Chip-Industrie

Amazon will Nvidia mit eigenem Chipverkauf direkt herausfordern

Trainium-Chip von Amazon Web Services © AWS
Trainium-Chip von Amazon Web Services © AWS

Amazon Web Services plant einen strategischen Vorstoß in Nvidias Kerngeschäft. Der Cloud-Gigant führt laut TechCrunch Gespräche über den Verkauf seiner AI-Chips an andere Unternehmen für deren Rechenzentren. Berichten zufolge gibt es laufende Verhandlungen, doch die Pläne befinden sich noch in einem frühen Stadium.

Amazon sieht großes Potenzial in Chipverkauf

Die Überlegungen gehen zurück auf Amazon-CEO Andy Jassys Aktionärsbrief vom April. Darin skizzierte er das beachtliche Potenzial: „Wenn unser Chip-Geschäft ein eigenständiges Unternehmen wäre und die in diesem Jahr produzierten Chips an AWS und andere Drittparteien verkaufen würde (wie es andere führende Chip-Unternehmen tun), würde unsere jährliche Laufrate etwa 50 Milliarden Dollar betragen. Es gibt so viel Nachfrage nach unseren Chips, dass es durchaus möglich ist, dass wir in Zukunft Racks davon an Drittparteien verkaufen werden.“

Ein 50-Milliarden-Dollar-Konkurrent würde Nvidia nicht vom Thron stoßen. Der Chip-Riese fährt aktuell eine Umsatzrate von 326 Milliarden Dollar ein. Dennoch entspricht Amazons Potenzial etwa Intels Jahresumsatz. Bisher hat AWS den direkten Chip-Verkauf bewusst vermieden. Der Grund: Das eigentliche Geld verdient der Cloud-Anbieter durch den Kaskadeneffekt. AWS berechnet nicht nur die AI-Tokens, die seine Chips verarbeiten, sondern kassiert zusätzlich für Storage, Security, Networking und Monitoring-Services.

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Trainium-Chips bereits ausverkauft

Ein weiterer Faktor spricht gegen den Verkauf: Die Kapazität der Trainium-Chips ist restlos ausverkauft. Jassy schrieb im April, dass sowohl der aktuelle Trainium-Chip als auch der erst in über einem Jahr verfügbare Trainium4 bereits komplett vergriffen seien – und das noch vor der Integration von OpenAI in AWS. Ein direkter Verkauf würde bedeuten, dass bestehende Kunden auf Wartelisten landen müssten, außer Amazon könnte über Partner wie TSMC einen Produktionsüberschuss schaffen.

Doch genau hier liegt das Problem: Amazon müsste Nvidia bei TSMC verdrängen – ausgerechnet bei jenem Auftragsfertiger, bei dem Nvidia kürzlich Apple als größten Kunden abgelöst hat. AWS-Sprecher Doron Aronson bestätigte dennoch die Verkaufspläne: „Obwohl wir in der Vergangenheit Anfragen zum direkten Verkauf von Chips abgelehnt haben, hat Andy angemerkt, dass es durchaus möglich ist, dass wir in Zukunft Racks davon an Drittparteien verkaufen werden.“

Nvidia-Chef Jensen Huang kontert derweil mit eigenen Ambitionen: Er hat einen 200-Milliarden-Dollar-Markt für Nvidia-CPUs im AI-Bereich identifiziert. Damit dringt er in Intel- und AMD-Territorium vor. Jassy wiederum zielt mit seinen 50-Milliarden-Ambitionen direkt auf Nvidias GPU-Dominanz.

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