Ukrainekrieg

„Energie als Waffe“: Europa bereitet sich angstvoll auf den 21. Juli vor

Nord Stream Pipeline. © www.nord-stream.com
Nord Stream Pipeline. © www.nord-stream.com

1.224 Kilometer durch die Ostsee, vom russischen Wyborg nach Lubmin in Deutschland. Mit einer Kapazität von 27,5 Milliarden Kubikmetern Gas ist Nord Stream 1 seit 2011 zu eine der wichtigsten Pipelines für Europa geworden, was die Versorgung mit Gas angeht. Nachdem die Liefermengen zuletzt auf 40 Prozent gedrosselt wurden, steht die Pipeline ab heute still – wegen einer technischen Wartung für etwa zehn Tage. Doch Europa fragt sich: Wird da aus einer technischen Wartung eine politische?

„Das Speicherziel der Bundesregierung von 80% vor dem nächsten Winter kann trotz der Wartung noch erreicht werden. Allerdings kann heute niemand prognostizieren, ob die Lieferungen nach der Wartung von Nord Stream 1 vollumfänglich wiederaufgenommen werden“, so die österreichische Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne). „Denn Russland führt Krieg und setzt Energielieferungen als Waffe ein. Der 21. Juli ist deshalb ein kritisches Datum für die Gasversorgung in ganz Europa.“

Gasmengen aus Russland sinken kontinuierlich

Europa weiß, Putin hat den Kontinent im Griff. Zwar wird überall versucht, das Gas, das nur mehr teilweise oder gar nicht mehr kommt, zu ersetzen, doch das funktioniert nicht so schnell wie es gehen müsste. Deswegen treffen sich die europäischen Finanzminister heute in Brüssel, um etwaige Folgen zu besprechen. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire sagte am Sonntag vor dem Treffen, dass man sich darauf einstellen müsse, dass die russischen Gaslieferungen als Vergeltung für die Sanktionen der EU gegen den Kreml und die Unterstützung der Ukraine vollständig eingestellt werden.

Wie stark die Gaslieferungen zurück gegangen sind, hat der Web-Entwickler Bert Hubert visualisiert. Die Grafik zeigt, dass nicht nur die Gasmengen durch Nord Stream 1 gedrosselt wurden, sondern auch andere Pipelines von Russland nach Europa betroffen sind:

Haushalte und Firmen sollen sparen

Die Einschränkung der Gaslieferungen betrifft nicht alle Länder gleich stark. Durch die große Abhängigkeit von russischem Gas sind vor allem Deutschland und Österreich betroffen. Österreich wird über die Ukraine-Route versorgt (siehe oben, in Gelb) und muss Berichten zufolge viel mehr Gas sparen als andere Länder in der EU. Bisweilen gibt es aber kaum drastische Empfehlungen seitens der Politik. Während in Deutschland bereits intensiv diskutiert wird, wie kurz Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) duscht, gibt es bisher die Empfehlung an Haushalte, wenn möglich von Gasheizungen auf „andere Heizungssysteme“ zu wechseln, wenn das nicht geht, dann solle man:

  • Therme vom Installateurbetrieb warten und effizient einstellen lassen
  • Heizkörper entlüften und von Möbeln frei räumen
  • Hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage im mehrgeschossigen Wohnbau
  • Türen und Fenster abdichten

Immerhin wurde seitens der Bundesregierung eine Kampagne über Möglichkeiten zum Energiesparen angekündigt. In Deutschland gibt es die bereits. Da gibt es neben Haushalts-Tipps auch Tipps für Unternehmen und Kommunen.

Wenn Russland kein Gas mehr liefert, drohen etwa 70.000 Arbeitslose

Gaspreis wächst wieder

Besondere Sorgen bereitet der hohe Gaspreis. Bloomberg berichtet, dass die europäischen Erdgaspreise zwar immer noch deutlich unter dem im März erreichten Allzeithoch liegen, nachdem der russische Überfall auf die Ukraine die Märkte schockte. Jetzt, durch den Wartungsstopp von Nord Stream 1 und dem möglichen kompletten Stopp nach dem 21. Juli, steigen die Preise wieder. Denn war der Markt vorher noch von einer mehrmonatigen Krise ausgegangen, so wird jetzt vermehrt auf das Jahr 2023 und sogar darüber hinaus geblickt.

So hat sich der Gaspreis in den vergangenen Tagen auf einem viel höheren Niveau eingependelt. In Deutschland ist bereits die Rede davon, dass die Gasrechnungen von Konsument:innen im Winter das Sechs- bis Achtfache betragen könnten. Diese erwarteten dramatischen Preissteigerungen bei ohnehin schon sehr hoher Inflation werfen die Frage auf, wie Regierungen ihre Bürger:innen schützen können, um sie vor dem Privatkonkurs zu bewahren. Preisdeckel auf Gas und Strom werden bereits intensiv diskutiert.

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