AI-Startups

Was ist Anthropic, der größte Herausforderer von OpenAI?

Anthropic-Founder Dario Amodei (l.) und Daniela Amodei (Mitte) mit Team-Mitglied. © Anthropic
Anthropic-Founder Dario Amodei (l.) und Daniela Amodei (Mitte) mit Team-Mitglied. © Anthropic

Inmitten der turbulenten Tage bei OpenAI hat ein zweites AI-Startup aus dem Silicon Valley neue Strahlkraft erhalten: Anthropic. Denn das Unternehmen der Gründer Dario Amodei und Daniela Amodei wurde vom OpenAI-Vorstand in der Krise sogar kontaktiert, um einen möglichen Merger zu vollziehen oder zumindest Dario Amodei als CEO zu gewinnen – doch daraus wurde letztlich nichts.

Bei Anthropic würde man einen Zusammenschluss mit OpenAI wohl auch nicht wirklich anstreben, immerhin ist das die erst 2021 gegründete Unternehmung ziemlich gut unterwegs. Ihr Chatbot Claude gilt im englischsprachigen Raum als bester ChatGPT-Mitbewerber, und mit Google und Amazon hat Anthropic mächtige Partner.

Was macht Anthropic?

Anthropic definiert sich als Unternehmen für KI-Sicherheit und -Forschung, das zuverlässige, interpretierbare und steuerbare KI-Systeme bauen will. Kernprodukt ist der Chatbot Claude, den man derzeit in den USA und UK nutzen kann. Es gibt eine kostenpflichtige Pro-Version, aber auch APIs für Unternehmen, um Claude in eigene Software zu integrieren.

Wer hat Anthropic gegründet?

Gegründet wurde Anthropic 2021 von ehemaligen OpenAI-Mitarbeiter:innen:

  • Daniela Amodei (Ex-OpenAI VP of Safety and Policy)
  • Dario Amodei (Ex-OpenAI Vice President of Research)
  • Jack Clark (Ex-OpenAI Policy Director)
  • Jared Kaplan (Ex-OpenAI Research Consultant)

Wer hat in Anthropic investiert?

Während bei OpenAI Microsoft der große Investor ist, hat Anthropic mit Google, Amazon und Salesforce gleich drei Big-Tech-Unternehmen als Investoren – und außerdem auch noch den mittlerweile wegen Betrugs verurteilten Sam Bankman-Fried (Ex-CEO von FTX) sowie dessen ehemalige Freundin und Geschäftspartnerin Caroline Ellison (Ex-CEO von Alameda Research). Hier der Überblick:

  • Oktober 2023: <2 Mrd. Dollar von Google
  • September 2023: <4 Mrd. Dollar von Amazon
  • Mai 2023: 450 Mio. Dollar (Series C) von  Spark Capital, Google, Salesforce Ventures, Sound Ventures, Zoom Ventures
  • April 2022: 580 Mio. Dollar (Series B) von Sam Bankman-Fried (Ex-CEO von FTX), Caroline Ellison (Ex-CEO von Alameda Research), Jim McClave, Nishad Singh, Jaan Tallinn (Skype-Gründer), and dem Center for Emerging Risk Research (CERR)
  • Mai 2021: 128 Mio. Dollar (Series A) von Jaan Tallinn (Co-Founder Skype), James McClave, Dustin Moskovitz, Center for Emerging Risk Research (CERR), Eric Schmidt

Welche Partner hat Anthropic?

Aktuell werden folgende Partner genannt:

  • Zoom (= Investor)
  • Quora (CEO Adam D’Angelo ist ehemaliger CTO von Facebook und sitzt im Vorstand von OpenAI)
  • Slack (Tochterfirma des Investors Salesforce)
  • Notion (Produktivitäts-App)
  • AssemblyAI (auf Voice spezialisiertes AI-Startup)
  • Boston Consulting Group (BCG)
  • Google Cloud
  • Amazon Web Services (AWS)
  • Scale (Plattform für Generative AI in Unternehmen)
  • SK Telecom (größter südkoreanischer Mobilfunkanbieter)

Was kann der AI-Chatbot Claude?

Claude ist ein AI-Chatbot, der im Grundprinzip ähnlich wie ChatGPT funktioniert, aber sich ausschließlich auf Textkommunikation fokussiert. Er kann Texte bearbeiten, umschreiben, zusammenfassen, klassifizieren oder daruas strukturierte Daten extrahieren. Außerdem soll Claude Fragen des Users beantworten können, gepflegte Konversationen führen, und Workflows automatisieren. Anthropic sieht aktuell die Einsatzgebiete Customer Service, Legal, Coaching, Search, Back-Office und Sales.

Wie unterscheidet sich Claude von ChatGPT?

In der neuesten Version Claude 2.1 kann bereits ein 200.000 Token langes Kontext-Fenster verabreitet werden – das ist fast doppelt so viel wie GPT4-Turbo derzeit schafft (120.000 Token). Laut Anthropic reichen 200.000 Token, um 150.000 Wörter bzw. über 500 Seiten Material zu verarbeiten. „Unsere Nutzer können jetzt technische Dokumentationen wie ganze Codebases, Finanzberichte wie S-1s oder sogar lange literarische Werke wie die Ilias oder die Odyssee hochladen“, heißt es.

Was Claude nicht kann: Auf das Internet zugreifen, um dort nach aktuellen Informationen zu suchen. ChatGPT Plus kann das via Microsoft Suchmaschine Bing. Außerdem hat ChatGPT Plus bereits Dall-E integriert und kann so auch Bilder generieren. Zudem wächst die Bibliothek an Custom GPTs ständig.

Was ist das HHH-Prinzip, dem Anthropic folgt?

Helpful, Honest, and Harmless (HHH) – so sollen AI-Systeme wie Claude laut Anthropic sich am besten verhalten – auch wenn das heute noch nicht perfekt funktioniert. „Wir verwenden Präferenzmodellierung und Verstärkungslernen aus menschlichem Feedback (reinforcement learning from human feedback, kurz RLHF), um Sprachmodelle so abzustimmen, dass sie als hilfreiche und harmlose Assistenten fungieren“, heißt es dazu.

Was ist Constitutional AI?

Damit sich ein AI-System hilfreich, ehrlich, aber auch harmlos verhält (siehe HHH-Prinzip), wird Claude von Anthropic als Constitutional Artificial Intelligence entwickelt, die sich gemäß einer Art Verfassung von menschlichen Werten verhalten soll.

„Menschliches Feedback kann offenkundig schädliche Äußerungen in Gesprächsmodellen verhindern, aber nicht automatisch subtilere problematische Verhaltensweisen wie den erklärten Wunsch nach Selbsterhaltung oder Macht abschwächen. Die konstitutionelle KI bietet eine Alternative, indem sie das menschliche Feedback durch das Feedback von KI-Modellen ersetzt, die nur auf einer Liste schriftlicher Grundsätze beruhen“, heißt es seitens Anthropic.

Beim Training der AI wird also nicht der Mensch herangezogen, der der AI sagt, eine Antwort nun „gut“ oder „schlecht“ war, sondern schriftliche Grundsätze. Die Grundsätze, auf denen Claude lernt, beinhalten unter anderem:

Gibt es eine API für Claude?

Ja, allerdings ist diese aktuell nur für einen ausgewählten Kreis an Partnern zugänglich. Wer Claude via API einmal ausprobieren möchte, kann das etwa via poe.com tun.

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