Einkommensdifferenz

Equal Pay Day: Weitere Maßnahmen für mehr Geschlechter-Gerechtigkeit nötig

©Pixabay

46 Tage. 46 Tage arbeiten die Frauen in Österreich umsonst. Bedeutet, bis zum heutigen 15. Februar haben die Frauen hierzulande rein rechnerisch nur aus Lust an der Freude gearbeitet, nicht etwa zum Broterwerb. Der Pay Gap, also die Einkommensdifferenz in Österreich zwischen Mann und Frau, liegt im Durchschnitt bei 12,7 Prozent. Auf das Jahr hochgerechnet bedeutet das also 46 Tage oder, in einem größeren Zeitraum betracht, wird jedes achte Jahr für lau gearbeitet.

Auf diese Zahlen kommt der Verein Business and Professional Women Austria, Gesellschaft berufstätiger Frauen – Österreich mit Bezugnahme auf Erhebungen der Statistik Austria. Mit dem Equal Pay Day werden die Gehälter von Frauen und Männern in Vollbeschäftigung verglichen. Aber es gibt zumindest einen kleinen Lichtblick: Mit dem 15. Februar ist der Equal Pay Day sechs Tage nach vorn gerutscht.

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Mehr Transparenz gefordert

Diesen kleinen Fortschritt führt der Verein allerdings darauf zurück, dass Frauen während der Pandemie eher ihr Arbeitspensum reduziert haben und es so rein rechnerisch zu einer Angleichung gekommen ist. Zudem sei unklar, inwiefern die Kurzarbeit in die Statistik eingeflossen sei.

Der Verein fordert daher in der Kampagne #transparenz dazu auf, durch „verbindliche Berichte und effektive Maßnahmen“ mehr Transparenz in die Einkommen der Mitarbeitenden zu bringen und so Unternehmen dazu zu bringen, „Löhne und Gehälter gerecht anzusetzen“.

Dass die bisherige Transparenz allein nicht reicht, zeigt eine aktuelle Studie. So müssen bereits seit 2014 Unternehmen ab 150 Mitarbeitenden Einkommensberichte erstellen, in welchen das durchschnittliche Einkommen in verschiedenen Verwendungsgruppen und Verwendungsgruppenjahren dargestellt wird. Diese Berichte müssen intern veröffentlicht werden. Somit sollte es zumindest in größeren Unternehmen ersichtlich sein, wer wie viel verdient.

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Transparenz nicht nur intern, sondern öffentlich

Wie Forschende der apa gegenüber allerdings angeben, sei diese Maßnahme bisher nicht wirklich erfolgreich. So hätten die Forschenden im Rahmen einer Studie Unternehmen mit mehr als 150 Mitarbeitenden mit kleineren und somit nicht zu den Einkommensberichten verpflichteten Unternehmen verglichen und keine Unterschiede in der Einkommensverteilung gefunden. So hätte die Forschenden in ihrer Studie weder eine Wirkung auf den Gender Pay Gap und individuelle Gehälter festgestellt, noch einen Einfluss des Wissens bei Lohn- Neuverhandlungen.
Der an der Ausarbeitung der Studie beteiligte österreichische Forschende und Juniorprofessor an der Universität Mannheim Andreas Gulyas schlägt daher daher einige Maßnahmen vor, welche die Lohntransparenz und damit die Wirkung von dieser erhöhen könnten. Zum einen sollten die Durchschnittsgehälter nicht nur mehr intern veröffentlicht werden, sondern auch extern publik gemacht werden. So könnten sich zum einen Frauen bereits vor Jobzusage an diesen orientieren, mögliche Arbeitgeber:innen besser vergleichen und die Informationen bei Gehaltsverhandlungen nutzen und zum anderem könnten die Firmen durch die Öffentlichkeit zu einer Anpassung bewegt werden.

Mehr Gleichheit bei Rahmenbedingungen

Als eine weitere Maßnahme schlägt der Forschende vor, Firmen zu zwingen, bei Gehaltsunterschieden zwischen Frauen und Männern zu reagieren. Denn bisher müsse eine Arbeitnehmerin bei festgestellten Missstand noch selbst aktiv werden. Allerdings zeige die Literatur, dass Frauen risikoaverser in Gehaltsverhandlungen seien und der Gehaltsunterschied derzeit groß und ungerechtfertigt genug sein müsse, damit Mitarbeiterinnen aktiv würden, so die Studie.

Zudem verweist der Forschende darauf, dass eine faire Aufteilung der Kinderbetreuung, mehr Kinderbetreuungseinrichtungen und finanzielle Anreize für Männer, in Karenz zu gehen eine Möglichkeit wären, mehr Gleichheit zu schaffen. Denn die Lohntransparenz sei „nicht die Politikmaßnahme, die alle Probleme aus der Welt schaffen kann“, so Gulyas.

Die Studie soll „in Bälde“ im „American Economic Journal: Economic Policy“ erscheinen.

Österreich und Deutschland europaweite Schlusslichter

Im Vergleich zu Deutschland, steht Österreich übrigens besser in Sachen Geschlechter-Gerechtigkeit da. Das letzte Mal wurde der Gender-Pay-Gap 2020 in Deutschland berechnet. Dort bekamen Frauen laut dem Statistischen Bundesamt 18 Prozent weniger je Stunde als Männer. Das ist fast ein Fünftel für die gleiche Arbeit.
In Folge dessen ist der Equal-Pay-Day auch deutlich später als in Österreich: Erst ab dem 07. März arbeiten Frauen in diesem Jahr in Deutschland für Geld. Davor arbeiteten sie in der Theorie umsonst. Damit sind Deutschland aber auch Österreich im europaweiten Vergleich Schlusslicht, so die Europäische Kommission. In Europa führend waren nach dem Ranking von 2019 Luxemburg, Rumänien und Italien mit einer Differenz von weniger als fünf Prozent.

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