Verstoß gegen Community-Richtlinien

Uber: Wirklich Konsequenzen bei Fehlverhalten von Fahrer:innen?

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Was macht Uber, wenn Fahrer:innen gegen die Community-Richtlinien verstoßen und der Vorfall gemeldet wird? Die Antwort lautet: Höchstwahrscheinlich nicht viel. Zumindest war das in meinem Fall so.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Bis vor wenigen Wochen habe ich noch in den höchsten Tönen über Uber gesprochen. Günstig, unkompliziert, schnell und vor allem sicher! Ich hatte zuvor tatsächlich noch nie auch nur annährend ein Problem mit den Fahrer:innen.

In fast allen Fällen kam es aufgrund des beidseitigen Desinteresses an einem Gespräch auch zu keinen unangenehmen Situationen. Klar, ein bisschen Smalltalk wird niemanden umbringen, aber Schweigen ist mir trotzdem lieber, vor allem als Frau, die spät abends bzw. nachts alleine nach Hause fährt.

Ich sehe nicht ein, warum ich in Autos mit völlig Fremden über mich und mein Leben reden sollte. Uber ist keine Kennenlern-App, sondern ein Fahrdienstanbieter.

Schweigen ist auch ein gutes Stichwort, denn es hätte die Horrorfahrt vermutlich verhindern können, aber der Fahrer, um den es bei dem Vorfall geht, wollte lieber reden – und zwar über das Herkunftsland meiner Eltern, mit dem er offenbar ein persönliches Problem hatte.

Historische Debatten spät nachts auf der Heimfahrt

Schon drei Sekunden nach dem Einsteigen wurde ich nach meiner Herkunft gefragt. “Na aus Wien“, ließ der Mann Mitte zwanzig scheinbar aufgrund meines Vornamens, der in der App angegeben wird, nicht gelten. Nachdem er mehrmals nachgehakt hat und ich ihm schließlich die Antwort gab, auf die er hinaus wollte, fing das Chaos an.

(Info am Rande: Der Mann hat bulgarische Wurzeln, ich Wurzeln in Mazedonien. Der bis heute andauernde Konflikt zwischen Bulgarien und Mazedonien basiert auf unterschiedlichen Auffassungen über die Geschichte und die Identität Mazedoniens. Bulgarien äußert immer wieder Bedenken hinsichtlich einer Aneignung von Teilen seiner Geschichte. Mazedonien leugnet das. Das Thema polarisiert schon länger, aber hat mich persönlich nie betroffen. Ich hatte in Wien diesbezüglich auch noch nie eine Diskussion, vor allem nicht mit Freund:innen, die selbst aus Bulgarien stammen.)

“Leg dein Handy sofort weg und hör mir gefälligst zu!”

„Deine Muttersprache ist also auch Bulgarisch?“, fragte er. „Nein, Mazedonisch“, meinte ich.  Direkt darauf wollte der Fahrer mir weismachen, dass die Sprache Mazedonisch nicht existieren würde. Es würde sich dabei lediglich um einen Dialekt aus Bulgarien handeln. Aha. Anschließend zog er über das gesamte Land und die vermeintlichen Kulturdieb:innen her. Als ich mit meiner Gegenargumentation, die daraus bestand, dass ich Ethno-Nationalismus als sinnlos erachte, begann, wurde er immer lauter. Er wurde so wütend, dass er sich während der Fahrt mehrmals umdrehte. Ich vermute mal, um mich einzuschüchtern.

Meine späteren Versuche den Mann und seine Wut zu ignorieren und mich mit meinem Handy abzulenken, gefielen ihm weniger. So wollte er mich lauthals mit den Worten “Leg dein Handy sofort weg und hör mir gefälligst zu,” davon abhalten.

Nachdem er mir erklären wollte, dass Bulgarien auch die Vietnamesische Sprache beeinflusst haben soll, wusste ich, der Typ ist durchgeknallt und wollte nur aus dem Auto raus, was kurz darauf auch endlich passieren konnte.

Unverschämtes Verhalten und die Antidiskriminierungsrichtlinie

Die Horrorfahrt war vorbei und ich war so fassungslos, dass ich den Vorfall noch im Aufzug in der App gemeldet habe. In der Wohnung angekommen wollte ich mich sofort über die Sicherheitsrichtlinien von Uber informieren.

“Jeder, der sich für ein Uber Konto registriert, muss die Community-Richtlinien von Uber einhalten”, gibt das Unternehmen auf der Webseite an. Dazu soll auch die sogenannte Antidiskriminierungsrichtlinie gehören. Gemäß dieser Community-Richtlinien toleriert Uber keine Diskriminierung von Fahrgästen oder Fahrer:innen aufgrund folgender Merkmale: Ethnische Herkunft, Religion, nationale Herkunft, Behinderung, sexuelle Orientierung, Geschlecht, Familienstand, Geschlechtsidentität und Alter. Interessant.

Auch Drohungen und unverschämtes Verhalten sind (logischerweise) verboten. Konkret aufgezählt wird aggressives, konfrontatives oder belästigendes Verhalten, Ausdrücke oder Gesten, die respektlos, bedrohlich oder unangemessen sein können. Zudem wird betont, dass persönliche Themen, wie Religion und politische Überzeugungen, nicht während einer Fahrt angesprochen werden sollten.

„Jeder Fahrgast oder Fahrer, der gegen diesen Standard verstoßen hat, verliert den Zugang zur Uber App.“, steht auf der Webseite unter dem Punkt Antidiskriminierungsrichtlinie. Aber ist das wirklich so?

Ich habe einen Tag nachdem ich den Vorfall über die App gemeldet habe, die folgende Nachricht bekommen:

KEINE ANTWORT ERFORDERLICH
Betreff: My driver discriminated against me

Vielen Dank für deine Nachricht, Semsa. Das von dir beschriebene Verhalten ist sicherlich besorgniserregend. Wir hoffen, dass es dir gut geht.
Du kannst dich darauf verlassen, dass wir derartige Vorwürfe sehr ernst nehmen und intern entsprechende Maßnahmen gegen den involvierten Partner-Fahrer ergreifen werden. Zum Zeitpunkt dieser Nachricht haben wir auch einige Änderungen an der App vorgenommen, um die Wahrscheinlichkeit zu reduzieren, dass du in Zukunft mit diesem Partner-Fahrer verbunden wirst. Falls du dennoch wieder mit diesem Fahrer verbunden wirst, storniere die Fahrt bitte und kontaktiere uns über die App. Wir möchten, dass alle Partner-Fahrer und Fahrgäste gemäß unseren Uber Community-Richtlinien eine sichere, respektvolle und angenehme Erfahrung haben. Nochmals vielen Dank für dein Feedback. Wir wissen das sehr zu schätzen. Bei weiteren Anliegen kannst du dich gerne jederzeit an uns wenden.“ 

Wie schwerwiegend muss ein Richtlinienverstoß sein, damit besser reagiert wird?

Wenn die einzige Antwort, die ich erhalte, darauf hinausläuft, dass ich wahrscheinlich nicht mehr mit dem Fahrer verbunden werde und im Falle einer Verbindung die Fahrt einfach stornieren soll, stelle ich mir ernsthaft die Frage, was nötig gewesen wäre damit das Unternehmen zeigt, dass es Sicherheit wirklich ernst nimmt. Physische Gewalt?

Im Ernst: Was für einen Sinn haben all diese Richtlinien, wenn mir signalisiert wird, dass der Mann mit keinen Konsequenzen rechnen muss? Denn er könnte ja wieder mit mir verbunden werden.

“Uber erhält Feedback über verschiedene Kanäle und prüft Berichte zu Verstößen gegen unsere Community-Richtlinien, die an unser Support-Team gesendet werden”, versichert Uber Nutzer:innen wie mir. Was bringt „eine Überprüfung zu Verstößen“ jedoch, wenn man im Nachhinein nicht über tatsächliche Konsequenzen informiert wird?

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