Schottisches KI-Rechenzentrum: 9,6 Milliarden Euro und keine Chance auf grüne Energie
Die britische Regierung hat im vergangenen Jänner ein KI-Rechenzentrum im schottischen Lanarkshire als Leuchtturmprojekt angekündigt. Die Kosten belaufen sich auf etwa 8,2 Milliarden Pfund (ungefähr 9,6 Mrd. Euro). Das Rechenzentrum wollte man komplett mit erneuerbarer Energie versorgen und bis 2030 fertigstellen. Ein Bericht des Guardian besagt jedoch, dass das Versprechen unrealistisch sei. Es sei unmöglich, den Bedarf an Erneuerbare zu decken.
Ziel: Mehr als 1 Gigawatt Erneuerbare
Laut dem Bericht wissen die Verantwortlichen, dass das Projekt in dieser Form nicht funktionieren kann. Die britische Regierung habe das Projekt trotzdem zur „AI Growth Zone“ erklärt. Der Bericht wirft grundsätzliche Fragen über Großbritanniens KI-Ambitionen auf – und darüber, wie Regierungen weltweit mit den enormen Energieanforderungen der AI-Infrastruktur umgehen.
DataVita, der schottische Entwickler des Projekts gemeinsam mit dem US-Konzern CoreWeave, verspricht auf seiner Website über 1 Gigawatt Erneuerbare. 400 MW sollen aus Solarenergie kommen, 800 MW aus Windkraft. Diese Energiequellen sollen direkt ans Rechenzentrum angeschlossen sein. Das entspricht der Leistung eines kleinen Atomreaktors oder dem Strombedarf von 800.000 schottischen Haushalten.
Kapazitäten bei Weitem nicht erreicht
Zum Vergleich: Whitelee, Großbritanniens größter Onshore-Windpark, liefert nur etwa zwei Drittel der benötigten Windenergie. Doch laut Guardian-Analyse auf Basis von Daten der Nonprofit-Organisation Action to Protect Rural Scotland (APRS) bräuchte DataVita für die versprochene Energiemenge zwischen 40 und 100 Quadratkilometer Land. Eingereichte Planungsanträge decken aktuell nur rund 2 Quadratkilometer ab.
Kürzlich veröffentlichte Pläne der HfD Group, DataVitas Mutterkonzern, sehen „bis zu 19“ Windturbinen vor. Das wären gerade einmal 5 Prozent der versprochenen Kapazität. Dem Guardian-Bericht zufolge waren sich offenbar sowohl die Regierung als auch DataVita dieses Problems bewusst.
Kein zugesicherter Netzanschluss für Region
Im Februar schrieb Schottlands First Minister John Swinney an DataVitas Managing Director Danny Quinn: „Ich erkenne an, dass die Stromversorgung nach wie vor ein zentrales Problem darstellt, und wir werden weiterhin mit der britischen Regierung und relevanten Partnern zusammenarbeiten, um rechtzeitige Netzanschlüsse zu sichern.“
In einem Meeting im März gingen DataVita und Behördenvertreter offenbar davon aus, dass das Projekt eine beschleunigte Netzanbindung erhält. Dabei gibt es in Großbritannien eine 8- bis 10-jährige Warteschlange für Grid Connections. Der Guardian hat durch eine Anfrage beim National Energy System Operator (Neso) bestätigt: Lanarkshire hat derzeit keinen zugesicherten Netzanschluss.
Ursprüngliche Versprechen außer Reichweite
Die Regierung erklärte auf Anfrage, das Rechenzentrum werde ans Netz angeschlossen und „überwiegend“ mit Erneuerbaren versorgt. Allerdings bedeutet das eine deutliche Abkehr vom ursprünglichen Versprechen der vollständigen Eigenversorgung.
Der Fall Lanarkshire ist kein Einzelfall. Im März berichtete der Guardian bereits, dass eine Reihe hochkarätiger Rechenzentren-Ankündigungen der vergangenen Jahre „Phantom-Investitionen“ waren. Die Regierung habe weder Job-Versprechen geprüft noch milliardenschwere Summen auditiert.
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„Größte Rechenzentren-Entwicklung in der schottischen Geschichte“
Die Energiefrage ist in Großbritannien besonders brisant: Strom ist teurer als überall sonst in Europa, und die Warteschlange für Netzanschlüsse betrifft nicht nur Rechenzentren, sondern auch Wohnprojekte und Krankenhäuser. AI-Rechenzentren bestehen im Kern aus Gebäuden voller spezialisierter Silizium-Chips, die die Berechnungen für KI-Modelle durchführen.
Derzeit stecken die größten Tech-Konzerne der Welt Hunderte Milliarden Dollar in den Ausbau dieser Infrastruktur, im Glauben, dass AI die globale Wirtschaft fundamental transformieren wird. Ob dieser Boom real ist oder eine Blase, hängt maßgeblich von Projekten wie Lanarkshire ab.
DataVita erklärte auf Anfrage, die Energiestrategie des Projekts basiere auf „neuer Erzeugung aus erneuerbaren Energien, Direktleitungs-Infrastruktur und intelligenter Anbindung an Schottlands Stromsystem.“ Hierbei unterliege die Umsetzung „finalen kommerziellen Vereinbarungen, Planungs-, Netz- und Genehmigungsprozessen.“ Ein Regierungssprecher betonte: „Die AI Growth Zone Lanarkshire ist auf Kurs, die größte Rechenzentren-Entwicklung in der schottischen Geschichte zu werden. AI ist entscheidend für die künftige Prosperität und Sicherheit Großbritanniens – und um ihre Vorteile zu erschließen, brauchen wir die Infrastruktur, die sie untermauert.“

