Verflüssigtes Erdgas

LNG: Expert:innen warnen vor neuer Abhängigkeit

Greenpeace warnt vor LNG-Abhängigkeit ©pexels
Greenpeace warnt vor LNG-Abhängigkeit ©pexels

Wie die Unabhängigkeit von dem russischen Erdgas erreicht werden kann, beschäftigt aktuell die Gemüter. Der eigentliche Konsens ist dabei natürlich klar: es braucht einen schnellstmöglichen und breiten Umstieg auf die Erneuerbaren Energien. Mit Bezeichnungen wie „Freiheitsenergien“ oder ähnlichen werden diese inzwischen bezeichnet. Die Notwendigkeit dazu wird jetzt extrem deutlich, angesichts des russischen Angriffskrieges in der Ukraine.

Dieser Umstieg geht natürlich nicht von heute auf morgen. Um sich zumindest von der russischen Abhängigkeit zu befreien, setzt Europa nun immer mehr auf das verflüssigte Erdgas, LNG. Dieses kann so per speziellen Schiffen geliefert werden und kommt somit aus Ländern, aus welchen bisher keine Pipeline verlegt ist. Insbesondere die USA und Katar sind zwei wichtige Lieferanten.

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kündigte bereits an, zwei LNG-Terminals bauen zu wollen. Zudem stellte die Bundesregierung für den Kauf des Flüssigerdgases kurzfristig 1,5 Milliarden Euro bereit. Allerdings wurden bereits Forderungen laut, die Terminals so zu erbauen, dass sie entsprechend später auch für die Versorgung mit Grünem Wasserstoff genutzt werden können. Trotzdem fürchten Umweltschützer:innen, dass sich durch den Fokus auf LNG der eigentliche Ausstieg aus Erdgas verzögern könnte.

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Warnung vor nächsten Abhängigkeit

Vor einer erneuten Abhängigkeit warnt nun auch ein Verbund aus Greenpeace Österreich, Fridays for Future, Sigrid Stagl, Professorin am Institut für ökologische Ökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien und dem Klima- und Energieforscher Daniel Huppmann vom Forschungsinstitut IIASA. Diese warnen vor einem sogenannten “ Lock-In-Effekt“ und pochen darauf, dass LNG nur eine Notfall-Überbrückungslösung sein. Von Investitionen in den Aufbau einer Gasinfrastruktur für das LNG, wie eben solche LNG-Terminals, raten diese ab. Stattdessen fordern sie zusätzlich eine Milliarde Euro für „schnell-installierbare erneuerbare Technologie“ vom Bund, aufgeteilt auf entsprechende Fördertöpfe. Dadurch sollen dann etwa der Photovoltaik-Ausbau, Speichertechnologien, die thermische Sanierung, Wärmepumpen oder Solarthermie verstärkt unterstützt werden.

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„Das Credo muss heißen: Kein Cent mehr für Putin und seinen Krieg“, so Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace in Österreich. Um das kurzfristig zu erreichen, stellte die aktuell in einem Pressegespräch zusammen mit den bereits genannten Partner:innen ein „Sofortpaket Gas-Exit“ vor. Neben der „Akut-Milliarde“ für Erneuerbaren-Fördertöpfe, sollen zudem der Ölheizungstausch gestoppt und Gasheizungen im Neubau verboten werden. Mieter:innen soll ebenfalls ein Austausch von Gasheizungen erleichtert werden, durch eine entsprechende Neuregelung im Mietrechtsgesetz (MRG). Auch im öffentlichen Sektor soll der Ausstieg aus den fossilen Heizsystemen beschleunigt werden.

Fehlende Gesetze werden gebraucht

Langfristig sehen die Expert:innen zudem die Notwenigkeit nach einer rapiden Senkung des Energieverbrauches, langfristigen Förderpaketen für Erneuerbare Energien, der Dekarbonisierung der Landwirtschaft und Industrien mit der Ausarbeitung einer Dekarbonisierungsstrategie und der Förderung von nachhaltiger Mobilität, um den Öl-Verbrauch zu senken.

Für all diese Maßnahmen braucht es dann natürlich auch entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen. Diese stehen zum Teil seit über einem Jahr aus. Das bemängeln auch die Expert:innen und nennen zugleich notwendige Inhalte. So müsse im angekündigten Energie-Wärme-Gesetzes ein „sozialverträglicher Phase-Out“ von Ölheizungen und Gasheizungen festgelegt werden, das Energieeffizienzgesetz nun mit „Hochdruck“ auf den Weg gebracht werden und das ebenfalls seit langem angekündigte Klimaschutzgesetz auf den Weg gebracht werden.

Umfrage: 80 Prozent der Österreicher:innen wollen Unabhängigkeit von fossilen Energie-Importen

Österreicher:innen wollen Unabhängigkeit

“Es darf keine Frage sein ob, sondern wie schnell wir uns von der fossilen Abhängigkeit befreien. Mit Blick auf die vielen Krisen sind Sofortmaßnahmen ökologisch und ökonomisch unerlässlich“, so die Ökonomin Stagl. Die Österreicher:innen bestätigen sie zumindest in der Frage. So wollen rund 80 Prozent der Österreicher:innen künftig von fossilen Energie-Importen unabhängig werden. Zu diesem Ergebnis kam der Energie-Trendmonitor 2022 des Technikunternehmens Stiebel Eltron. Für diesen Bericht befragte ein Marktforschungsinstitut im Februar 2022 bevölkerungsrepräsentativ 1.000 Verbraucher:innen, so die Aussendung des Unternehmens.

Allerdings verbraucht einen Großteil des importierten Erdgases die heimische Industrie. Entsprechend braucht es neben der geforderten Dekarbonisierungsstrategie weitreichende Maßnahmen auf diesem Feld.

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