Markus Hohenwarter

Founder der Woche: Vom „gescheiterten Mathelehrer“ zum 100-Millionen-Exit

Markus Hohenwarter, Gründer von GeoGebra. © GeoGebra/Hohenwarter
Markus Hohenwarter, Gründer von GeoGebra. © GeoGebra/Hohenwarter

Mit einer kostenlosen, dynamischen Mathematiksoftware für Lehrende und Lernende will Markus Hohenwarter, Gründer des Linzer Startups GeoGebra, den Matheunterricht revolutionieren. Seit der Gründung im Jahr 2013 hat sich die Nutzung der Software über die ganze Welt und selbst in die entlegensten Gegenden verbreitet. Nun kam es zum Exit: Das indische Unternehmen Byju’s hat die Jungfirma übernommen (Trending Topics berichtete). Wegen diesem massiven Erfolg ist Markus Hohenwarter unser „Founder der Woche“.

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Kampf gegen „mühselige Papierarbeit“

Markus Hohenwarter ist nicht nur CEO und Gründer von GeoGebra, sondern auch Professor für Mathematik an der Johannes Kepler Universität Linz (JKU). Demnach spielt die Mathematik eine riesige Rolle im Leben des Founders. Ihm wurde das Fach allerdings nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Er wuchs in einem Bergdorf in Salzburg auf, seine Eltern leiteten ein Hotel. Hohenwarter ging jedoch ins Gymnasium und zeigte dabei schon ein Talent für die Mathematik.

„Ich hatte in Mathe nie große Schwierigkeiten, aber mir ist aufgefallen, dass der Unterricht viel mühselige Papierarbeit erforderte. Schon damals hatte ich einen gewissen Wunsch, das alles anschaulicher und greifbarer machen zu können“, erzählt Hohenwarter im Gespräch mit der JKU Linz. Für sein Studium an der Uni Salzburg wählte er allerdings zuerst Informatik. Erst später machte er ein Doktorat im Bereich der Mathematik.

Rechnungen auf intuitive Weise durchführen

„Beim Studium habe ich erst wirklich meine Liebe zur Mathematik entdeckt. Ich war damals weniger das Genie, das alle Aufgaben sofort löst, sondern eher der Vermittler, der die Lösungen für andere ‚übersetzt‘ hat. Dadurch habe ich Mathematik als ein sehr soziales Unterfangen erlebt. Als ich das erste Mal einen Texas Instruments-Taschenrechner verwendet habe, ist die erste Idee zu GeoGebra entstanden“, so Hohenwarter. Ursprünglich wollte er übrigens selbst Mathelehrer werden, unterrichtet nun allerdings statt an einer Schule an einer Universität.

Entwickelt hat Hohenwarter die Software noch vor der Gründung, als er an zwei Universitäten im US-Bundesstaat Florida unterrichtete. Ursprünglich handelte es sich bei der Anwendung um eine digitale Hilfe bei Geometrie-Aufgaben. Durch das digitale Zeichnen von Formen sollte es möglich sein, geometrische Rechnungen auf intuitive Weise durchzuführen und dabei viele Experimente durchzuführen. Dann kam eine Algebra-Funktion hinzu, die ebenfalls dank eines Schieberegler ein intuitives und spielerisches Element hatte.

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„Wir sind wie Wikipedia für Mathematik“

„Das Ziel war es, alle möglichen mathematischen Funktionen in einer Anwendung zu vereinen. Vor allem Schüler:innen sollen dadurch ohne lange Einschulung profitieren. Auch wenn ich mich als ‚gescheiterten Mathelehrer‘ sehe, will ich dennoch etwas zum Unterricht beitragen“, sagt Hohenwarter. Die Software ist bis heute für nicht-kommerzielle Nutzer:innen kostenlos. Eigentlich wollte das Startup nicht unbedingt Geld mit der Idee machen. Viele Freiwillige haben bei der Entwicklung mitgeholfen.

Besonders wichtig für GeoGebra ist laut Hohenwarter die Community aus Lehrenden, die durch die Software entstanden ist. Sie können nämlich selbst mathematische Beispiele erstellen und diese miteinander austauschen. So müssen Lehrer:innen nicht immer von Grund auf Aufgaben für Schüler:innen selbst erstellen. Mittlerweile haben schon weltweit über 400.000 Autor:innen Beiträge geleistet. „Wir sind dadurch wie Wikipedia für Mathematik“, sagt Hohenwarter.

GeoGebra ändert sich trotz Übernahme kaum

Weil es möglich ist, GeoGebra offline zu verwenden, hat sich die Nutzung der Software sehr weit verbreitet. Mehrere hundert Millionen Schüler:innen würden sie laut der Jungfirma weltweit verwenden. Das betrifft auch abgelegene Gegenden, beispielsweise in Uruguay oder in Indien. Aus Indien stammt auch Byju’s, das EdTech-Unternehmen, das GeoGebra nun übernimmt. Es gibt keine offiziellen Angaben zum Kaufpreis, doch indische Medien sprechen von einer Höhe von etwa 100 Millionen Dollar.

Trotz der Übernahme wird sich laut Hohenwarter, der weiterhin der Geschäftsführer bleibt, wenig an GeoGebra oder seinem Geschäftsmodell ändern. Byju’s war schon zuvor ein langjähriges Partnerunternehmen der Jungfirma und wird von ehemaligen Lehrkräften geleitet.

„Es handelt sich hier im Prinzip nur um den Ausbau unserer Partnerschaft. Wir werden weiterhin unsere Software Lehrenden und Schüler:innen kostenlos anbieten“, versichert unser Founder der Woche. Mithilfe von Byju’s sollen sogar neue Anwendungen entstehen. beispielsweise will GeoGebra in Zukunft vor allem mit Augmented Reality experimentieren. Dadurch sollen User:innen beispielsweise die geometrischen Daten realer Objekte berechnen können.

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