Digitale Privatsphäre

Celantur: Neues Linzer Startup verpixelt mit Hilfe von Machine Learning Gesichter

Alexander Petkov und Boyang Xia von Celantur. © Celantur
Alexander Petkov und Boyang Xia von Celantur. © Celantur

Immer wieder ist der Internet-Konzern Google in der Vergangenheit in die (rechtliche) Kritik geraten, weil bei seinen Straßenaufnahmen „Street View“ die Gesichter von abgelichteten Menschen zu sehen waren. Um die Verpixelung zu automatisieren, hat Google eine Technologie entwickelt, mit deren Hilfe die Gesichter und Kennzeichen verschwommen dargestellt werden können.

Weil es aber mittlerweile nicht nur Google ist, das mit Kameraautos durch die Straßen fährt, ist der Bedarf nach solchen Privatsphäre-Technologien gestiegen. Schon jetzt gibt es Autos, die mit Dashcams alles mitfilmen können, was ihnen vor die Motorhaube kommt. In Österreich etwa ist es für Privatpersonen, die solches Bild- oder Videomaterial veröffentlichen oder weitergeben, auf dem man Personen oder Fahrzeugkennzeichen erkennen kann, strafbar.

Automatische Anonymisierung

Für das junge Linzer Startup Celantur ergibt das eine spannende Ausgangssituation. Gemeinsam mit seinem neuen Partner Boyang Xia entwickelt Gründer Alexander Petkov eine Software für die automatische Daten-Anonymisierung für Fotos und und Videos. “Unser Algorithmus durchsucht automatisch Bildmaterial und verpixelt Gesichter und Nummerntaferl”, sagt Petkov im Gespräch mit Trending Topics. Man sei noch sehr frühphasig, doch “das MVP funktioniert schon ziemlich gut” – und ein großer potenzieller Kunde hätte bereits Interesse angemeldet.

Alexander Petkov und Boyang Xia von Celantur. © Celantur
Alexander Petkov und Boyang Xia von Celantur. © Celantur

Mit Xia hat sich Petkov vor kurzem einen Machine-Learning-Spezialisten ins Team geholt. Denn: Die Software soll ständig lernen, Gesichter und Nummernschilder von Autos zu erkennen und diese dann automatisiert verpixeln. Dabei gilt es, sich möglichst nah an eine 100-prozentige Trefferquote heran zu arbeiten – auch wenn klar ist, dass es noch länger dauern wird, bis die Software wirklich alle Gesichter erkennt. Kniffelig wird es etwa dann, wenn eine Person im Schatten steht oder schräg von der Seite fotografiert wurde.

Im Inkubator von Nvidia

Die neuronalen Netze, mit denen Celantur arbeitet, verlangen viel Rechen-Power. Zum Glück haben die beiden Gründer dafür einen potenten Partner gefunden: Der Grafikchip-Spezialist Nvidia hat das Linzer Projekt in seinen virtuellen Inkubator aufgenommen. In dem Inception-Programm werden AI- und Deep-Learning-Startups mit leistungsstarken Grafikprozessor-Tools sowie mit Deep-Learning-Expertise unterstützt. Gerade für die Analyse von Videos braucht es ungleich mehr Rechenkapazität als für Bilder. Wenn die Zusammenarbeit fruchtet, haben Jungfirmen auch die Chance, ein Investment von Nvidias GPU Ventures zu bekommen.

Celantur jedenfalls hat sich zum Start am Open Innovation Center der JKU Linz angesiedelt. Dort wolle man von der Nähe zu den dortigen Spezialisten profitieren, die sich ebenfalls teilweise mit Machine Learning beschäftigen. Der Sprung ins kalte Wasser des Unternehmertums ist für Gründer Petkov, der zuvor in der Software-Entwicklung arbeitete, jedenfalls eine aufregende, wenn auch geplante Sache. Petkov: “Ich wollte mich selbstständig machen und habe eine größere Challenge gesucht.”

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