Gastbeitrag

Die aktuellen Krypto-Kurseinbrüche sind vermutlich nicht die letzten für 2022

Ed Prinz, Vorstand von DLT Austria © DLT Austria
Ed Prinz, Vorstand von DLT Austria © DLT Austria

Ed Prinz ist Vorstand des gemeinnützigen Vereins DLT Austria, der Blockchain-Akteure stärkt und vernetzt, um auf möglichst breiter Basis einen internationalen “DLT Cluster” aus Österreich heraus zu etablieren. In diesem Gastbeitrag beschäftigt er sich mit den aktuellen Einbrüchen auf dem Kryptomarkt und der Zukunft der digitalen Währungen.

Neue Risiken wie etwa der Russland/Ukraine-Konflikt, die aktuellen Lieferengpässe aufgrund der Covid19-Pandemie, eine Korrektur der Wachstumsprognosen für 2022, niedrigere Konsumausgaben als erwartet oder die eingeschränkten Gaslieferungen aus Russland und die Ankündigung der mehrfach geplanten Zinserhöhung durch die Fed & Co., um die hohe Inflationsentwicklung einzubremsen, lassen immer mehr neue Furcht vor weiteren Kurseinbrüchen wachsen, sodass sich die Krypto-Assets auf weitere Crashes einstellen können.

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2022 bis zu fünf Zinserhöhungen in USA

Nach dem sehr schlechten Start ins Jahr 2022 lassen sich aus meiner Sicht die Kursverluste noch nicht für beendet erklären. Bereits am Mittwoch hält die US-Notenbank Fed ihr nächstes Meeting, um die aktuelle Lage zu besprechen und weitere Signale an die Märkte zu geben. Auch wenn die Zinserhöhung vielleicht nicht ganz so deutlich ausfallen wird, wie bereits angekündigt – es werden vermutlich insgesamt bis zu fünf Zinserhöhungen 2022 erwartet.

Die Fed möchte vermutlich auch eine Bereinigung des Marktes – sprich den Spekulant:innen, vor allem im Technologie-Aktienbereich, zeigen – dass ein einseitiges Investieren/Spekulieren keine gute Investment-Entscheidung ist. Deshalb rechne ich bis zum Sommer mit noch weiteren Kurseinbrüchen im Nasdaq von bis zu zehn Prozent, vielleicht sogar bis zu 15 Prozent. Das wiederum wird vermutlich die Krypto-Asset-Kurse ebenso einbrechen lassen, sodass ein Kurseinbruch von nochmals 20 Prozent oder sogar bis zu 30 Prozent realistisch sei könnten. Auf den Bitcoin-Kurs umgewälzt: In etwa um die 20.000 US-Dollar.

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Inflation hat Einfluss auf Tech-Unternehmen

Die Situation hat sich in den letzten Wochen deshalb auch so zugespitzt, weil die Fed noch im Sommer 2021 mehrheitlich von maximal zwei Zinserhöhungen bis Ende 2023 ausging. Dann bereits im Dezember stellte die Fed allein für das Jahr 2022 drei Zinserhöhungen in Aussicht. Der Grund für den rasanten Kursschwenk ist die hohe Inflation – allein im Dezember 2021 stiegen die US-Verbraucherpreise durchschnittlich um sieben Prozent.

Dieser Wert wurde zuletzt vor etwa 40 Jahren erreicht. Und wenn die Zinsen steigen, steigt direkt-proportional die Verteuerung der Konzern-Finanzierung, sodass ihre Gewinnaussichten dadurch gedämpft werden. Zusätzlich sind dann künftige Gewinne durch Abzinsung und auf heutiges Niveau verglichen weniger Wert. Diese Erwartungen haben einen Einfluss auf den Wert vieler Tech-Unternehmen, weil die allgemeine Bewertung genau dort vor allem von der Aussicht auf künftige Gewinne bestimmt wird.

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Kurseinbrüche bei Aktien schaden Kryptomarkt

Aber weshalb hat die Fed-Entscheidung und die Wertbetrachtung bei Tech-Unternehmen auch Einfluss auf Krypto-Asset-Kursentwicklungen? Aus meiner Sicht liegt es daran, dass in beiden Assetklassen sehr ähnliche Akteure unterwegs sind. Kurseinbrüche bei Aktien haben auf die Krypto-Asset-Welt viel stärkere Auswirkungen als noch vor 2017/2018. Durch die größere Verbreitung von Krypto-Assets ist die Korrelation zu traditionellen Assets wie Aktien deutlich gestiegen.

Gleichzeitig ist der Krypto-Asset-Markt traditionell stark gehebelt. Manche Krypto-Exchanges erlauben mit einem bis zu 100-fachen Hebel zu spekulieren: Für ein Investment beispielsweise in der Höhe von 1.000 Euro benötigen Kleinanleger:innen also nur einen Einsatz von zehn Euro. Wenn man dies mit dem Faktor 10 oder 100 durchspielt, erkennt man, in welcher dramatischen Dimension Hebelspekulant:innen bei größeren Kurseinbrüchen sind. Fallen nun die Krypto-Asset-Kurse, drohen den Kleinanleger:innen, die auf steigende Kurse wetten, sehr hohe Verluste.

Dann sind sie gezwungen, in so einem Fall weitere Liquidität bereitzustellen, sonst werden die Wetten zwangsliquidiert. Somit sind wir dann in einer Abwärtsspirale, denn das kann den Preis weiter nach unten drücken und gleichzeitig weitere Liquidationen auslösen. Laut diverser Analyseseiten wurden Wetten auf steigende Kurse im Wert von rund einer Milliarde Dollar liquidiert.

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Unsicherheiten über Regulierungsvorstöße

Der dritte Faktor zu den Fed-Entscheidungen und den Hebelwirkungen am Markt sind noch die Unsicherheiten über diverse Regulierungsvorstöße von Regierungen. Beispielsweise haben sich die türkische sowie die russische oder die indische Notenbank mehrmals in den letzten Wochen über ein Verbot der Nutzung und Erzeugung von Krypto-Assets geäußert. Diese vielen aus Kleinanleger-Sicht negativen Ereignisse führen zu einer Ausverkaufsstimmung – das nahezu panische Flüchten aus diversen Wertanlagen.

Somit könnten sich bald alle potenziellen Verkäufer:innen von ihren Positionen getrennt haben. Erst dann könnten institutionelle Investor:innen wieder bedeutend einsteigen. Solange allerdings kein Boden bei den Tech-Aktien erreicht wurde, wird es aus meiner Sicht keine langfristige Aufwärtsbewegungen auf den Krypto-Asset-Märkten zu verzeichnen geben.

Rechtliche Hinweise:

Ich bin kein Steuer-, Vermögens oder Investment-Berater. Für die Richtigkeit der Infos in diesem Artikel übernehme ich keine Gewähr. Erkundige dich im Zweifel beim Berater deines Vertrauens. In diesem Artikel werden keine Garantien oder Versprechungen zu Gewinnen gemacht. Alle Aussagen in diesem und anderen Artikel entsprechen meiner subjektiven Meinung.

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