlich immer mit dem Hintergedanken, in dieser (3D-)Version des Web eine tragende Rolle zu spielen.

Doch einer, der dem Web3 nicht sonderlich viel abgewinnen kann, ist Sir Tim Berners-Lee. Er wurde als der Entwickler der Hypertext Markup Language (HTML) und als Begründer des World Wide Web 1989 berühmt und erstellte auch die erste Webseite, und zwar info.cern.ch. Heute steht er hinter dem World Wide Web Consortium (W3C), ist Professor am MIT und hat gemeinsam mit dem Security-Experten Bruce Schneier ein Unternehmen namens Inrupt gestartet, das an einem dezentralen Open-Source-Projekt namens Solid arbeitet, um etwa persönliche Daten sicher als an so manchen anderen Orten speichern zu können.

Doch das Web3, das heute in Kombination mit Metaverse, Krypto-Assets, NFTs, VR/AR und Token als die nächste Version des WWW verkauft wird, gehört nicht zu Berners-Lees Zukunftsvisionen. „Web3 hat nichts mit dem Web zu tun“, sagte er im Rahmen eines Vortrags auf der Konferenz in Lissabon, „Ignoriert das Web3-Zeug!“ Er bezichtigt vielmehr die Ethereum-Community, den Web3-Begriff geklaut zu haben, um ihm für jene Dinge zu verwenden, die sie mit der Blockchain machen. Ganz konkret kann man festhalten, dass Ethereum-Mitgründer Gavin Wood vor vielen Jahren die Web3 Foundation in Zug in der Schweiz einrichtete, die heute hinter dem Polkadot-Ökosystem (eine Alternative zu Ethereum) steht.

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„Blockchains sind zu langsam und zu teuer“

Technisch hält Berners-Lee, der ja mit seinem eigenen Startup an dezentralen Technologien unter dem Namen „Solid“ arbeitet, nichts von Blockchain. „Blockchain-Protokolle mögen für einige Dinge gut sein, aber sie sind nicht gut für Solid“, sagte Berners-Lee. „Sie sind zu langsam, zu teuer und zu öffentlich. Persönliche Datenspeicher müssen schnell, billig und privat sein.“ Dass sein Open-Source-Projekt mit dem Namen Solid ein wenig an Solidity, also die Programmiersprache zum Entwickeln von Smart Contracts für Blockchain-Plattformen wie Ethereum, erinnert, sagt er nicht dazu.

Der Begriff Web 3.0 hatte ursprünglich eigentlich eine andere Bedeutung. 2006 beschrieb Berners-Lee es als das semantische Web als die Möglichkeit, Informationen im Web mit strukturierten Daten anzureichern, damit Computer die Bedeutung der Information einfacher auswerten können – also etwa aus dem Kontext heraus verstehen können, ob es sich beim Wort „Tau“ um ein Seil, die Feuchte auf der Wiese am Morgen oder einen Buchstaben des griechischen Alphabets handelt. 2014 erst kam dann Gavin Wood und formulierte seine Idee des Web3 rund um Blockchain-Technologien.

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