Vor Klimakonferenz

UN-Klimabericht: Klimakrise verschärft Situation in Afrika deutlich

© Jervis Sundays / Climate Visuals
Junge und Frau in Kenia auf der Suche nach Wasser. © Jervis Sundays / Climate Visuals

Afrika ist ein Kontinent, der seit je her unter sozioökonomischen Krisen leidet. Die Covid-19-Pandemie hat die Situation in vielen afrikanischen Staaten zusätzlich verschärft. Gleichzeitig ist Afrika von der Klimakrise besonders stark betroffen. Und das obwohl der Kontinent, der im Jahr 2019 laut Statistik für 1,4 Milliarden Tonnen CO2 verantwortlich war, deutlich weniger zur Erderhitzung beiträgt als etwa China, die USA oder Europa.

Wie stark Afrika von der Klimakrise betroffen ist, zeigt der aktuelle Bericht „The State of the Climate in Africa 2020”, der von der Weltwetterorganisation WMO, der Afrikanischen Union und weiteren Partnern zwei Wochen vor der Weltklimakonferenz COP26 veröffentlicht wurde. Laut Pressemitteilung der WMO soll der Bericht die Dringlichkeit unterstreichen, globale Treibhausgasemissionen zu verringern, ambitioniertere Klimaziele zu setzen und Ausgaben für die Klimawandelanpassung zu erhöhen. Die Kosten für diese Anpassung werden dem Bericht zufolge in der Sub-Sahara auf 30 bis 50 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt, zwei bis drei Prozent der gesamten regionalen Wirtschaftsleistung.

Temperaturanstieg höher als der globale Durschnitt

Im Vorwort des Berichts schreibt WMO-Sekretär Petteri Taalas, dass der Kontinent im Jahr 2020 geprägt gewesen sei von kontinuierlich steigenden Temperaturen, einem beschleunigtem Meeresspiegelanstieg und extremen Wetterereignissen wie Fluten, Erdrutschen und Dürren. Die globale Erderhitzung sorgte im Jahr 2020 verstärkt für Niederschläge, etwa in der nördlichen Sahel-Region oder Nord-Ostafrika. Gerade im östlichsten Teil Afrikas führten Regenfälle zwischen 2018 und 2020 dazu, dass die Vegetation außergewöhnlich wuchs. Dies begünstigte jedoch die Ausbreitung von Heuschrecken, was heuer zur größten Insektenplage seit Jahrzehnten führte.

Während es in den einen Regionen nur so regnete, verzeichneten andere Regionen wie Madagaskar gleichzeitig ungewöhnlich starke Dürren. Auf dem Inselstaat verursachte die Trockenheit laut BBC eine humanitäre Krise, durch die Zehntausende in Hungersnot gerieten. Das führt auf dem afrikanischen Kontinent vermehrt zu Fluchtbewegungen: Dürren, Stürme und Fluten trieben im Jahr 2020 über eine Millionen Menschen in die Flucht, etwa in Ländern wie Burkina Faso, Mali und Niger. Laut Bericht sind das zwölf Prozent aller neuen Binnenvertriebenen weltweit.

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Dürren und Fluten verschärfen humanitäre Situation

Im Jahr 2020 hatten ungefähr 98 Millionen Menschen keinen gesicherten Zugang zu Lebensmitteln, so der Bericht. Die Zahl derjenigen, die auf humanitäre Unterstützung angewiesen waren, stieg 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent. Neben der Klimakrise nennt der Bericht auch instabile Regierungen und wirtschaftliche Krisen als Faktoren, die sich negativ auf die Ernährungsunsicherheit auswirken und die durch die COVID-19-Pandemie verstärkt wurden.

Laut Josefa Leonel Correia Sacko, Beauftragte für ländliche Ökonomie und Landwirtschaft bei der Afrikanischen Union, werde geschätzt, dass bis 2030 mit 118 Millionen extrem armen Menschen in Afrika zu rechnen sei, die von weniger als 1,90 US-Dollar täglich (1,64 Euro) leben müssten. Südlich der Sahara könne der Klimawandel das Bruttoinlandsprodukt bis 2050 um bis zu drei Prozent mindern. Fast die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Sahara leben derzeit schon unter der Armutsgrenze und sind abhängig von Einkommensquellen wie Landwirtschaft, Herdenhaltung oder Fischerei, die stark vom Wetter und Klima abhängig sind.

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Gletscher könnten bis 2040 verschwunden sein

Nicht nur für die Menschen, sondern auch die afrikanische Landschaft wird verstärkt von der Klimakrise geformt. Seit 1880 schrumpften die afrikanischen Gletscher, etwa am Mount Kenya, dem Ruwenzori-Gebirge (Uganda) und Kilimandscharo (Tansania) auf weniger als 20 Prozent ihrer ursprünglichen Größe. Ziehen sich die Gletscher in derselben Geschwindigkeit zurück, werden die Gletscher laut Bericht bis 2040 verschwunden sein. Damit würden sie zu den ersten Bergen gehören, die ihre Gletscher aufgrund der menschengemachten Klimakrise verlieren. Laut Taalas signalisiere das rasche Schwinden der letzten verbleibenden Gletschern in Ostafrika, wie das Erdsystem durch unumkehrbare Veränderungen bedroht werde.

Um das Erdsystem rechtzeitig zu stabilisieren, wollen die Länder bei der kommenden Weltklimakonferenz ihre Klimaziele nachschärfen. Für die afrikanischen Staaten bietet das Treffen die Möglichkeit, die Industrienationen auf ihre prekäre Situation im Hinblick auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Auch Tanguy Gahouma-Bekale, der für Afrika bei der Konferenz verhandelt, schreibt auf der Plattform Africa Renewal, die COP26 stelle eine Gelegenheit dar, die Lage Afrikas in den Fokus zu rücken und anzusprechen. Er betont, dass der Kontinent nur mit vier Prozent zu den globalen Treibhausgasemissionen beiträgt und dessen sozioökonomische Entwicklung jedoch enorm durch die Klimakrise bedroht sei. „Afrika verursacht die wenigsten Emissionen, leidet aber unter der Hauptlast der Konsequenzen“, so Gahouma-Bekale. Der Bericht der WMO hat das Ausmaß dieser Last nun erneut aufgezeigt.

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