Bilanz

GoStudent: Frische 2022er-Zahlen zeigen Verlust von 221 Millionen Euro

GoStudent-Gründer Felix Ohswald und Gregor Müller. © GoStudent
GoStudent-Gründer Felix Ohswald und Gregor Müller. © GoStudent

Spät aber doch, hat das Wiener EdTech-Unicorn GoStudent seine Bilanzzahlen für das Geschäftsjahr 2022 im Firmenbuch veröffentlicht. Wir erinnern uns: 2022 war das Jahr, in dem GoStudent eine Finanzierungsrunde der Serie D in Höhe von 300 Millionen Euro aufgenommen hat, wodurch sich die Bewertung des Unternehmens auf 3 Milliarden Euro mehr als verdoppelte.

Im 2022er-Jahr drehte sich aber auch der Wind. Aufgrund der hohen Burn-Rate kündigte GoStudent-CEO Felix Ohswald im September 2022 an, dass 200 Stellen gestrichen werden würden, im Dezember 2022 folgte dann schon die nächste Kündigungswelle, die noch einmal mehrere hundert Jobs betraf.

Seit heute gibt es konkrete Zahlen, warum sich das so abspielte. Denn im Jahr 2022 hat GoStudent einen massiven Verlust von 221 Millionen Euro (genau: -220.883.038,38 Euro) geschrieben. Zusammen mit dem Verlustvortrag aus dem Vorjahr, der bereits 93 Millionen Euro betrug, betrug der komplette Bilanzverlust 314 Millionen Euro. Das bedeutet, dass die Burnrate pro Monat im Schnitt bei etwas mehr als 18 Millionen Euro lag. Kein Wunder, dass nach dem Wachstumskurs ab September 2022 die Reißleine gezogen wurde.

Die großen Posten in der verlustreichen Bilanz von GoStudent: Aufwendungen aus Finanzanlagen und aus Wertpapieren des Umlaufvermögens verursachten ein Minus von 41 Millionen Euro, die Gehälter kosteten inklusive Vorsorgekassen, Sozialbeiträgen und Pflichtabgaben 33,8 Millionen Euro, sonstige betriebliche Aufwendungen kosteten satte 97,3 Millionen Euro. Dazu kommt ein negatives Rohergebnis von 47,5 Millionen Euro laut in der am Mittwoch veröffentlichten Gewinn- und Verlustrechnung für das Geschäftsjahr 2022.

GoStudent: Großinvestor Prosus nimmt deutliche Abwertung des Nachhilfe-Unicorns vor

Drei Übernahmen im Jahr 2022

Ein Kostenfaktor für GoStudent 2022, den man aus der Bilanz nicht direkt lesen kann, ist auch die Übernahme mehrerer Unternehmen. So wurden in dem Jahr das britische Unternehmen Seneca Learning und die spanische Tus Media Gruppe zugekauft, sowie das deutsche Nachhilfeunternehmen Studienkreis.

2023 holte sich GoStudent dann wieder frisches Geld, und zwar 95 Millionen Euro in einer Mischung aus Eigen- und Fremdkapital, unter anderem von der Deutsche Bank und Investoren wie Left Lane Capital, Tencent und Prosus. Insgesamt hat das Unternehmen seit der Gründung 2016 mehr als 675 Millionen Euro aufgenommen. Nur so können so große Verluste pro Jahr kompensiert werden. Wie berichtet, hat der Großinvestor Prosus die Bewertung von GoStudent auf etwa 2,1 Mrd. Dollar gesenkt.

Wie 2023 konkret verlaufen ist, wird man dann voraussichtlich im Oktober 2024 sehen. Wie berichtet, musste das Unternehmen Anfang des Jahres wieder eine Kündigungswelle verkündigen. Das Ziel sei nun, dass das Unternehmen „so schnell wie möglich die volle Rentabilität erreicht und einen positiven Cashflow erzielt“. Die Burnrate sei immer noch zu hoch gewesen.

Die Bilanzzahlen für 2022 hätte GoStudent bereits Ende September 2023 vorlegen müssen, reicht sie nun verspätet nach. In Österreich müssen Kapitalgesellschaften (also GmbHs, AGs) ihre Jahresabschlüsse bis spätestens Ende September offenlegen. Bisher wurden bei einem fehlenden Jahresabschluss automatisch Strafen verhängt, die aber im vierstelligen Bereich liegen. Aufgrund der Signa-Pleite und der dort fehlenden Bilanzen will Justizministerin Alma Zadić (Grüne) Strafen von bis zu 5 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes des Unternehmens verhängen.

Zum Vergleich: Das Wiener Krypto-Unicorn Bitpanda verzeichnete 2022 einen Verlust von 116 Millionen Euro, der Umsatz war in Folge des Krypto-Crashs von von 478 auf 90 Millionen Euro gesunken. Bitpanda reagierte 2022 bereits im Frühling mit einer großen Kündigungswelle.

GoStudent: Noch mehr Kündigungen im Dienste des Profits (Update)

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