Hintergrund

ClimateTech funktioniert fundamental anders als bisherige Startup-Investments

Carbon Capture and Storage-Anlage. © Climeworks
Orca ist die momentan größte "Direct Air Capture"-Anlage der Welt. © Climeworks

Es steht mittlerweile überall drauf: Es gibt kaum Investor:innen mehr, die dieser Tage neue Fonds starten, ohne das Wörtchen „ClimateTech“ drauf zu schreiben. Kein Wunder: Der dringende Umbau der Wirtschaft, um die Klimakatastrophe vielleicht doch noch abzuwenden, braucht natürlich auch Unternehmen und Technologien, die das schaffen. Alleine der Markt für so genanntes Carbon Capture (also das Einfangen des Treibhausgases CO2) könnte zum Billionengeschäft werden, während daneben neue (alte) Energielösungen von Sonne, Wind über Wasserstoff bis Kernkraft die bösen Fossilen ablösen sollen.

Ist ClimateTech also der nächste Boom-Markt nach Social Media, SaaS, Fintech oder Krypto? Möchte man meinen. Allerdings ist der Bereich fundamental anders zu sehen als die anderen genannten Sektoren. Denn während sich diese zumeist in der Welt der Bits und Bytes abspielen (mal abgesehen von der einen oder anderen gebrandeten Debit-Karte), geht es bei ClimateTech letztendlich um Moleküle – und damit um Hardware.

ClimateTech: Der neue Stern am Investor:innen-Himmel

Hardware is hard

„Hardware is hard“, lautet eine Binsenweisheit der Startup-Branche. Im Vergleich zu Software ist Hardware langsamer, kostenintensiver, schwieriger und von vielen Faktoren abhängig. Während Software-Startups nur mit einigen wenigen Gatekeepern (Apple, Google, Meta, usw.) bei der Skalierung zu kämpfen haben, sind Hardware-Startups von Rohstoffen, Energiepreisen, Lieferketten, Standorten, Forschungslaboren, Logistik usw. abhängig. Und die Produkte und Lösungen müssen in erster Linie eines tun: Atome und Moleküle bewegen. Zum Beispiel CO2 aus der Atmosphäre entfernen und in die Erde pumpen. Oder Wasserstoff per Elektrolyse in rauen Mengen herstellen und um den Globus schiffen. Oder Lithium abbauen und in Batterien verwerten. Oder künstliches Fleisch aus dem Labor. Oder oder oder.

Hier einige Beispiele von führenden, als ClimateTech geltenden Scale-ups und Unicorns und deren riesiger Kapitalbedarf:

  • Northvolt: Der schwedische Hersteller möglichst grüner Akkus für E-Autos hat seit der Gründung 2016 bisher bereits mehr als 7 Milliarden Dollar an Kapital aufgenommen
  • H2 Green Steel: Das schwedische Corporate-Startup, das eine mit Wasserstoff betriebene Stahlfabrik aufbauen will, hat seit dem Start 2020 mehr als 3,5 Milliarden Euro an Kapital aufgenommen
  • Sunfire: Das Dresdner Scale-up für grünen Wasserstoff hat seit der Gründung 2010 fast 270 Millionen Euro Kapital aufgenommen
  • Climeworks: Das Schweizer Unicorn hat bereits fast 800 Millionen Dollar an Kapital aufgenommen und arbeitet seit 2009 an der Carbon-Capture-Technologie
  • Emerald Horizon: Das Grazer Unternehmen, das kleine Thorium-Reaktoren an den Start bringen will, braucht 250 Mio. Euro
  • TerraPower: Bill Gates Firma für Flüssigsalzreaktoren hat mehr als 750 Milliarden Euro aufgenommen
  • Plastic Energy: Das britische Scale-up hat bereits mehr als 160 Millionen Dollar für sein Plastik-Recycling erhalten
  • Enpal: Das deutsche Unicorn für Solaranlagen hat bis dato mehr als 780 Millionen Dollar Risikokapital aufgenommen

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Atome statt Bits

„Man erkennt rasch: Wenn man im ClimateTech-Bereich mit Hardware tätig ist, dann spricht man bereits bei Pilotprojekten von zweistelligen Millionenbeträgen. Dann ist man schnurstracks im dreistelligen Bereich, so gesehen ist das sehr kapitalintensiv“, sagt etwa Thomas Zimpfer, Geschäftsführer der B&C Industrieholding und B&C Innovation Investments. Die B&C-Gruppe ist jene Industrieholding, die Mehrheitseigentümer von AMAG Austria Metall, Semperit und Lenzing ist und außerdem als Tech-Investor ein ansehnliches Portfolio (u.a. TTTech, Awake Mobility, Klarx, Trilite, Frequentis) aufgebaut hat.

Bei ClimateTech geht es also um industrielle Großprojekte, wo komplette Fabriken und Produktionsstätten aufgebaut werden bzw. wo es sogar das Ziel ist, Mini-Atomreaktoren auf Basis von Flüssigsalz und Thorium in der Massenfertigung vom Band laufen zu lassen  -ganz im Gegensatz zum letzten Startup-Hype im Bereich von Krypto, wo manche Firmen nicht einmal mehr ein Headquarter hatten und dezentral die Algorithmen walten ließen.

„Software nimmt einen großen Teil der Wertschöpfungskette von Branchen in Beschlag, die weithin als hauptsächlich in der physischen Welt existierend angesehen werden. In den heutigen Autos steuert Software die Motoren, kontrolliert die Sicherheitsfunktionen, unterhält die Fahrgäste, führt den Fahrer zum Ziel und verbindet jedes Auto mit Mobilfunk-, Satelliten- und GPS-Netzen“, schrieb der bekannte VC Marc Andreessen 2011 in seinem berühmten Essay „Software is Eating the World„. Doch von diesem Motto haben er und sein Partner Horowitz (a16z) mittlerweile getrennt – stattdessen lautet die Tagline heute „It’s time to build“.

Software mag weiter eine große Rolle im Kampf gegen die Klimakatastrophe spielen – etwa beim Thema Energiesparen, bei Automatisierung bei effizienten Rechenzentren, oder bei der Steuerung der Kreislaufwirtschaft. Doch am Ende muss man erkennen: Die Welt retten, das geht nicht alleine mit Code und Algorithmen. Es braucht letztendlich Hardware dafür, und die ist sehr sehr teuer.

Die Internationale Energie Agentur (IEA) schätzt, dass die Investitionen bis 2030 in saubere Energien auf 2 Billionen Dollar jährlich steigen werden. Aber das wird nicht genug sein. Um die Klimaziele bis 2050 zu schaffen, sei das das Doppelte an Geldern notwendig, heißt es im aktuellen „World Energy Outlook 2022„. Das zeigt, welche Unsummen ins Spiel kommen müssen – auch bei ClimateTech.

World Fund: 350 Millionen Euro für europäische ClimateTech-Startups

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