State of European tech

Startup-Krise 2023 in Europa: Nur 7 neue Unicorns, Gründungszahlen brechen ein

2021 waren es mehr als 100 Milliarden, 2022 dann nur mehr 85 Milliarden, und 2022 werden es lediglich 45 Milliarden Dollar sein, die in die europäische Startup- und Tech-Branche investiert werden. Das geht aus dem neuesten „State of European Tech„-Report für das Jahr 2023 hervor, den der skandinavische VC Atominco mittlerweile regelmäßig veröffentlicht. Das zeigt sich auch in den Unicorn-Zahlen: Im Jahr 2023 wurden bis Ende Oktober nur sieben Einhörner geschaffen, gegenüber 48 im Jahr 2022 und 108 im Jahr 2021.

Zur Jahreshälfte wurden übrigens noch 51 Mrd. Dollar hochgerechnet, doch dieses angenommene Ziel wird durch den Report nach unten revidiert – auf 45 Milliarden Dollar. Das kann man aber auch positiv sehen, denn so heißt es auch: „Wenn man jedoch einige Jahre herauszoomt, hat Europa seinen Aufwärtstrend fortgesetzt und ist auf dem besten Weg, im Vergleich zu 2020 18 % mehr aufzubringen. Wir sind die einzige Region weltweit, in der sich das langfristige Wachstum nicht abgeflacht hat. Die USA, China und die übrige Welt sind auf dem besten Weg, auf oder unter den Zahlen für 2020 zu landen“, heißt es laut Report.

 

Gründungszahlen brechen ein – aber Europa hat mehr neue Startups als die USA

In solchen Marktbedingungen ist es dann auch wenig überraschend, dass weniger gegründet wird. Also von wegen: Krisenzeiten sind Gründer:innen-Zeiten. „Weltweit ist die Rate der Gründer neuer Technologieunternehmen gegenüber ihrem Höchststand im Jahr 2020 um etwa 30 % zurückgegangen. Dieser Rückgang spiegelt sich in den Daten für Neugründungen von Technologieunternehmen sowohl in Europa als auch in den USA wider“, heißt es im Report.

Founder seien heute mit höheren Anforderungen konfrontiert, wenn es darum geht, Geld zu beschaffen, Talente anzuziehen und Kunden zu gewinnen. „Dadurch ändert sich das wahrgenommene Risiko einer Unternehmensgründung, was zur Folge hat, dass nur die engagiertesten und widerstandsfähigsten Gründer bereit sind, sich auf den Weg des Unternehmertums zu machen“, heißt es weiter.

Der Anteil der Serial Founder bleibt stabil (sie wissen schon, worauf sie sich einlassen), der Rückgang geht fast ausschließlich auf Erstgründer:innen zurück. „Was jedoch die meisten überraschen wird, ist die Tatsache, dass die Zahl der Gründer, die in Europa jährlich ein neues Technologieunternehmen gründen, die Zahl der Gründer in den USA übersteigt, und zwar durchweg in jedem der letzten fünf Jahre“, heißt es weiter.

 

ClimateTech überholt FinTech

Wohin geht das Geld der VCs, wenn es welches gibt? Die Klimakrise lässt schön grüßen, denn sie spiegelt sich sehr deutlich in den Investment-Trends wider. „Der Sektor Carbon & Energy hat die Sektoren Finance & Insurance und Software als größten Einzelsektor in Bezug auf das aufgebrachte Kapital überholt. Dies bedeutet nicht nur einen dramatischen Anstieg des in die grüne Transformation investierten Kapitals, sondern auch eine deutliche Verlangsamung des Investitionsvolumens im Fintech-Bereich seit dem Höhepunkt des Marktes“, so der Report. „Bemerkenswerterweise entfallen auf den Sektor CO2 & Energie, der die Klimatechnologie umfasst, 27 % des gesamten 2023 in die europäische Technologiebranche investierten Kapitals, womit sich der Anteil seit 2021 mehr als verdoppelt hat.“

…aber was ist mit AI?

Aber Moment mal, was ist denn mit dem Trend des Jahre, der Künstlichen Intelligenz? Da wird zwar überwiegend in den USA investiert, wo die großen Macher der LLMs sitzen (OpenAI und Co), aber Investor:innen in Europa haben ebenfalls Bock drauf. Im frühphasigen Seed-Bereich wird bereits am meisten in AI-startups investiert, vor Sustainability und Health.

„Bis zum Ende des dritten Quartals 2023 hatten europäische KI-Unternehmen 11 Finanzierungsrunden von 100 Mio. USD oder mehr durchgeführt, verglichen mit 37 Finanzierungsrunden von US-amerikanischen KI-Unternehmen im gleichen Zeitraum. Bisher haben europäische KI-Unternehmen jedoch noch nicht die Art von Milliarden- oder Multimilliarden-Dollar-Runden abgeschlossen, die für die wichtigsten und am schnellsten wachsenden US-amerikanischen KI-Unternehmen wie OpenAI oder Anthropic zu einer entscheidenden Quelle der Feuerkraft geworden sind. Die Finanzierungsrunden über 100 Mio. Dollar sind jedoch auch in Europa in vollem Gange“ heißt es im Report.

Aber es gibt auch Lichtblicke. In Europa finden sich mehr AI-Talente als in den USA, was ein guter Nährboden für Firmen in dem Bereich sind, die viele Fachkräfte brauchen, um zu wachsen.

Und es gibt immer noch viel zu wenig Geld für europäische Founder

Die alte Leier: In den USA gibt es viel mehr Risikokapital als in Europa. Auch das ändert sich 2023 nicht. „Nach fünf Jahren ist die Wahrscheinlichkeit, eine Risikokapitalfinanzierung zu erhalten, bei US-Tech-Start-ups um 40 % höher. Und das, obwohl die Wahrscheinlichkeit, eine Milliardenbewertung zu erreichen, in Europa genauso hoch ist wie in den USA, sobald ein Unternehmen eine erste Runde von Seed-Investitionen erhalten hat“, heißt es im Report. „Dies unterstreicht, wie wichtig es für das europäische Technologie-Ökosystem ist, dafür zu sorgen, dass Finanzmittel in europäische Talente fließen, damit diese die nötige Feuerkraft haben, um im globalen Wettbewerb zu bestehen, und damit Europa eine bedeutende Rolle bei der Gestaltung der Zukunft spielen kann.“

Immerhin funktioniert der Early-Stage-Bereich noch sehr gut: Aufs Jahr hochgerechnet haben Startups in der Seed-Phase dieses Jahr 18,3 Mrd. Dollar eingeworben – ein nur kleiner Rückgang gegenüber den 20,6 Mrd. US-Dollar, die im Jahr 2022 investiert wurden. Weiter schlecht steht es um weibliche Founder-Teams. Diese haben nur 7 % der europäischen Finanzierungsrunden bekommen, und nur 3 % des Gesamtkapitals. Reine Männerteams bekamen 82 Prozent des Investment-Volumens.

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