Österreichs Startups holen im ersten Halbjahr 472 Millionen Euro
Das österreichische Startup-Ökosystem meldet sich zurück: Im ersten Halbjahr 2026 haben heimische Jungunternehmen 472 Millionen Euro eingesammelt. Da bedeutet ein Plus von 329 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Finanzierungsrunden erreicht mit 97 Deals einen neuen Rekordwert, noch nie haben so viele Startups in einem Halbjahr frisches Kapital erhalten. Das besagt das neue EY Start-up Barometer.
Mega-Deals von waterdrop und Gropyus
Auch die durchschnittliche Ticketgröße steigt deutlich: von 2,0 auf 6,3 Millionen Euro, den höchsten Halbjahreswert seit 2022. Zwei Mega-Deals prägen das Halbjahr: waterdrop und Gropyus sichern sich jeweils 100 Millionen Euro und führen das Ranking an. Dahinter folgen Aviloo mit 30 Millionen Euro, Enpulsion mit 22,5 Millionen Euro, Reps mit 20,2 Millionen Euro und nyra health mit 20 Millionen Euro.
Insgesamt verzeichnet der Markt neun Finanzierungsrunden über zehn Millionen Euro. Im Vergleichszeitraum 2025 waren es nur zwei. „Nach mehreren herausfordernden Jahren sehen wir erstmals wieder eine breite Bewegung in die richtige Richtung“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich. Die Erholung basiert nicht nur auf Leuchtturmtransaktionen, sondern auf gestiegener Aktivität quer durch Branchen und Unternehmensphasen.
Vorsicht vor Goldgräberstimmung
Die Entwicklung deutet auf eine Normalisierung des Venture-Capital-Marktes hin. Nachdem viele Fonds in den vergangenen Jahren vor allem Bestandsportfolios stabilisiert haben, steht nun wieder mehr Kapital für Neuinvestitionen bereit. Allein im März 2026 flossen 146 Millionen Euro in österreichische Startups, im Mai weitere 139 Millionen Euro – jeweils mehr als im gesamten zweiten Halbjahr 2025.
Haas mahnt jedoch zur Vorsicht: „Von einer neuen Goldgräberstimmung sind wir noch entfernt. Die vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen und viele Startups mussten lernen, deutlich kapitaleffizienter zu arbeiten.“ Diese Entwicklung habe die Unternehmen robuster und fokussierter gemacht.
Exits auch von großer Bedeutung
Erfolgreiche Exits von Tractive und Emmi AI unterstreichen die zunehmende Reife des Ökosystems. Sie beweisen, dass österreichische Startups international relevante Unternehmen aufbauen und attraktive Renditen erzielen können. Der angekündigte Dachfonds sendet zusätzlich wichtige Signale.
„Der Dachfonds ist weit mehr als ein einzelnes Förderinstrument. Er sendet ein wichtiges Signal an nationale und internationale Investor:innen, dass Österreich Innovation, Unternehmertum und Wachstum aktiv unterstützen möchte“, so Haas. Entscheidend sei nun die rasche Umsetzung.
Wien bleibt Gravitationszentrum der heimischen Startup-Szene: 360 Millionen Euro beziehungsweise 76 Prozent des gesamten Kapitals fließen an Unternehmen aus der Bundeshauptstadt, 55 der 97 Finanzierungsrunden werden hier registriert. Niederösterreich folgt erstmals auf Rang zwei beim Finanzierungsvolumen mit 53 Millionen Euro vor Tirol mit 23 Millionen Euro.
Waterdrop schließt Finanzierungsrunde über 100 Millionen Euro ab
Auf Erholung muss nachhaltiger Aufschwung folgen
Software & Analytics bleibt mit 30 Finanzierungsrunden der aktivste Sektor, gefolgt von Health mit 19 und E-Commerce mit acht Deals. Besonders dynamisch entwickelt sich der Gesundheitssektor: Die Zahl der Finanzierungsrunden steigt von elf auf 19, das investierte Kapital klettert von 14 auf 56 Millionen Euro. Beim Investitionsvolumen führen E-Commerce mit 122 Millionen Euro und PropTech mit 107 Millionen Euro.
Der Aufschwung wird zunehmend von DeepTech- und HealthTech-Unternehmen getragen. Österreich entwickelt sich zum Standort, an dem digitale Geschäftsmodelle, Gesundheitsinnovationen und DeepTech-Lösungen international wettbewerbsfähige Unternehmen hervorbringen. „Jetzt gilt es, diesen positiven Trend durch die richtigen Rahmenbedingungen weiter zu stärken, damit aus der aktuellen Erholung ein nachhaltiger Aufschwung wird“, resümiert Haas.

