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DevTernity: Kritik an Fake-Profilen zu weiblichen Speakern bei Tech-Event

Eine der mutmaßlichen "Fake-Sprecherinnen" bei DevTernity © coding_unicorn on Instagram
Eine der mutmaßlichen "Fake-Sprecherinnen" bei DevTernity © coding_unicorn on Instagram

Erfundene Personen geistern dieser Tage immer häufiger durch das Internet und fungieren dabei als Influencer oder auch als Lockvogel für Betrugsmaschen. Doch die Software-Konferenz DevTernity aus Lettland hat es nun offenbar noch weiter getrieben, denn sie nutzt Fake-Sprecherinnen, um den Frauenanteil höher aussehen zu lassen. Der Software-Berater Gergely Orosz hat nach eigenen Angaben die Verschleierung entdeckt. Mittlerweile hat sich auch der Veranstalter Eduards Sizovs zu Wort gemeldet und die Vorwürfe zurückgewiesen.

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Sprecherin „wissentlich erfunden“

Gergely Orosz hat sich eine der Sprecherinnen bei der im Dezember stattfindenden Konferenz, die Software-Ingenieurin Anna Boyko, genauer angeschaut. DevTernity wirbt für sich selbst als „internationale Softwareentwicklungskonferenz Nr. 1“ und hat in der Branche bekannte Redner wie Scott Hanselman, Kelsey Hightower und Sam Newman für sich gewonnen. Doch auch wenn Anna Boyko seit Jänner neben diesen Persönlichkeiten gelistet war, konnte Orosz keine genaueren Informationen über sie finden. Der Grund: Anna Boyko existiere nicht.

„Anna Boyko, eine der drei bestätigten Sprecherinnen auf der DevTernity, wurde von den Organisatoren wissentlich erfunden“, schreibt Orosz auf LinkedIn. Sie war außerdem offenbar nicht die einzige erfundene Rednerin auf der Konferenz. Alina Prokhoda, „Senior Engineer bei WhatsApp, Microsoft MVP“, war auf der Website der Java-Entwickler-Konferenz JDKon, die im Mai 2024 stattfinden sollte, zu sehen. Auch sie ist eine Fälschung. Die JDKon hat wohlgemerkt die selben Organisatoren wie DevTernity. Auch bei der DevTernity in den Jahren 2021 und 2022 war eine Sprecherin namens Natalie Stadler aufgezählt, eine „Software Craftswoman bei Coinbase“. Doch sie gibt es ebenfalls nicht wirklich.

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„Tiefpunkt bei Tech-Konferenzen“

Julia Kirsina, „Software Craftswoman, Tech Influencer @ Instagram“, ist ebenfalls gefälscht, aber auf eine komplexere Weise. Es handelt sich laut Orosz um ein Catfishing-Profil mit Fotos von einem realen Model und jemand anderem, der den gesamten Text schreibt. Sie ist als Rednerin bei DevTernity in den Jahren 2021, 2022 und 2023 aufgeführt, hat aber nie einen einzigen Vortrag gehalten. Auf ihrem Xing-Profil gibt sie sich als Software-Ingenieurin bei Uber an, was ebenfalls falsch ist.

„Drei Jahre lang hat DevTernity gefälschte Sprecherinnen aufgelistet: Einige offensichtlich gefälscht, andere raffiniert gefälscht. Aber warum? Wahrscheinlich, um Bedenken hinsichtlich der Vielfalt auszuräumen, die von hochrangigen Rednern (die sich geweigert hätten, einen Vortrag zu halten) und Kunden (die sich über die mangelnde Vielfalt in der Vergangenheit beschwert haben) geäußert wurden“, meint Gergely Orosz. Er sieht das als einen „Tiefpunkt bei Tech-Konferenzen.“ Alle Redner, die Orosz kennt und die mit DevTernity in Verbindung stehen, haben sich ihm zufolge zurückgezogen. Sie seien jetzt ohne ihre Zustimmung auf der Website aufgeführt.

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Leiter von DevTernity weist Vorwürfe zurück

Eduards Sizovs, der Leiter der Konferenz, hat mittlerweile auf Twitter / X zurückgeschossen. „Ich habe mich sehr für Inklusion und Vielfalt eingesetzt und hart daran gearbeitet, DevTernity für alle inklusiv zu machen, und zwar nicht nur für weibliche Sprecherinnen“, so Sizovs. Ihm zufolge war es schwer, in diesem Jahr eine diverse Sprecher:innen-Riege aufzubauen. Zwei weibliche Sprecherinnen seien ausgefallen. Nun soll statt ihnen eine Demo-Persona der Test-Website-Version aufgelistet worden sein. Diese automatisch generierten Profile seien versehentlich dort gelandet. Sizovs zufolge ist dieses Problem nun aber ausgebügelt. Orosz habe die Veranstaltung öffentlich dämonisiert, ohne den Leiter dabei direkt zu kontaktieren.

Jedoch offenbart ein Blick auf die Website der Konferenz am Montag, dem 27. November, dass Julia Kirsina immer noch auf der Sprecher:innen-Liste steht. Auch ist noch nicht klar, wieso in den vergangenen Jahren scheinbar ebenfalls Fake-Personen aufgelistet waren, wenn es sich Eduards Sizovs zufolge nur um einen Fehler gehandelt hatte.

Ob nun Gergely Orosz mit seinen Vorwürfen Recht hat oder nicht, der Frauenanteil bei der Konferenz ist auf jeden Fall sehr niedrig. Gefälschte Frauen als Sprecherinnen zu listen, wäre zumindest eine ziemlich neue Masche, um darüber hinwegzutäuschen. Immer wieder wird der mangelnde Frauenanteil bei solchen Veranstaltungen kritisiert. Kosima Kovar, CEO von Ada Growth, kommentierte die DevTernity-Situation auf LinkedIn: „Die Ausrede ‚Wir können keine Frauen finden‘ hat damit ein neues Level erreicht.“

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