Schwere Vorwürfe

GoStudent: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen mutmaßlichem Missbrauchsfall

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Auf der Lernplattform GoStudent ist es laut Krone mutmaßlich zu einem schweren Missbrauchsfall gekommen. Demnach soll ein 15-Jähriger von einem erwachsenen Nachhilfelehrer zur Übermittlung freizügiger Bilder genötigt worden sein. Der APA bestätigte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Verdachts des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses und der Forderung pornografischer Inhalte von Minderjährigen.

GoStudent ist – für die, die es nicht kennen – ein österreichisches Tech-Startup mit Milliardenbewertung und hat einen Managed Marketplace aufgebaut, wo private Nachhilfelehrer:innen an Schüler:innen vermittelt werden. Das Unternehmen verdient an den Stundenkosten mit.

Kritik an GoStudent: Lehrkräfte befürchten weniger Qualität wegen Expansionsplänen

Vorwurf der wochenlangen Belästigung

Ein Tutor auf GoStudent soll dem minderjährigen Schüler Bilder und pornografische Videos geschickt haben. Zusätzlich habe er ihn mutmaßlich auch unter Druck gesetzt, von sich selbst aufgenommene Nacktfotos an ihn zu schicken. Über mehrere Wochen hinweg soll der Mann den Teenager digital belästigt haben – stets mit der Drohung, bei Nichtbefolgen weitere Hilfestellung in Form von Online-Nachhilfe einzustellen.

Laut Staatsanwältin Nina Bussek richte sich die nun eingeleitete Ermittlung gegen einen Lehrenden in einem Fall. Weitere Opfer oder ähnliche Fälle aus der letzten Zeit seien derzeit nicht bekannt. Nähere Angaben könne man zum jetzigen Zeitpunkt aus ermittlungstaktischen Gründen nicht machen. Norbert Wess, Anwalt der Familie des Jugendlichen, wollte im Gespräch mit der APA weitere Opfer nicht ausschließen – man sei an die Öffentlichkeit gegangen, damit sich etwaige weitere Betroffene melden könnten.

GoStudent: Tutor entfernt und Eltern kontaktiert

GoStudent hat bestätigt, dass es tatsächlich zum Vorwurf des Missbrauchs gekommen war. Die Plattform gibt an, sie habe umgehend die Eltern des Schülers informiert, als sie vom Cousin des Schülers auf den möglichen Missbrauchsfall aufmerksam gemacht wurde, betonte GoStudent in einer Stellungnahme. Dabei habe man Unterstützung angeboten, die Behörden zu informieren und eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft zu senden – die Eltern hätten dieses Angebot aber abgelehnt.

Darüber hinaus wurde der Tutor sofort von der Plattform entfernt und Kontakt zu den anderen Eltern aufgenommen, deren Kinder in Kontakt mit dem Beschuldigten standen. Dabei habe man von keinen weiteren Vorfällen erfahren. „Wir nehmen die Angelegenheit sehr ernst. Jede Unterrichtseinheit soll für die Schüler:innen ein sicherer Ort zum Lernen sein“, heißt es von GoStudent.

„Psychospiele“: Neue Vorwürfe gegen EduTech GoStudent

Immer wieder Kritik an Lernplattform

Das Geschäftsmodell sowie die Qualitätssicherung bei GoStudent standen bereits mehrmals in der Kritik. Anfang des Jahres 2022 hatte sich bereits der Deutsche Lehrerverband eingeschaltet. Die Befürchtung damals: Durch das rasche Wachstum sollen Qualität und „die Belange der Schüler“ auf der Strecke bleiben. Im April dann kamen Berichte auf, dass das Verkaufsteam mit „Psychospielen“ sowohl Tutor:innen als auch Kund:innen unter Druck gesetzt haben soll. Immer wieder hieß es, dass man stetig an Verbesserungen auf Seite von Kund:innen- und Nachhilfe-Lehrer:innen arbeite.

Schließlich kam auch die zugekaufte Tochterfirma Fox Education in die Kritik. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) warf dem Anbieter der Schul-App SchoolFox wie auch vielen anderen EdTechs vor, Daten von Kindern unerlaubterweise auch an werbende Unternehmen weitergegeben zu haben. Den Bericht von Human Rights Watch nannte ein Sprecher von Fox Education „missverständlich, uneindeutig und undifferenziert“, man würde keine Daten von Schüler:innen zu Werbezwecken weitergeben.

„Er rückt damit auch seriös am Markt agierende EduTech-Firmen in ein schlechtes Licht, was der Branche schadet und sämtliche Stakeholder in diesem Bereich, Schulleitungen, Lehrer:innen, Schüler:innen, sowie Behörden verunsichert“, hieß es weiter über den Bericht von Human Rights Watch. Von der Liste der betroffenen Apps ist SchoolFox seither aber auch nicht verschwunden.

Menschenrechts-NGO wirft EdTechs Datenverstöße gegen Kinder vor – Schoolfox kontert

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