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Muse Image: Meta’s neuer Bildgenerator verarbeitet öffentliche Instagram-Bilder

Muse Image Outputs. © Meta Platforms
Muse Image Outputs. © Meta Platforms

Meta hat mit Muse Image sein erstes selbst entwickeltes KI-Modell zur Bilderzeugung vorgestellt. Es tritt gegen OpenAI und Google an – sorgt aber vor allem mit einer Funktion für Diskussionen, die öffentliche Instagram-Profile standardmäßig für KI-Bilder anderer Nutzer:innen freigibt.

Meta hat am Dienstag Muse Image veröffentlicht, das erste hauseigene Modell zur Bilderzeugung. Entwickelt wurde es von den Meta Superintelligence Labs (MSL) unter Leitung von KI-Chef Alexandr Wang. Für die Abteilung ist es nach dem im April vorgestellten Sprachmodell Muse Spark, das die bisherige Llama-Familie ablöste, die zweite große Veröffentlichung. Intern lief das Projekt Berichten zufolge unter dem Codenamen „Mango“.

Für Meta ist der Schritt auch strategisch: Bild- und Videofunktionen in der Meta-AI-App liefen bislang über Drittanbieter wie Midjourney und Black Forest Labs. Mit Muse Image will der Konzern diese Arbeit ins eigene Haus holen und seine Abhängigkeit von externen Modellen verringern. An der Börse kam die Ankündigung gut an – die Meta-Aktie legte am Tag der Vorstellung um rund drei Prozent zu.

Was Muse Image kann

Muse Image erzeugt Bilder aus Textbeschreibungen, bearbeitet bestehende Fotos, entfernt Objekte und kann laut Meta mehrere Bildvorlagen zu einer Komposition verschmelzen. Der Konzern hebt zudem hervor, dass das Modell Text in Grafiken lesbar darstellt – ein Bereich, an dem frühere Bildgeneratoren häufig scheiterten – und etwa Infografiken oder funktionierende QR-Codes generieren kann. Nutzer:innen können Änderungen auch direkt auf dem Bild einzeichnen, statt neue Prompts zu formulieren.

Technisch beschreibt Meta das Modell als „agentisch“: Muse Image arbeitet mit Muse Spark zusammen, plant vor der eigentlichen Erzeugung die Bildkomposition, greift bei Bedarf auf Websuche und Code-Werkzeuge zurück und überarbeitet eigene Ergebnisse mehrstufig. In internen Benchmarks verortet Meta das Modell in der Gesamtleistung hinter OpenAIs GPT Image 2, bei Bearbeitungsaufgaben mit einem oder mehreren Fotos aber vor Googles Nano Banana 2. Diese Zahlen stammen aus Metas eigenen Tests und sind bislang nicht unabhängig überprüft.

Muse Image ist zunächst in der Meta-AI-App und auf meta.ai verfügbar, in den Instagram-Stories vorerst in den USA sowie in WhatsApp-Chats in ausgewählten Ländern. Für Instagram gibt es außerdem mehr als 30 neue KI-Effekte. Facebook und Messenger sollen später folgen. Die Nutzung ist laut Meta für „alltägliches Erstellen“ kostenlos; wer höhere Limits will, braucht eines der im Mai eingeführten Abos. In den kommenden Wochen sollen auch Werbetreibende über das Advantage+-System auf das Modell zugreifen können.

Öffentliche Instagram-Profile standardmäßig freigegeben

Für den meisten Wirbel sorgt eine andere Funktion: Nutzer:innen können in einem Prompt ein öffentliches Instagram-Konto per @-Erwähnung markieren, woraufhin Meta AI öffentlich sichtbare Fotos dieses Profils verwendet, um daraus ein neues Bild mit der jeweiligen Person zu erzeugen. Meta bewirbt das als Möglichkeit, etwa personalisierte Einladungen oder gemeinsame Kreativkonzepte zu gestalten.

Kritisch bewertet wird vor allem, dass die Funktion für öffentliche Konten standardmäßig aktiviert ist – Betroffene müssen sie aktiv abschalten (Opt-out). In Metas Hilfebereich heißt es sinngemäß, dass andere mit den eigenen Instagram-Inhalten über KI-Funktionen Content erstellen können, solange das Konto öffentlich ist und die Standardeinstellungen aktiv sind. Zudem würden Nutzer:innen nicht benachrichtigt, wenn ihre Inhalte auf diese Weise verwendet werden. Medien wie WIRED, TechCrunch und Digital Trends verweisen darauf, dass eine ältere, archivierte Version dieser Hilfeseite die KI-bezogene Formulierung noch nicht enthielt.

Wer das unterbinden will, ohne das Konto auf privat zu stellen, muss in der Instagram-App unter Profil → Menü → „Teilen und Weiterverwenden“ die Option deaktivieren, die die Nutzung eigener Inhalte für KI-Funktionen bei Meta erlaubt – jeweils separat für Beiträge und Reels. Wichtig dabei: Das Abschalten wirkt nur für künftige Generierungen. Bereits erstellte KI-Bilder bleiben bestehen und werden auch dann nicht gelöscht, wenn das Profil nachträglich auf privat gestellt wird.

Meta verweist im Gegenzug auf eigene Schutzmaßnahmen. Alle mit Muse Image erzeugten Bilder tragen demnach ein unsichtbares Wasserzeichen namens Content Seal, das die KI-Herkunft kennzeichnen soll; außerdem seien Filter gegen klar schädliche Inhalte, etwa Darstellungen von Kindesmissbrauch, eingebaut. Kritiker:innen halten dem entgegen, dass ein nachträgliches Wasserzeichen zwar den Ursprung eines Bildes belegt, aber nicht verhindert, dass ein solches Bild überhaupt entsteht.

Regulatorische Fragen in Europa

Für den europäischen Markt dürfte vor allem der Datenschutz relevant werden. Da die Funktion öffentlich zugängliche Fotos realer Personen als Grundlage nutzt, erwarten Beobachter:innen ein genaues Hinsehen mit Blick auf die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und mögliche Fragen zum Schutz biometrischer Daten. Meta hat zum Start keine DSGVO-spezifischen Anpassungen angekündigt. Zur Einordnung verweisen einige Medien darauf, dass Meta sein Gesichtserkennungssystem 2021 nach rechtlichem und regulatorischem Druck eingestellt hatte.

Muse Image ist zudem erst der Anfang: Mit Muse Video hat Meta ein Modell zur Videoerzeugung angekündigt, das sich nach Konzernangaben in Entwicklung befindet – einen konkreten Starttermin nannte das Unternehmen bislang nicht.

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