Kommentar

Bitcoin und Ethereum müssen die Haltefrist in Österreich zurück bekommen

Bitcoin. © Canva
Bitcoin. © Canva

Es ist eigentlich gar nicht so lange her, da gab es eine Haltefrist für Krypto-Assets in Österreich. Da waren Gewinne aus dem Handel mit Bitcoin und Co. steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mindestens ein Jahr lag. Dann aber kam die neue Krypto-Steuer, die seit dem 1. März 2022 gilt, und seither werden die Gewinne mit 27,5 Prozent KESt (Kapitalertagssteuer) besteuert. BTC, ETH und Co. sind damit steuerlich Wertpapieren, also etwa Aktien, gleichgestellt worden.

Nun sollte es aber eigentlich bald zur 180-Grad-Wende kommen. Denn das Regierungsprogramm sieht vor, dass es für Wertpapiere eine Abschaffung der KESt nach einer bestimmten Haltefrist geben soll. ÖVP und Grüne sind sich darüber uneins, wie lange die Haltefrist sein sollte: Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) will am liebsten ein Jahr, die Grünen zwei oder mehr Jahre. Wie auch immer – es geht jedenfalls darum, dass das langfristige Investieren in Aktien, ETFs und Co attraktiver wird. Die Haltefrist soll verhindern, dass Aktien-Zocken belohnt wird – weswegen muss man eben über längerem Zeitraum halten, um Steuerfreiheit zu bekommen.

Finanzminister Brunner kündigt Ende der Kapitalertragssteuer auf Wertpapiere an

Zurück zu den Wurzeln

Logisch wäre also, dass dann auch Krypto-Assets ihre alte Haltefrist zurück bekommen müssen – schließlich wurden sie ja steuerlich mit Aktien gleich gesetzt. Nach dem FTX-Kollaps kann man sich natürlich fragen, ob es wirklich alle Kryptowährungen verdienen, so begünstigt zu werden – Token wie FTT oder LUNA erscheinen da im Nachhinein nicht wirklich tauglich. Doch dann muss man sich auch fragen: Ist auch jede Aktie wirklich tauglich?

Vergleicht man die Kurse der beiden führenden Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum mit den Aktienkursen von großen, bei jungen Menschen populären börsennotierten Unternehmen, dann wird man sehen: So viel schlechter haben sich BTC und ETH ja gar nicht entwickelt im für Technologie allgemein schlechten Jahr 2022. Hier der Vergleich der Entwicklung seit Oktober 2021:

  • Bitcoin = Orange
  • Ethereum = Blau
  • Amazon = Gelb
  • Tesla = Rot
  • Apple  = Silber
  • Robinhood = Violett
  • Coinbase = Grün

Dieser Zeitraum beinhaltet natürlich gleich zwei Ausreißer: Zuerst der Tech- und Krypto-Hype Ende 2021, als im November des Jahres die Kurse nicht nur von Bitcoin und Ethereum, aber auch von Tesla oder Amazon auf ihre Spitzenwerte zueilten; und dann, als spätestens ab der US-Zinswende im Mai 2022 die Kurse durch die Bank in starke Turbulenzen gerieten. Bitcoin und Ethereum haben in dem Zeitraum stark verloren, aber man findet auch schnell Aktien, die noch stärker gelitten haben.

Echte Krypto-Anhänger:innen werden aber auch anmerken: Zoom out! Denn wer wirklich längerfristig in BTC und ETH investiert hat, für den sieht die Kurve so aus – und man sieht, dass Ethereum sogar die beiden beliebtesten Aktien bei jungen Menschen (Tesla und Apple) schlägt:

Und wenn man noch weiter hinaus zoomt und sich einen Zeitraum von fünf Jahren ansieht, dann sieht man, dass es gar eine Aktie gibt, doch noch viel volatiler ist als Bitcoin und Ethereum – nämlich jene von Tesla. Dagegen wirken BTC und ETH eher wie stabile Investments in die größten Unternehmen der Welt, Apple und Microsoft.

Österreich wäre übrigens nicht alleine mit einer einjährigen Haltefrist für Krypto-Assets. Die gibt es auch in Deutschland, wo man sich dieses Jahr unter der Ampelkoalition dagegen entschieden hat, sie für Staking und Lending auf zehn Jahre auszuweiten. Für Kryptowährungen, die aus Staking und Lending generiert werden, gilt ebenfalls eine Haltefrist von einem Jahr. Somit müsste eigentlich auch in Österreich klar sein: Eine Haltefrist für zumindest Bitcoin und Ethereum muss kommen – über andere Token kann man gerne noch streiten.

Haltefrist für Wertpapiere: Streit um Abschaffung der KESt geht weiter

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