Grok 4.5

SpaceX: KI-Sparte startet mit Grok 4.5 erstes KI-Modell nach dem großen Börsengang

Colossus 2 of SpaceXAI. © SpaceXAI
Colossus 2 of SpaceXAI. © SpaceXAI

Elon Musks umbenannte KI-Sparte SpaceXAI hat am Dienstag Grok 4.5 veröffentlicht – das erste Modell, das gemeinsam mit dem Coding-Startup Cursor entwickelt wurde. In der EU ist es noch nicht verfügbar.

SpaceXAI, die aus dem früheren xAI hervorgegangene KI-Einheit von Elon Musk, hat am 8. Juli 2026 sein bislang leistungsstärkstes Modell vorgestellt: Grok 4.5. Es ist das erste KI-Modell, das das Unternehmen gemeinsam mit dem Coding-Startup Cursor (Anysphere) trainiert und ausgeliefert hat – jenem Unternehmen, das SpaceX Mitte Juni für 60 Milliarden US-Dollar zu übernehmen angekündigt hat. Das Modell zielt laut Hersteller auf Softwareentwicklung, agentische Aufgaben und Wissensarbeit, ausdrücklich auch auf juristische und finanznahe Anwendungen.

Für europäische Nutzerinnen und Nutzer gibt es allerdings einen entscheidenden Vorbehalt: Grok 4.5 ist zunächst nicht in der EU verfügbar – weder in den SpaceXAI-Produkten noch über die API-Konsole. Das Unternehmen stellt eine EU-Verfügbarkeit für Mitte Juli in Aussicht, nennt aber keinen fixen Termin und keine Begründung für die Verzögerung.

Verfügbarkeit und Preise

Außerhalb der EU ist Grok 4.5 ab sofort in Grok Build (dort als Standardmodell), in Cursor über alle Tarife hinweg sowie über die SpaceXAI-Konsole nutzbar. Ein breiterer öffentlicher Rollout ist laut Berichten für Donnerstag angesetzt.

Preislich positioniert sich das Modell aggressiv: Das Basismodell kostet 2 US-Dollar pro Million Input-Token und 6 US-Dollar pro Million Output-Token; Cursor nennt zusätzlich eine schnellere Variante zu 4 bzw. 18 US-Dollar. Zum Vergleich verweisen mehrere Medien auf Anthropics Opus 4.8 (5 bzw. 25 US-Dollar) und OpenAIs GPT-5.6 (1 bzw. 6 US-Dollar). Cursor-Abos für Einzelpersonen und Teams enthalten das Modell im eigenen Modellpool und verdoppeln in der ersten Woche das Nutzungslimit.

Leistung: „Opus-Klasse“ – laut Hersteller

Musk beschreibt Grok 4.5 als „Opus-class“-Modell, das jedoch schneller, token-effizienter und günstiger sei. Diese Einordnung ist eine Herstellerangabe; unabhängige Bestätigungen der Benchmark-Werte lagen zum Launch nicht vor.

Die von SpaceXAI selbst veröffentlichten Zahlen zeichnen ein gemischtes Bild: Bei DeepSWE 1.0 und Terminal-Bench 2.1 liegt Grok 4.5 vor Anthropics Opus 4.8, bei DeepSWE 1.1 und SWE-Bench Pro dahinter. In mehreren Charts führt Anthropics Fable 5 das Feld an. Beim juristischen Harvey Legal Agent Benchmark reklamiert SpaceXAI Platz 1 für sich. „Opus-Klasse“ als Kategoriebeschreibung ist damit plausibel, ein durchgängiges Übertreffen von Opus 4.8 belegen die eigenen Daten allerdings nicht.

Als Stärke hebt das Unternehmen die Effizienz hervor: Auf SWE-Bench-Pro-Aufgaben benötige Grok 4.5 im Schnitt rund 15.900 Output-Token – etwa 4,2-mal weniger als Opus 4.8. Ausgeliefert wird das Modell mit rund 80 Token pro Sekunde. Technisch handelt es sich laut Cursor um ein Mixture-of-Experts-Modell, das auf Billionen Token aus realen Cursor-Nutzungsdaten sowie auf STEM-Aufgaben, Forschungsarbeiten und weiterer Wissensarbeit trainiert wurde; Berichte sprechen von einem 1,5 Billionen Parameter umfassenden „V9“-Fundamentmodell.

Unterschied zu Composer: eigenes Coding-Modell auf chinesischer Basis

Neben Grok 4.5 bleibt Cursors bisheriges Eigenmodell Composer 2.5 im Angebot. Beide Modelle gehören zu unterschiedlichen Größen- und Gewichtsklassen, und Cursor kündigt an, künftig weiter neue Modelle in der kleineren Composer-Klasse zu veröffentlichen.

Der zentrale Unterschied liegt in Zweck und Herkunft. Composer ist ein bewusst schlanker, latenzarmer Coding-Spezialist für den Einsatz direkt in Cursor. Laut technischem Report entstand Composer 2 durch fortgesetztes Pretraining auf dem offenen Kimi-K2.5-Basismodell des chinesischen Anbieters Moonshot AI, ergänzt um großangelegtes Reinforcement Learning in Cursor-nahen Umgebungen; Composer 2.5 baute darauf auf. Grok 4.5 wurde dagegen als breiter aufgestelltes, größeres Modell gemeinsam von SpaceXAI und Cursor trainiert und deckt neben dem Programmieren ausdrücklich auch allgemeine Wissensarbeit ab.

Einordnung: Konsolidierung im KI-Coding-Markt

Der Launch fällt in eine Phase rascher Konsolidierung. SpaceX hatte xAI im Februar 2026 übernommen und die KI-Sparte in SpaceXAI umbenannt; am 12. Juni folgte der Börsengang, wenige Tage später die 60-Milliarden-Dollar-Ankündigung zur Cursor-Übernahme. Diese ist formal noch nicht abgeschlossen – der Vollzug wird für das dritte Quartal 2026 erwartet. Trainiert wurde Grok 4.5 laut mehreren Berichten teils auf derselben Rechenkapazität, die SpaceXAI parallel an die Wettbewerber Anthropic und Google vermietet.

Bemerkenswert ist auch das Timing: Am selben Tag rollte OpenAI seine neue GPT-5.6-Reihe breiter aus. Angesichts erhöhter regulatorischer Aufmerksamkeit für Cybersicherheitsrisiken neuer Modelle betont Cursor zudem, zusätzliche Schutzmechanismen ergänzt zu haben, um Missbrauch zu erkennen und zu blockieren, ohne legitime Sicherheitsforschung zu behindern.

Für den europäischen Markt bleibt damit vorerst offen, wann und zu welchen Bedingungen Grok 4.5 verfügbar sein wird – und ob sich die vom Hersteller reklamierten Effizienz- und Preisvorteile im unabhängigen Test bestätigen.

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