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Stripe, Revolut und SumUp beim Testlauf des digitalen Euro mit dabei

Symbolic image for the digital euro. © ECB
Symbolic image for the digital euro. © ECB

Der digitale Euro nimmt die nächste Hürde: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Dienstag 36 Zahlungsdienstleister (Payment Service Providers, PSPs) aus dem gesamten Euroraum für die Teilnahme am Pilotprojekt zur geplanten Digitalwährung ausgewählt. Mehr als 50 Bewerbungen waren nach dem Aufruf zur Interessenbekundung im März 2026 eingegangen. Der Testlauf soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 starten und zwölf Monate dauern – als Vorbereitung auf eine mögliche Erstausgabe des digitalen Euro im Jahr 2029, sofern die entsprechende EU-Verordnung noch 2026 verabschiedet wird.

Aus österreichischer Sicht bemerkenswert: Mit der BAWAG P.S.K. und der Raiffeisen Bank International (RBI) sind zwei heimische Institute unter den ausgewählten Teilnehmern, dazu kommt die kroatische RBI-Tochter Raiffeisenbank Austria d.d. Neben klassischen Großbanken wie Deutsche Bank, UniCredit oder BPCE finden sich auch Fintechs und Payment-Spezialisten wie Adyen, Stripe, Revolut, SumUp, Satispay und Worldline auf der Liste.

Was im Pilotprojekt getestet wird

Im Pilotbetrieb kommt eine Beta-Version des digitalen Euro zum Einsatz, die dem in der Gesetzesvorlage vorgesehenen Design funktional und technisch nahekommt, aber keinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel hat. Getestet wird bei der EZB und 19 nationalen Zentralbanken des Eurosystems – darunter die Oesterreichische Nationalbank. Mitarbeiter:innen der beteiligten Zentralbanken sollen Beta-Zahlungen von Person zu Person (online und offline) sowie von Person zu Unternehmen durchführen – am physischen Point of Sale ebenso wie im E-Commerce, inklusive mobiler Zahlungen. Eingebunden werden auch Händler, die Alltagsdienstleistungen in den Gebäuden der Zentralbanken anbieten, etwa Kantinen und Restaurants, sowie ausgewählte Online-Händler.

Die ausgewählten Anbieter übernehmen dabei unterschiedliche Rollen: Sogenannte Distributing PSPs richten für Eurosystem-Mitarbeiter:innen Beta-Konten ein und ermöglichen das Bezahlen, Acquiring PSPs binden Händler an, damit diese Zahlungen in Beta-Digital-Euro annehmen können. Manche Anbieter übernehmen beide Rollen.

„Das starke Marktinteresse am Pilotprojekt zeigt die Bereitschaft des Privatsektors, sich aktiv zu engagieren und das Projekt digitaler Euro zügig voranzutreiben, um die europäische Zahlungsverkehrslandschaft zu stärken“, sagt EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone, der die High-Level Task Force zum digitalen Euro leitet.

Die 36 ausgewählten Banken und Zahlungsdienstleister

Zahlungsdienstleister Bewerbungsland
Adyen N.V. Niederlande
Banco Comercial Português, S.A. Portugal
Banca Monte dei Paschi di Siena S.p.A. Italien
Banca Sella S.p.A. Italien
Bank of Cyprus Public Company Limited Zypern
BAWAG P.S.K. Österreich
BPCE Frankreich
Caixa Geral de Depósitos, S.A. Portugal
CECABANK S.A. Spanien
Cooperative Bank of Chania Griechenland
Corvus Pay d.o.o. Kroatien
Deutsche Bank AG Deutschland
DZ BANK AG Deutschland
Isybank S.p.A. Italien
JCC Payment Systems Ltd Zypern
Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale (Helaba) Deutschland
National Bank of Greece S.A. Griechenland
Nexi Payments S.p.A. Italien
Nova Ljubljanska banka d.d. Slowenien
Numia S.p.A. Italien
OP Retail Customers plc. Finnland
PAYONE GmbH Deutschland
Piraeus Bank S.A. Griechenland
Poste Italiane S.p.A. Italien
Raiffeisen Bank International AG Österreich
Raiffeisenbank Austria d.d. Kroatien
Revolut Bank UAB Litauen
RS2 Financial Services GmbH Deutschland
Satispay Europe S.A. Luxemburg
Stripe Technology Europe, Limited Irland
SumUp Limited Irland
Tatra banka, a.s. Slowakei
Uinku Payments Entidad de Pago S.L.U. Spanien
Unicre – Instituição Financeira de Crédito, S.A. Portugal
UniCredit S.p.A. Italien
Worldline Financial Services (Europe) S.A. Luxemburg

Die Anbieter können ihre Pilot-Services auch in anderen Ländern als dem Bewerbungsland erbringen; die finale Liste der Einsatzorte will die EZB später im Jahr festlegen.

Antwort auf Stablecoins und US-Zahlungsriesen

Der digitale Euro ist nicht zuletzt eine Reaktion auf den Aufstieg von Stablecoins – privat ausgegebenen Kryptowährungen, die an Fiat-Währungen gekoppelt sind und deren Markt fast vollständig vom US-Dollar dominiert wird (allen voran Tether/USDT und USDC von Circle). Aus Sicht der EZB droht ohne eigene digitale Zentralbankwährung ein Szenario, in dem Dollar-Stablecoins auch im Euroraum eine wachsende Rolle im Zahlungsverkehr übernehmen und damit die geldpolitische Souveränität Europas untergraben.

Dazu kommt die bestehende Abhängigkeit von US-Anbietern wie Visa, Mastercard, PayPal und Apple Pay im alltäglichen Zahlungsverkehr: Der digitale Euro soll Zentralbankgeld im Zentrum des digitalen Bezahlens halten und eine europäische, öffentlich-rechtliche Zahlungsschiene schaffen, die von privaten und außereuropäischen Netzwerken unabhängig ist.

Die Kritikpunkte

Unumstritten ist das Projekt allerdings nicht. Die wichtigsten Einwände:

Disintermediation der Banken: Geschäftsbanken fürchten, dass Kund:innen Einlagen in digitale Euro umschichten könnten, was ihre Refinanzierungsbasis schwächen würde. Als Gegenmittel sind Haltelimits im Gespräch – diskutiert wird eine Obergrenze von rund 3.000 Euro pro Person –, was Kritiker:innen wiederum als Beleg dafür sehen, dass das Produkt für Nutzer:innen wenig attraktiv wäre.

Kosten: Die EZB beziffert die Entwicklungskosten mit rund 1,3 Milliarden Euro plus etwa 320 Millionen Euro laufender Kosten pro Jahr. Analysen von PwC kamen dagegen zum Schluss, dass allein den europäischen Banken Implementierungskosten von 18 bis 30 Milliarden Euro entstehen könnten. Die Teilnahme am Pilotprojekt wird zudem nicht vergütet.

Datenschutz: Trotz zugesicherter Privacy-Features – etwa Offline-Zahlungen mit bargeldähnlicher Privatsphäre – bleibt die Sorge, dass eine staatlich betriebene Digitalwährung neue Überwachungsmöglichkeiten im Zahlungsverkehr eröffnen könnte.

Konkurrenz zu privaten Initiativen: Teile der Bankenbranche verweisen darauf, dass mit Wero bereits eine private europäische Bezahllösung im Aufbau ist, und stellen die Frage, ob eine parallele öffentliche Infrastruktur nötig ist – oder ob sie private Innovation verdrängt.

Unklarer Mehrwert und Gebühren: Händlervertreter wie die Merchants Payments Coalition Europe fordern verbindliche Gebührenobergrenzen (im Gespräch: maximal 0,1 Prozent bzw. vier Cent pro Transaktion), während die EZB bislang nur vage von einem „kosteneffizienten“ System spricht. Skeptiker:innen bezweifeln zudem, dass Konsument:innen angesichts funktionierender Bezahl-Apps überhaupt Bedarf für ein weiteres Zahlungsmittel sehen.

Die finale Entscheidung über die Ausgabe des digitalen Euro trifft der EZB-Rat erst nach Verabschiedung der EU-Verordnung. Bis dahin sollen die 36 ausgewählten Anbieter gemeinsam mit ihren nationalen Zentralbanken und der EZB die Vorbereitungen für den Testlauf abschließen – die Entwicklungsphase beginnt bereits im dritten Quartal 2026.

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