Hintergrund

Der große NFT-Scam

NFT, kurz für Non Fungible Token. © Andrey Metelev on Unsplash
NFT, kurz für Non Fungible Token. © Andrey Metelev on Unsplash

Eigentlich sollen sie das Thema Urheberrecht und Eigentum im Web lösen, doch derzeit passiert das Gegenteil: Am Wochenende veröffentlichte Reports lassen Expert:innen nun daran zweifeln, wie gut NFTs (Non-Fungible Tokens) überhaupt funktionieren. Denn auf den aktuell beiden größten NFT-Marktplätzen, OpenSea sowie LooksRare, kommt es zu groben Unregelmäßigkeiten.

Beginnen wir mit OpenSea. Der Marktführer, von Investor:innen mit 13,3 Milliarden Dollar bewertet, bietet seinen Nutzer:innen grundlegend den Service an, NFTS kostenlos und unbegrenzt zu minten. Das Feature bzw. der zugrunde liegende Smart Contract dazu nennt sich „Shared Storefront“. Das soll ihnen die Transaktionskosten ersparen, die ihnen beim Erstellen der NFTs auf der Ethereum-Blockchain entstehen würden. Doch was ist nun passiert?

Voller Fälschungen und Plagiate

Genau: Nutzer:innen haben die unregulierte Situation ausgenutzt und massenweise NFTs erstellt, der auf gestohlenen oder gefälschten Content beruht. Das Ausmaß ist enorm. „Ursprünglich haben wir unseren Shared-Storefront-Vertrag so gestaltet, dass es für Kreative einfach ist, in den Space einzusteigen“, so die OpenSea-Verantwortlichen in einem Tweet. „Wir haben jedoch in letzter Zeit gesehen, dass der Missbrauch dieser Funktion exponentiell zugenommen hat. Über 80 Prozent der mit diesem Tool erstellten Artikel waren Plagiate, gefälschte Sammlungen und Spam.“

Richtig gelesen: 80 Prozent. Nur eine Minderheit der NFTs sind keine Fälschungen, Plagiate oder Spam. Um diese Lücke im System zu schließen, hat OpenSea das Feature nun drastisch zurechtgestutzt. Fortan sind nur noch fünf NFT Collections pro NFT-Wallet oder Benutzer und maximal 50 Lose oder NFT-Sammelobjekte in jedem Angebot erlaubt.

NFT-Plattform OpenSea nach Series C-Runde 13,3 Milliarden Dollar wert

Trotz Krypto-Crash boomte der NFT-Sektor, offenbar losgekoppelt vom Rest der Branche, auch im Jänner. Haben NFT-Trader im Jahr 2021 Transaktionen im theoretischen Gegenwert von 27 Milliarden Dollar verzeichnet (mehr dazu hier), war der Jänner 2022 trotz Preisverfall bei Ethereum und Co., noch einmal ein sehr starker Monat. So ist das monatliche Handelsvolumen für NFTs im Jänner auf ein Rekordhoch von 6,25 Milliarden US-Dollar geklettert, zeigen Daten von The Block:

Massives Wash-Trading beim Newcomer LooksRare

Mehr als 50 Prozent des Handelsvolumens passiert beim Marktführer OpenSea, doch das ganz große Wachstum im Jänner kommt vom neuen Player LooksRare, der erst Anfang 2022 startete. Gemessen wurde eine Handelsaktivität von insgesamt 9,5 Milliarden Dollar seit dem Start von LooksRare, und zwar vom Analyse-Dienst CryptoSlam, das auch ein Ranking von NFTs herausgebracht hat.

Doch bei 8,3 dieser 9,5 Milliarden Dollar Transaktionen (das sind 87%) handelt es sich laut den Analyst:innen von CryptoSlam um so genanntes Wash-Trading – also um Luftbuchungen, die keinen Wert haben. Die Logik dahinter: Nutzer:innen kaufen sich die eigenen NFTs selbst ab, indem sie dazu einfach zwei Wallets benutzen – ein offizielles für den Verkauf eines NFTs, und ein zweites, um sich selbst einen bestimmten Betrag an Ethereum zuzusenden.

Mitschuld hat LooksRare als Handelsplattform selbst, weil man die Luftbuchungen begünstigt hat. Denn die Nutzer:innen wurden mit dem Token LOOKS belohnt, je mehr sie mit NFTs gehandelt haben. Das haben nun viele ausgenutzt und sich selber NFTs abgekauft, um die Looks-Token zu bekommen, mit denen man wiederum die Gebühren des Marktplatzes sowie die Gas Fees für Ethereum bezahlen kann. CryptoSlam hat bereits reagiert und die Wash-Trades aus seinem Ranking herausgerechnet – eine Reaktion der Betreiber:innen selbst bleibt noch abzuwarten.

NFT-Trader verzeichnen 2021 Transaktionen von 27 Milliarden Dollar

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