Hintergrund

Die Reform der RWR-Karte aus Sicht der Startups

Die Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte (RWR) als wichtigstes Instrument für die Zuwanderung für Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland liegt am Tisch. Während sich Wirtschaft, Arbeitnehmervertreter:innen und die politischen Parteien noch um Pro und Contra raufen, haben sich auch Startups mit den Reformplänen beschäftigt. Denn am Ende sind es auch sie, die in den Folgejahren weiter mit der RWR-Karte arbeiten werden, um begehrte Schlüsselkräfte nach Österreich holen zu können.

Wie berichtet ist die RWR-Karte trotz Reformversuchen in den vergangenen Jahren nicht zu einen geeigneten Weg geworden, einfacher Fachkräfte aus Ländern wie Indien, Mexiko, den USA usw. zu einem österreichischen Unternehmen zu bringen. Vielmehr klagten Startup-Gründer:innen oft über viel Bürokratie, große Hürden und langsame Prozesse – und der Skandal rund um die Wiener MA35 verschärfte das Problem.

Nun soll die Reform der RWR-Karte aber einige Dinge verbessern. Positiv hervorgehoben an den Reformplänen wird etwa der Entfall der „ortsüblichen Unterkunft“ sowie Änderungen beim Punktesystem, wo nun Berufserfahrung und Sprachkenntnisse stärker gewichtet werden. Auch bei Sprachnachweisen soll das System bald weniger streng sein. Und: Saisonarbeitskräfte, beispielsweise im Tourismus, soll mit der Rot-Weiß-Rot-Karte eine ganzjährige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erteilt werden können.

42migration: Startup-Anwalt besorgt RWR-Karten für internationale Fachkräfte zum Fixpreis

Punktesystem und Englischkenntnisse

„Grundsätzlich finden wir die Neuerungen gut und sinnvoll.  Da ist schon einiges passiert.  Wenn man grundsätzlich bei der qualifikationsbasierten Einwanderung bleiben möchte – und dafür gibt es ja sicherlich einen breiten Konsens –, dann kann man den Punktekatalog nur verbessern, aber nicht zur Gänze abschaffen“, heißt es seitens Natalie Strasser von 42law. Der Punktekatalog sei wichtig, um Missbrauch vorzubeugen – auch wenn Unternehmen immer bemängeln, dass sie selbst am besten beurteilen könnten, welche Mitarbeiter:innen mit welchen Skills sie benötigen. 42law hat mit 42migration einen eigenen Service eingerichtet, um Unternehmen bei der RWR-Karte gegen Fixpreis zu helfen und hat dementsprechend sehr viel Praxiserfahrung (Trending Topics berichtete).

Berufserfahrung muss nicht mehr mit Uni-Abschluss zusammenpassen

„Wichtig ist auch die Neuerung, dass die Berufserfahrung auch dann angerechnet wird, wenn sie nicht mit dem Universitätsabschluss zusammenpasst.  Das kommt oft vor und hat schon bei vielen Programmieren zu Problem geführt“, so Strasser weiter. „Da studiert ein Coder aus Interesse etwas ganz anderes, ist aber eben richtig gut im Programmieren und arbeitet nebenher jahrelange in diesem Job.  Bisher wurde diese Berufserfahrung vollständig ignoriert, wenn sie eben nicht mit dem Studium zusammengepasst hat.“

Weiterer wesentlicher Punkt aus Startup-Sicht laut Strasser: Die Regelung, dass Programmierer (also „IT-Kräfte“) auch ohne Studium eine Blaue Karte bekommen sollen, wenn sie zumindest drei Jahre Berufserfahrung haben.

Eine Frage der Umsetzung

Nun bleibt abzuwarten, wie und mit welchen Details die Reform der RWR-Karte letztendlich auch umgesetzt wird. Noch laufen etwa Arbeiterkammer und ÖGB Sturm gegen die Vorschläge und sehen sich nicht in die Entscheidungen eingebunden, die den Arbeitsmarkt betreffen.

„Wir haben aus der Vergangenheit gelernt, dass solche Projekte oft nicht zur Gänze so umgesetzt werden, wie sie geplant wurden. Bei diesem Gesetzesentwurf gibt es keine Timeline, nur ein In-Kraft-Treten-Datum am 1. Jänner 2023. Daher hoffen wir alle aus der Startup-Szene, dass Tatsachen folgen“, sagt Sabine Drescher. Sie ist Gründerin vom Wiener Startup WorkInEurope, das Firmen ebenfalls zur schnellen Abwicklung der RWR-Karte verhilft.

„Der Entfall der ‚ortsüblichen Unterkunft‘ bei der Antragstellung ist ein guter Punkt, der immer schwer vorab zu erfüllen war“, sagt Drescher. „Wir haben in Wien einen tollen Partner für Kurzzeitmieten, aber wenn dieser Punkt fällt, ist es natürlich einfacher für alle Beteiligten.“ Positiv sei auch, dass bei Schlüsselkräften stärkere Rücksicht auf die Berufserfahrung gelegt werde. „Die Berufserfahrung wird auch dann angerechnet, wenn die Ausbildung in einem anderen Bereich absolviert wurde“, so Drescher.

Mit Blick über die Startup-Szene hinaus sagt Drescher: „Es ist schön, dass von Arbeitskräften gesprochen wird und nicht nur von Hochqualifizierten“, sagt sie. „Speziell bei Pflegekräften sind wir laut jüngsten Studien in Zukunft stark auf Fachkräfte aus Drittstaaten angewiesen, um in den kommenden Jahren die Lücken in diesem Bereich zu schließen.“ Auch die Saisonniers-Regeln seien wichtig für den Tourismus.

Wiener Startup WorkInEurope verhilft zur schnellen Rot-Weiß-Rot-Karte

Keine Änderungen für Gründer:innen

Was die neue RWR-Karte übrigens weiter nicht ist: ein Weg für Gründer:innen, nach Österreich zu kommen. Das bleibt weiter beim separaten Startup-Visum, das anders funktioniert. Strasser: „Dass das bestehende ‚Startup-Visum‘ nicht angegriffen wurde, halten wir für nicht wirklich wichtig.  Diese Rubrik richtete sich nämlich schon bisher nicht auf Leute, die bei Startups angestellt werden, sondern an Gründer:innen selbst. Deren Einwanderung ist ein ganz heikles Thema, weil die Behörde im Grunde prüfen muss, ob eine Business-Idee zumindest halbwegs seriös und belastbar ist, ob der Gründer es ernst meint. Das sind schwierige Fragen, die schon bisher dazu geführt haben, dass es praktisch gar keine Anträge und – unseres Wissens – noch keine einzige positive Entscheidung dazu gab.“

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