Aktionsprogramm

Deutschland investiert vier Milliarden Euro in „natürlichen Klimaschutz“

Bundesumweltministerin Lemke präsentierte das "Aktionsprogramm Natürlöicher Klimaschutz". © BMUV/Sascha Hilgers
Bundesumweltministerin Lemke präsentierte das "Aktionsprogramm Natürlöicher Klimaschutz". © BMUV/Sascha Hilgers

„Klimaschutz ist Krisenvorsorge“: Das Motto der deutschen Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) zielt darauf ab, proaktiv auf die Klimakrise zu reagieren. Mit dem neuen „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“ sollen die zwei größten ökologischen Krisen bekämpft werden: die Klimakrise und die Krise des Artensterbens. Das am 29. März präsentierte Aktionsprogramm ist dabei eng mit dem Paket von Sofortmaßnahmen verknüpft, das Kommunen besser auf Wetterextreme vorbereiten soll (Tech & Nature berichtete).

Synergien zwischen Natur und Klimaschutz

Wälder und Auen, Böden und Moore, Meere und Gewässer, Grünflächen in der Stadt – all diese Ökosysteme können einen Beitrag zum natürlichen Klimaschutz leisten. Doch dafür müssen die Gebiete gesund bewirtschaftet werden. Ausgetrocknete Moore können etwa kein CO2 mehr binden und werden etwa selbst zur Quelle von Treibhausgasemissionen.

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Auch trocken gelegte Auen bieten Flüssen mittlerweile oft nicht mehr genug Raum, um die Wassermassen etwa bei schweren Niederschlägen aufzunehmen.  Meere können aufgrund des menschlichen Einflusses viele ihrer ökologischen Funktionen nicht mehr ausüben und Monokulturen in Wäldern sind anfälliger für Schädlinge und Dürren. Intakte Ökosysteme können jedoch einen Beitrag zur Reduzierung der Klimakrise leisten. Die deutsche Bundesregierung will daher vorhandene Synergien zwischen Natur und Klimaschutz fördern. Im aktuellen Haushaltsentwurf bis 2026 sind dafür vier Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds vorgesehen. Dabei wurde ein Aktionsprogramm ausgearbeitet.

Hauptaugenmerk auf Renaturierung von Mooren

Moorrenaturierungen stellen dabei eine der Hauptaufgaben des Programms dar. In Deutschland sind derzeit 92 Prozent der Moorböden entwässert und verursachen jährlich mit rund 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente einen Anteil von etwa 6,7 Prozent der gesamten nationalen Treibhausgas-Emissionen. Entwässerte Moorböden sollen daher, wenn möglich, wieder vernässt werden.

Moore könnten Bergbauabwasser filtern und sich gleichzeitig regenerieren

Das geht jedoch zulasten der Landnutzer:innen. Diese brauchen Zukunftsperspektiven wie etwa eine angepasste Beweidung, Schilfnutzung oder neue Ideen, um nachhaltige und regionale Wertschöpfungsketten zu etablieren. Bereits jetzt wurden Pilotprojekte in vier deutschen Moorregionen gestartet: 48 Millionen Euro werden in den nächsten zehn Jahren investiert, um die Moore wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuführen. Und auch der Bundesverkehrswegeplan soll nochmal betrachtet werden, um die Verbauung der Moore möglichst gering zu halten.

Auen und marine Ökosysteme sollen aufgewertet werden

Einen ähnlichen Nutzen bieten Auen und natürliche Fließgewässer. Auen sind Orte biologischer Vielfalt, filtern Oberflächenwasser und halten das Wasser im Boden, was Dürren vorbeugen kann. Bei Starkregen gelten sie als Hochwasserschutz, ein Drittel der überflutbaren Auen in Deutschland werden heute jedoch als Ackerfläche oder Siedlungsraum genutzt. Daher soll es finanzielle Anreize für Kommunen geben, um Au-Landschaften wieder zu renaturieren.

Marine Ökosysteme wie Seegraswiesen, Salzmarschen und Algenwälder sowie das Sediment am Meeresboden binden auf natürliche Weise Kohlenstoff aus der Atmosphäre und fungieren als CO2-Speicher. Ihr Zustand in Nord- und Ostsee ist jedoch oft schlecht. Die deutsche Bunderegierung will daher eine verbindliche Meeresstrategie erarbeiten und gemeinsam mit den Ländern ein Aufbauprogramm für das marine und Küsten-Ökosysteme entwickeln.

Nur ein gesunder Wald ist ein guter Wald

Auch gesunde Wälder können große Mengen an CO2 speichern. Die letzte Bundeswaldinventur von 2012 weist jedoch nur 36 Prozent der Waldfläche in Deutschland als naturnah aus. Besonders Monokulturen sind anfällig für Schädlinge und leiden massiv unter Dürren. Durch gezielten Waldumbau soll daher die natürliche Waldentwicklung gefördert und so die Widerstandsfähigkeit von Wäldern gefördert werden.

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Doch es regt sich bereits Gegenwind, etwa in der Forstwirtschaft. Wer würde dort etwa für den Ausfall an Nutzholz aufkommen? „Vier Milliarden Euro sind noch keine Lösung für alle Probleme, die wir in der Land- und Forstwirtschaft haben. Das geht über das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz hinaus“, bestätigt Lemke in der Pressekonferenz am Dienstag. „Es ist jetzt aber besonders wichtig, langfristig zu denken. Viele Maßnahmen brauchen Zeit, um ihre Wirkung vollständig zu entfalten“, so die Bundesumweltministerin.

Natürlicher Klimaschutz in Städten

Relativ rasch könnte der natürliche Klimaschutz allerdings in Städten Fuß fassen. In urbanen Gebieten leisten Grün- und Freiflächen etwa einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung und sorgen für mehr Lebensqualität. Pro Tag werden in Deutschland allerdings immer noch über 50 Hektar an Boden verbaut. Bis 2050 soll diese Zahl zu einer „Netto-Null“ werden. Dann soll etwa gleich viel Boden verbraucht wie wieder renaturiert werden. Zudem sollen in den nächsten Jahren 150.000 Stadtbäume gepflanzt werden.

Konkrete Maßnahmen wurden bei der Pressekonferenz allerdings noch nicht präsentiert. Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz soll im Laufe des Jahres weiter ausgearbeitet und mit konkreten Maßnahmen unterlegt werden. Der Naturschutzbund  Deutschland begrüßt das Vorhaben und fordert, Bundesländer und Kreise aktiv einzubeinden. Johann Rathke, Koordinator für Agrarpolitik und Landnutzungspolitik beim WWF Deutschland, sieht es ähnlich: „Für ein Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz braucht es also nicht nur ambitionierte Ziele, mehr Geld oder sinnvolle Gesetzeskorrekturen, sondern vor allem eine kluge Strategie zur Lösung von Zielkonflikten.“

 

 

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