Dæly: Grazer Startup macht Tablet zum Familien-Kalender – noch ohne Abo
Ein 15,6 Zoll großes Touchscreen-Tablet an der Küchenwand statt Papierkalender, Zettelwirtschaft und fünf verschiedener Apps: Mit diesem Konzept positioniert sich das österreichische Startup Dæly im wachsenden Markt der digitalen Familienplaner. Hinter dem Produkt steht die Clarity Computer Solutions GmbH mit Hauptsitz in Graz, die den „Dæly Calendar“ über den eigenen Onlineshop und Amazon im deutschsprachigen Raum vertreibt.
Der Dæly Calendar ist ein Full-HD-Touchscreen-Display mit 15,6 Zoll Bildschirmdiagonale (40,1 x 26,1 cm), das wahlweise mit integrierter Wandhalterung an der Wand montiert oder mit dem mitgelieferten Standfuß aufgestellt wird. Das Gerät läuft ausschließlich über Netzstrom – auf einen Akku hat das Team bewusst verzichtet, mit Verweis auf Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und den festen Platz des Geräts im Haushalt. Der Stromverbrauch soll laut Hersteller bei wenigen Watt liegen, vergleichbar mit einer kleinen LED-Lampe.
Wie das Gerät funktioniert
Zentrale Funktion ist die Synchronisation bestehender Online-Kalender: Google, Apple und Outlook-Kalender aller Familienmitglieder lassen sich auf dem Gerät zusammenführen, wobei jedes Familienmitglied eine eigene Farbe erhält. Eine universelle CalDAV-Schnittstelle fehlt bislang – ein Punkt, der in Nutzerbewertungen wiederholt als Wunsch genannt wird.
Ergänzt wird das Tablet durch eine kostenlose Companion-App für iOS und Android, über die alle Inhalte auch unterwegs abrufbar und bearbeitbar sind. Die App funktioniert allerdings nur in Verbindung mit dem Gerät. Für die meisten Funktionen ist eine WLAN-Verbindung nötig; bei Verbindungsabbruch bleiben gespeicherte Termine und Aufgaben lokal sichtbar.
Was Familien damit machen können
Dæly versteht sich als All-in-One-Organisationstool und argumentiert, dass Familien im Schnitt fünf verschiedene Tools zur Alltagsorganisation nutzen. Auf dem Gerät gebündelt sind:
- Kalender mit Wochen- und Monatsansicht sowie farblicher Zuordnung pro Familienmitglied
- To-Dos und Routinen, etwa wiederkehrende Aufgaben für Kinder
- Essensplanung für die Woche
- Listen, etwa Einkaufslisten und Checklisten
- Punktesystem („Reward Board“), mit dem Kinder für erledigte Aufgaben Punkte sammeln und Belohnungen einlösen können
Nach eigenen Angaben wurde das Produkt gemeinsam mit Entwicklungspsycholog:innen konzipiert. In Nutzerbewertungen wird das Gerät häufig im Kontext von Mental Load und – teils explizit – von neurodivergenten Familien positiv erwähnt. Updates mit neuen Funktionen werden laut Unternehmen laufend und automatisch ausgespielt; als künftige Features nennt Dæly unter anderem einen KI-Helfer und automatisierte To-Do-Planung.
Preis und Geschäftsmodell: (Noch) kein Abo
Der Dæly Calendar kostet aktuell 299 Euro (regulärer Preis: 349 Euro) inklusive Mehrwertsteuer, Netzteil, Standfuß und Wandhalterung. Damit liegt das Gerät preislich deutlich über No-Name-Displays aus Fernost, aber unter US-Konkurrenten wie Skylight oder Hearth, deren Geräte zusätzlich auf Abomodelle setzen.
Genau hier setzt Dæly sein zentrales Verkaufsargument: Das Gerät funktioniert komplett ohne Abo. Alle Funktionen, die Käufer:innen heute erhalten, sollen dauerhaft kostenlos bleiben – inklusive Updates. Einzelne Features wie das Punktesystem und die Essensplanung bezeichnet das Unternehmen als eigentlich abopflichtig geplant, sie sind derzeit aber im Rahmen einer zeitlich begrenzten Aktion für Neukund:innen lebenslang kostenlos. Für die Zukunft schließt Dæly freiwillige kostenpflichtige Add-ons nicht aus. Dazu kommen 120 Tage Rückgaberecht und Versand aus Deutschland per DHL.
Allerdings gibt es offenbar Überlegungen, später ein Abo-Modell zu etablieren. Denn angegeben wird, dass später „eventuell freiwillige Add-On Features“ dazukommen könnten. Die Features „Punkte“ und „Mahlzeiten“ sind den Betreibern zufolge eigentlich Abo-Features, zum Start werden sie für alle Käufer für begrenzte Zeit aber noch nicht verrechnet.
Server in Deutschland, Hardware aus Asien
Beim Thema Datenschutz grenzt sich Dæly bewusst von chinesischen und US-amerikanischen Wettbewerbern ab: Die Server stehen laut Unternehmen in Deutschland, die Datenverarbeitung erfolgt DSGVO-konform. Laut den Angaben im Apple App Store erfasst die App keine Nutzerdaten. Die Software wird nach Unternehmensangaben vollständig inhouse in Wien entwickelt – von einem sechsköpfigen Entwicklerteam.
Transparenz zeigt das Startup auch bei der Hardware: Die Displays stammen, wie bei praktisch allen Geräten dieser Kategorie, von asiatischen Herstellern. Eine Produktion in Deutschland würde den Gerätepreis laut Dæly auf rund 1.000 Euro treiben. Der Unterschied zu Billigimporten liege in der eigenen europäischen Software, dem Support ohne KI-Bots und der Datenhaltung in der EU.
Privates Projekt wird zum Unternehmen
Geschäftsführer der Clarity Computer Solutions GmbH sind Alexander Walliser, Florian Ritter und Paul Clemens Truffner. Die Ursprungsgeschichte des Produkts ist eng mit Mitgründer Florian „Flo“ Ritter verknüpft: Er lebt nach eigenen Angaben seit seiner Jugend mit ADHS und suchte 2023 zunächst für sich selbst ein reines Organisationsgerät – ohne Social Media, Notifications und Entertainment-Ablenkung. Aus dem persönlichen Projekt wurde nach ersten Prototypen-Tests ein Produkt für Familien, nachdem das Team feststellte, dass insbesondere Eltern unter der mentalen Belastung der Alltagsorganisation leiden.
Das Team ist mittlerweile auf über ein Dutzend Mitarbeiter:innen angewachsen und verteilt sich auf Standorte wie Wien, Graz, Jena und Oslo; aktuell sind vier Stellen ausgeschrieben. Digitale Familienkalender sind in den USA mit Anbietern wie Skylight bereits ein etablierter Markt, in Europa gab es bislang vor allem Importware. Dæly beansprucht für sich, der erste europäische Anbieter in dieser Kategorie zu sein.

