Kommentar

Energieabhängigkeit: Es gibt keine Alternativen zu Erneuerbaren Energien

Jasmin Spreer und Jakob Steinschaden von Trending Topics. @ Trending Topics
Jasmin Spreer und Jakob Steinschaden von Trending Topics. @ Trending Topics

„Erneuerbare Energien lösen uns von Abhängigkeiten. Erneuerbare Energien sind deshalb Freiheitsenergien“, so der deutsche Finanzminister Christian Lindner (FDP) am Sonntag bei einer Sondersitzung des Bundestags. Damit bezieht dieser selbstverständlich auf die aktuelle Abhängigkeit Deutschlands, Österreichs und auch des restlichen Europäischen Kontinentes von Russland. Russland, dem Land, das einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt.

Seit Jahren warnen Klimaforschende vor den Folgen der Klimakrise. Erst Montag erschien der zweite Teil des sechsten Sachstandsberichts zu der Klimakrise vom Weltklimarat. In diesem wurde so deutlich wie in keinem der Sachstandsberichte zuvor, dass bereits eine globale Erwärmung von um 1,5 Grad Celsius zu einem Anstieg vielfacher Klimarisiken für Ökosysteme und Menschen führt. Sollte diese Marke überschritten werden, sei es auch nur temporär, drohen irreversible Veränderungen.

Wichtig dabei zu wissen, die 1,5 Grad Marke ist nichts, von dem wir noch weit entfernt sind. Bereits in den 2030-er Jahren könnte die in Paris 2015 festgelegte Begrenzungsmarke der Erderwärmung folglich überschritten sein. Und: Bisher steuern wir auf eine Erwärmung um drei Grad Celsius zu.

Weltklimarat: Große Dringlichkeit für schnelle Anpassung an die Klimakrise

Aus der Brücke wird die Fessel

Nun aber: im Angesicht akuter sicherheitspolitischer Gefahren durch die aktuelle Abhängigkeit wird deutlich, dass die sogenannte „Brückentechnologie“ Erdgas, wie bisher insbesondere von Deutschland  als solche angesehen, für die Länder eher Fesseln sind, als Brücken. Daher geht ein Ruck durch die Energieambitionen der Länder. Deutschland will nun doch schon ab 2035 den nationalen Strombedarf „nahezu“ aus erneuerbaren Quellen decken. Dafür wurde eine EEG-Novelle geschnürt, welche nun in die Abstimmung geht. Darin enthalten: großfläche Ausbauziele von Solar- und Windkraft und finanzielle Anreize.

In Österreich ist das vergleichbare Gesetz letztes Jahr nach vielen Diskussionen und Verzögerungen verabschiedet worden. Nun fehlt es aber weiterhin an einem gültigen Energieeffizienzgesetz. Auf das wartet das Land inzwischen seit mehr als einem Jahr.

EAG: Regierung und Opposition einigen sich auf lang ersehntes Gesetz

Ausbau gelingt nicht von heute auf morgen

Fakt bleibt aber: Von heute auf morgen kann nicht auf Erdgas verzichtet werden. Das ist utopisch. 22 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsverbrauch wurden 2019 mit Erdgas gedeckt. Davon muss Österreich einen Großteil importieren, ein Großteil von den Importen kommen davon aus Russland. Einen Großteil des Erdgas geht dabei an die Industrie. Die Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) gab jüngst daher nun bekannt, dass bis Mai ein Entwurf zum geplanten Erdgasbevorratungsgesetz vorliegen soll, durch welches ein entsprechender Gasvorrat sichergestellt werden soll. Deutschland hat die Eckpunkte eines solchen Gesetzes bereits präsentiert.

Für die künftige Energieversorgung wird dabei vor allem über den „großen Teich“ geblickt. Dabei wird insbesondere  LNG, also Liquefied Natural Gas“ immer wichtiger. Dieses ist verflüssigtes Erdgas, welches tiefkalt ist. Dadurch können größere Mengen transportiert werden, welche im Anschluss am Bestimmungsort wieder in den ursprünglichen Aggregatzustand versetzt werden. Laut Karina Knaus, Leiterin des Centers Volkswirtschaft, Konsument:innen & Preise der Österreichischen Energieagentur hat sich der Bezug Europas von LNG innerhalb eines Jahres verdoppelt. Besonders wichtige Handelspartner dabei seien die USA oder die Arabischen Emiraten.

Ausblick: Was passiert, wenn Russland den Gashahn abdreht

 

 

 

Eine Krise kommt nie allein

Eine langfristige Lösung ist das nicht, immerhin ist LNG weiterhin Erdgas und es bleibt bei der Abhängigkeit. Fatal wäre es nun, den deutschen Kohleausstieg, den die neue Bundesregierung „bestenfalls vor 2030“ schaffen will, nun doch wieder zu verschieben, wie ein deutscher Politiker jüngst vorschlug.  Oder, nun doch wieder auf Atomenergie zu setzen. Diese ist viel zu teuer, hilft kurzfristig nicht und ist den gesamten Lebenszyklus über vieles – aber nicht klimaneutral, mehr hier.

Egal ob nun der aktuelle Krieg von Russland gegen die Ukraine oder die allgegenwärtige Klimakrise –  am Ende ist es absoluter Nonsense solche Krisen nur allein zu betrachten. Wir können uns nicht von einer Abhängigkeit lösen, während wir die andere Krise verschlimmern. Laut den Expert:innen des Weltklimarats bleibt uns nur ein kleines Zeitfenster, langfristige Maßnahmen zur Anpassung an die Klimakrise vorzunehmen, neben dem unabdingbaren Muss, die Treibhausgasemissionen zu senken. Kurzzeitiges Denken hilft dabei nicht. Russisches Erdgas mit amerikanischen LNG ersetzen, ist gehupft wie gesprungen. Den Kohleausstieg zu verschieben, fatal. Es bleiben nur die Erneuerbaren Energien. In den letzten Tagen wurden zahlreiche Zusagen für diese getätigt. Nun braucht es eine genauso zahlreiche Umsetzung.

Zweiseitig ist eine neue Kommentarreihe auf Trending Topics und Tech & Nature, in welcher wir regelmäßig einen Anlass aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachten. Der zweite Blickwinkel heute von Jakob zu LNG: 

Energieabhängigkeit: Liquefied Natural Gas (LNG) ist keine langfristige Lösung

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