Gutes Jahr

EY Start-up-Barometer: Rekord bei Finanzierungsrunden in Österreich

© Christian Dubovan on Unsplash
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Obwohl 2023 alles andere als einfache wirtschaftliche Bedingungen bot, kann sich Österreich über ein gutes Startup-Jahr freuen. Bei der Anzahl der Finanzierungsrunden steht sogar ein neues Rekordergebnis: 184 Finanzierungsrunden wurden 2023 erfolgreich abgeschlossen, was ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Es zeigt sich allerdings auch, dass große Wachstumsrunden „stark zurückgehen“, wie es im EY Start-up-Barometer 2023 heißt.

Mehr kleine Runden

Der bisherige Höchstwert an Finanzierungsrunden wurde 2020 markiert, als insgesamt 153 Abschlüsse gezählt worden waren. Gleichzeitig sank der Gesamtwert dieser Investitionen gegenüber 2022 deutlich um fast ein Drittel (32 %) von rund einer Milliarde Euro auf ein Gesamtvolumen von 695 Millionen Euro. Gegenüber dem bisherigen Höchstwert aus 2021, als ein Gesamtvolumen von gut 1,23 Milliarden Euro realisiert worden war, bedeutet das laut EY einen Rückgang um 44 Prozent.

Der Rückgang soll aber vor allem auf die geringere Anzahl an Großdeals im Umfang von mehr als 100 Millionen Euro zurückzuführen sein. Diese trugen 2021 675 Millionen Euro bei und 2022 550 Millionen Euro. 2023 kam es zu keinem Abschluss in dieser Größenkategorie. 2023 war deswegen aber nicht zwingend „schlecht“: Rechnet man die beiden Ausnahmejahre 2021 und 2022 heraus, brachte 2023 mit Abstand das bisher höchste Finanzierungsvolumen – vor dem Boom lag diese Bestmarkte bei 262 Millionen Euro im Jahr 2020.

EY: Im 1. Halbjahr 2023 mehr österreichische Finanzierungsrunden denn je

EY: ‚Back to the Old Normal‘

„Nach zwei Boom-Jahren mit neuen Bestmarken bei Finanzierungsvolumina und Bewertungen sieht man überall auf der Welt den Trend ‚Back to the Old Normal‘. Für die österreichische Start-up-Szene war 2023 trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ein starkes Jahr, in dem mehr Unternehmen denn je zuvor frisches Kapital bekommen haben. Natürlich fallen darunter auch Überbrückungsfinanzierungen, um Liquidität zu sichern. Diese werden allerdings zumeist diskret mit Bestandsinvestor:innen durchgeführt, die Mehrheit der veröffentlichten Kapitalspritzen waren strategische Wachstumsrunden. Der Wermutstropfen sind wie schon in den Vor-Boom-Jahren die großen Anschlussfinanzierungen: Für Scale-ups ist es momentan enorm schwer, zwei- bis dreistellige Millionenfinanzierungen zu bekommen, um die nächste Stufe ihres Wachstumsplans zu erreichen“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.

Österreich mit „guten Voraussetzungen“

In den letzten zehn habe sich das österreichische Start-up-Ökosystem „von einem niedrigen Niveau kommend sukzessive professionalisiert und gut entwickelt“, erlkärt Haas weiter. „Heimische Start-ups und Scale-ups sind voll am Radar internationaler Investorengruppen angekommen, unsere Förderlandschaft ist internationale Top-Klasse und insbesondere im Frühphasenbereich haben wir mit einer sich gut entwickelnden Business-Angel-Landschaft gute Rahmenbedingungen. Mit dem Start-up-Paket wurde zumindest ein wichtiger erster Schritt gesetzt, um Gründungen und Mitarbeiterbeteiligungen zu vereinfachen.

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Österreich habe „prinzipiell gute Voraussetzungen“, um auch im internationalen Vergleich ein starker Start-up-Standort zu werden. „Damit wir dort auch wirklich ankommen, muss vor allem an drei Hebeln gezogen werden: Unternehmer- und Gründertum fördern, bürokratische Hürden noch stärker abbauen und vor allem bessere Rahmenbedingungen für Investments von institutionellen und privaten Anleger:innen schaffen, beispielsweise über die Etablierung eines Dach-Fonds.“ So könne auch das „strukturelle Problem der Wachstumsfinanzierungen für Scale-ups made in Austria“ angegangen werden.

Mehr Vorsicht bei den Investor:innen

Gerade für Scale-ups sei die Zurückhaltung der Investor:innen in Kombination mit sinkenden Bewertungen, hoher Inflation und der Zinswende nämlich „ein gefährlicher Cocktail, der sich 2024 fortsetzen wird“. „Wir werden nächstes Jahr eine weitere Konsolidierung erleben, dazu gehören leider auch Downrounds – also Finanzierungsrunden mit niedrigen Bewertungen als bei der letzten Runde –, Insolvenzen und Mergers bzw. Asset Deals, bei denen Mitbewerber in Schieflage übernommen werden.“

EY sehe aufgrund der veränderten Marktbedingungen wieder „mehr Vorsicht“ auf Seiten der Investor:innen und deutlich mehr Fokus auf Due Diligence und genaue Prüfung der Geschäftsmodelle und Zahlen, auch weil der Wettbewerbsdruck um den Zuschlag bei Finanzierungsrunden zurückgegangen ist. Haas: „Das ist gerade für Start-ups mit guter, durch Zahlen belegbarer Marktperformance und nachhaltigen Geschäftsmodellen und Skalierungs-Plänen eine Chance.

Zurück auf 2020

Insgesamt zeigt sich, wie auch eingangs erwähnt, dass die Finanzierungsrunden wieder kleiner wurden. Das durchschnittliche Volumen der Deals, bei denen eine Summe veröffentlicht wurde, ging deutlich um rund die Hälfte (51 %) von 8,92 Millionen Euro (2022) auf 4,35 Millionen Euro zurück. Im Rekordjahr 2021 lag das durchschnittliche Volumen getrieben von wenigen Mega-Runden bei rund zwölf Millionen Euro. Damit liegt das durchschnittliche Volumen einer
Finanzierungsrunde in Österreich – bei deutlich mehr abgeschlossenen und veröffentlichten Runden – wieder auf dem Vor-Boom-Niveau im Jahr 2020 (4,5 Millionen Euro).

Zurückzuführen sei das insbesondere auf einen deutlichen Anstieg bei Finanzierungen in der Frühphase bei gleichzeitigem Ausbleiben von Mega-Runden. 2023 wurden vier Finanzierungsrunden mit einem Volumen von jeweils mehr als 50 Millionen Euro gezählt, das ist ein Deal mehr als im Vorjahr. Allerdings wurde kein einziger Deal im Umfang von mehr als 100 Millionen Euro verzeichnet, im Vorjahr gab es davon zwei (GoStudent, TTTech Auto – wir haben berichtet).

Die größten Runden des Jahres

Die größte Finanzierungsrunde 2023 schloss das österreichisch-deutsche PropTech Gropyus mit rund 100 Millionen Euro ab (hier geht es zum Artikel). Dahinter folgen das Salzburger Logistik-Scale-up MYFLEXBOX mit rund 75 Millionen Euro, die nachhaltige Online-Plattform Refurbed mit rund 54 Millionen Euro, das oberösterreichische CleanTech-Unternehmen neoom (zwei Runden mit insgesamt 41 Millionen Euro), sowie der Lieferketten-Spezialist Prewave (wir haben berichtet).

Die meisten Finanzierungsrunden wurden 2023 wie schon im Vorjahr im Softwarebereich abgeschlossen. Mit SaaS, Artificial Intelligence, Virtual Reality, Blockchain, Cloud, Cyber Security sowie Data Analytics umfasst dieser Bereich Start-ups mit neuen Technologien.

Auch die Bereiche E-Commerce und Health auf den Rängen 2 und 3 verzeichneten jeweils deutlich mehr Finanzierungsrunden als im Vorjahr. Mit 64 Finanzierungsrunden (2022: 39) liegt die Software-Branche deutlich vor E-Commerce-Unternehmen (28; 2022: 19) und Health-Start-ups (20; 2022: 15).

Nachhaltigkeit und die Top-Themen für Investor:innen

Zwei Branchen brachten es 2023 auf Risikokapitalzuflüsse von jeweils mehr als 100 Millionen Euro: Startups aus dem Bereich Software & Analytics sammelten insgesamt 144 Millionen Euro ein (2022: 138), der Bereich ConstructionTech/Green Building konnte aufgrund der 100-Millionen-Euro-Runde für Gropyus 101 Millionen Euro auf sich vereinen. Darüber hinaus erhielten drei Sektoren jeweils mehr als 90 Millionen Euro: Mobility, E-Commerce und Education.

Für Investorengruppen liegt der Fokus bei Investments in Start-ups klar auf den Themen Digitalisierung und neue Technologien. Als zweiter wesentlicher Bereich hat Nachhaltigkeit in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen, 2023 reflektiert sich das erstmals auch deutlich in den Zahlen: 2023 gingen immerhin 36 der insgesamt 184 registrierten Finanzierungsrunden an Start-ups, deren Geschäftsmodell unmittelbar auf Lösungen zum Thema Nachhaltigkeit und Kampf gegen den Klimawandel ausgerichtet ist – 2022 waren es nicht einmal halb so viele Abschlüsse (17). Der Anteil an den gesamten Finanzierungsrunden stieg damit von elf Prozent auf 20 Prozent.

Das Gesamtvolumen der Finanzierungsrunden im Jahr 2023, an denen Start-ups mit Nachhaltigkeits-Fokus beteiligt waren, belief sich auf 175 Millionen Euro – das ist ein Zuwachs von 465 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als die Gesamtfinanzierungssumme für Start-ups mit Nachhaltigkeitsbezug auf lediglich 31 Millionen Euro betrug. Dementsprechend stieg der Anteil an der gesamten Finanzierungssumme auch deutlich von drei Prozent auf 25 Prozent.

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