Analyse

KI als „CEO der Zukunft“: Diese Aufgaben können Maschinen übernehmen

Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy, erklärt den "KI-CEO" © WU Executive Academy
Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy, erklärt den "KI-CEO" © WU Executive Academy

Mit dem heutigen Hype rund um Künstliche Intelligenz steht bei immer mehr Jobs zur Debatte, ob sie in Zukunft Algorithmen verrichten könnten. Meistens geht es dabei darum, dass KI repetitive Aufgaben übernimmt, die keine menschliche Kreativität oder Intuition erfordern. Doch auch eine andere Rolle könnte KI in Zukunft übernehmen: Die des CEO. Das erklärt Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy. Sie hat sich die wichtigsten Aufgaben von Führungskräften angesehen und analysiert, welche Aufgaben KI hier zukünftig übernehmen kann.

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Firma in Hongkong hat bereits eine KI als CEO

NetDragon Websoft, Entwickler von Online-Spielen mit Sitz in Hongkong, hat den menschlichen CEO einer Tochterfirma kurzerhand durch einen KI-Chef ersetzt. Der Maschinen-CEO trifft nun genau jene Entscheidungen, die angeblich nur Menschen treffen können. Dazu gehört, welche unternehmerischen Risiken leistbar sind und wie effiziente Arbeitsplätze zu gestalten sind. Diese Entscheidung hatte für NetDragon Websoft bislang positive Auswirkungen, so stieg der Börsenkurs des Unternehmens seit der Übernahme des KI-CEOs um einige Prozentpunkte an.

„Prinzipiell kann eine Maschine ureigene menschliche Fähigkeiten nicht ersetzen, sehr wohl aber gezielt unterstützen“, meint Barbara Stöttinger. So könne KI bei der Auswertung von Daten – im Speziellen großer Datenmengen – und bei der strukturierten Vorbereitung von Entscheidungen zum Einsatz kommen. „Kreativität und Einfühlungsvermögen aber sind zutiefst menschliche Eigenschaften, die auch für Führungskräfte weiterhin von Bedeutung sein werden“, ist Stöttinger überzeugt. Die Leadership-Expertin hat einige Bereiche festgelegt, in denen eine KI CEO-Aufgaben übernehmen könnte.

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Diese Führungsaufgaben können Algorithmen übernehmen

Strategie und Planung

„Künstliche Intelligenz ist ein Tool – nicht mehr und nicht weniger“, sagt Stöttinger. Die Auswertung von Daten durch KI, bei Bedarf auch innerhalb kurzer Zeit, könne die Grundlage strategischer Entscheidungen sein, die letztlich aber nur Menschen treffen könnten. Schließlich umfasst die Strategie auch Werte, Visionen und Überzeugungen, die Organisationen definieren und verfolgen müssen.

Organisation

„In Bereichen, in denen Standardisierung und Optimierung nötig sind, kann KI viel Gutes tun“, erläutert Barbara Stöttinger. Maschinen könnten strukturiert arbeiten, haben jedoch dort Grenzen, wo es um Ideen, Innovation und das Denken außerhalb der Norm geht. Es komme in Unternehmen immer auch auf jene Kombination von Faktoren an, die Menschen entsprechen, beispielsweise Emotion und Verständnis für Beziehungen. „Spontan auf ein geändertes Umfeld zu reagieren und Herausforderungen in Chancen umzuwandeln, das können Menschen besser.“

Kontrolle und Finanzen

In diesem Bereich bietet der Einsatz von KI vielfach Möglichkeiten, weil große, oftmals sperrige Daten auszuwerten sind und wichtige Details in dieser Datenmenge verborgen sein könnten, die als Grundlage für Entscheidungen wichtig sind. Dennoch blieben Erfahrung und menschliches Fingerspitzengefühl, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, unersetzlich, meint Stöttinger. „Routinierte Wirtschaftsprüfer mit 30 Jahren Berufserfahrung erkennen oft mit einem Blick, wo es hapern könnte.“

Human Resources

Maschinen helfen hier schon seit Längerem, etwa indem sie Lebensläufe und Motivationsschreiben nach bestimmten Schlagworten durchsuchen und eine Vorauswahl treffen bzw. darüber entscheiden, wer in die nächste Runde kommt. „Maschinen sind weniger voreingenommen als Menschen, was im Personalwesen durchaus ein Vorteil sein kann“, so Stöttinger. Letzten Endes brauche es in diesem Bereich aber wiederum menschliche Entscheidungen, weil das Zwischenmenschliche beim Recruiting entscheidend ist.

Kommunikation

Die Vor- und Aufbereitung der Grundlagen für eine Entscheidung kann eine KI übernehmen, beispielsweise die Analyse von Kundendaten. Doch die Kommunikation selbst – nach innen und nach außen – muss von Führungskräften ausgehen. Transparente, verständliche Kommunikation und der aktive Umgang mit Feedback und (konstruktiver) Kritik beherrschen nur Menschen. „Überall dort, wo es um zwischenmenschliche Beziehungen, Vertrauen, oder Wertschätzung geht, werden Menschen unersetzlich bleiben. Denken Sie etwa an Mitarbeiter- oder Verkaufsgespräche“, meint Stöttinger.

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Führungskräfte brauchen Fokus auf menschliche Qualitäten

Generell sollten sich Führungskräfte laut Stöttinger auf das konzentrieren, was Maschinen eben nicht können: Empathie, Einfühlungsvermögen, kritisches Denken, oder soziales Verständnis. Furcht vor Künstlicher Intelligenz ist für die Expertin jedenfalls nicht angebracht. „Schon bei der Einführung von Computern war es ähnlich. Wir haben als Menschen so viele Aspekte, die uns gegenüber Maschinen überlegen machen.“ Es gäbe keinen Weg zurück, nun gehe es um den sinnvollen Einsatz und der Gestaltung nach eigenen (menschlichen) Wünschen.

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