Analyse

CO2-Emissionen in Österreich 2021 um 3,6 Mio. Tonnen gestiegen

CO2-Emissionen © Bna55 on Pixabay
CO2-Emissionen © Bna55 on Pixabay

Die Treibhausgas-Bilanz für das Jahr 2021 in Österreich ist nicht gerade positiv ausgefallen, besagt eine neue Analyse des Umweltbundesamts. So sind die CO2-Emissionen von 2020 auf 2021 um 4,9 Prozent gestiegen und liegen bei 77,5 Mio. Tonnen. Das bedeutet ein Plus von rund 3,6 Mio. Tonnen im Vergleich zum Jahr 2020. Doch für das Jahr 2022 gehen die Expert:innen von einem Rückgang der Emissionen um fünf Prozent aus. Umweltschutzorganisationen wie das WWF und Greenpeace kritisieren dennoch Versäumnisse in der Klimapolitik.

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„Aus des Pandemieeffekts“ erhöht CO2-Emissionen

„Das erwartungsgemäße Aus des Pandemieeffekts bei den Treibhausgas-Emissionen hat sich nun endgültig bestätigt. Wir müssen weiterhin ambitioniert und auf allen Ebenen für mehr Klimaschutz sorgen. Nur so können wir die Emissionen jedes Jahr weiter senken. Es ist schon einiges auf den Weg gebracht, unsere vielen Klimaschutz-Maßnahmen gegen den Stillstand der letzten Jahrzehnte zeigen bereits eine erste Wirkung. Aber es ist völlig klar: Wir sind noch nicht am Ziel. Gerade für eine klimafreundliche Zukunft braucht es mehr Initiative für den Klimaschutz“, so Klimaschutzministerin Leonore Gewessler.

Nach dem Rückgang der Emissionen im Pandemiejahr 2020 kam es im Jahr 2021 in vielen Sektoren wieder zu deutlichen Zuwächsen. Dabei haben sich die wesentlichen Einflussfaktoren für die Entwicklung der CO2-Emissionen unterschiedlich entwickelt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg 2021 im Vergleich zum Jahr 2020 um rund 4,6 Prozent. Auch die Zahl der Heizgradtage lag aufgrund der kühlen Witterung über dem langfristigen Mittel. Das Bevölkerungswachstum hingegen lag um 0,4 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten 30 Jahre.

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2022 Rückgang der Treibhausgas-Ausstöße erwartet

Das österreichische Ziel gemäß EU Effort-Sharing-Verordnung, die CO2-Emissionen im Jahr 2021 auf 48,8 Mio. Tonnen zu reduzieren, wurde laut der Bilanz erreicht. Für 2022 gehen die Expert:innen des Umweltbundesamts von einem deutlichen Rückgang der Treibhausgas-Emissionen um etwa fünf Prozent aus. „Die nationalen Treibhausgas-Ziele wurden 2021 zwar erreicht, steuerten aber wieder auf das Vor-Krisen-Niveau zu“, erklärt Günther Lichtblau, Klimaexperte des Umweltbundesamtes. „Wenn wir Klimaneutralität und die europäischen Ziele noch erreichen wollen, müssen wir dringend intensive Maßnahmen ergreifen.“

In den Bereichen Energie und Industrie, Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft zeigt die Treibhausgas-Bilanz des Umweltbundesamtes einen Anstieg der Emissionen im Vergleich zu 2020. Der mit Abstand größte Anstieg ist im Gebäudesektor zu verzeichnen, bedingt durch die vermehrten Heizgradtage (plus 12,5 Prozent) und den verstärkten Einsatz von Erdgas und Heizöl. Die Emissionen im Sektor Energie und Industrie (ohne Emissionshandelsbereich) sind durch eine gesteigerte Produktion und den vermehrten Einsatz von fossilen Energieträgern um 6,9 Prozent gestiegen. Insgesamt ergibt sich für die Emissionen, die im nationalen Klimaschutzgesetz geregelt sind, ein Anstieg um circa 4,2 Prozent bzw. rund 1,9 Mio. Tonnen.

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Weg zur Klimaneutralität „kein Spaziergang“

Die Ergebnisse der Analyse sind für Umweltorganisationen ein Grund zur Sorge. „Österreich muss seine CO2-Emissionen systematisch und dauerhaft reduzieren. Dafür braucht es grundlegende Reformen, die alle Bereiche erfassen: Vom Energiesparen bis zum besseren Schutz wertvoller Natur. Nur so wird Österreich langfristig krisensicher“, sagt WWF-Klimasprecher Thomas Zehetner. Besonders dringend sind laut WWF ein großes Energiespar-Programm, ein starkes Klimaschutzgesetz und Sofortmaßnahmen im Verkehr.

Schärfere Kritik kommt von Greenpeace. „Die Treibhausgasbilanz stellt Österreich abermals ein vernichtendes Zeugnis aus: Während auch im Winter ein Temperaturrekord auf den nächsten folgt, wird weiterhin massiv viel klimaschädliches CO2 in die Luft geblasen,“ so Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace in Österreich. “In diesem letzten vollen Regierungsjahr muss die schwarz-grüne Koalition endlich Nägel mit Köpfen beim Klimaschutz machen. Das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden, ist ein Kraftakt, kein Spaziergang. Der Ausstoß von Treibhausgasen muss rasch und nachhaltig gesenkt werden.“

„Es braucht einen Neustart in der heimischen Klimapolitik, damit klimaschädliche Emissionen dauerhaft sinken, rasch die Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten erreicht werden kann und allen Menschen der Zugang zu einer sauberen, leistbaren Energieversorgung ermöglicht wird. Dazu ist als nächster Schritt das Erneuerbaren-Wärmegesetz für den Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen und eine deutliche Verbesserung des Energieeffizienzgesetzes notwendig“, meint Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.

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