Grüne Investments

ESG Plus: Startup bietet Nachhaltigkeits-Analyse für Vermögensberater:innen

ESG Plus Gründer Thomas Ebenstein (CTO) und Armand Colard (CEO) © M. Wiglinzki, ESG Plus
ESG Plus Gründer Thomas Ebenstein (CTO) und Armand Colard (CEO) © M. Wiglinzki, ESG Plus

Nachhaltige Investitionen in grüne Projekte sind für Unternehmen sowie Anleger:innen heute von großer Bedeutung, da sie dabei helfen, die eigenen CO2-Emissionen zu kompensieren. Sogenannte ESG-Investments („Environmental“ „Social“ und „Governance“) waren lange sehr populär. Doch in letzter Zeit sind sie massiv in die Kritik geraten. Denn wenn auf Aktien-Fonds ESG steht, bekommen Anleger:innen oft „mixed bags“ – also Aktientitel von Unternehmen, die eigentlich gar nicht grün und nachhaltig sind. Deswegen ist häufig der Vorwurf des Greenwashings aufgekommen, unter anderem beim Skandal rund um die DWS, die Fonds-Tochter der Deutsche Bank (wir berichteten).

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ESG Plus hilft beim Entlarven von Greenwashing

Doch es gibt auch Mittel, um die Greenwashing-Täuschungsmanöver vieler Fonds zu durchschauen. Eine davon bietet das im Herbst 2019 gestartete niederösterreichische Unternehmen ESG Plus. Dessen kostenlose Vergleichsplattform Cleanvest.org soll es Privatanleger:innen ermöglichen, Fonds umfassend auf ihre Nachhaltigkeit zu überprüfen. Nun folgt mit Cleanvest Pro ein neues Service, das speziell für die sich ändernden Bedürfnisse von Vermögensberater:innen entwickelt wurde.

Qualitativ hochwertige Daten zur Nachhaltigkeit von Anlageprodukten sind laut ESG Plus unabdingbar, um wirklich grün zu investieren. Ebenfalls ein wichtiger Faktor seien zahlreiche branchenspezifische Regulierungen, wie etwa die im August diesen Jahres aktualisierte MiFID II-Richtlinie. Diese schreibt vor, dass Vermögensberater:innen ihre Kund:innen fortan auch nach deren Nachhaltigkeitspräferenzen befragen müssen. Bei der Auswahl eines passenden Anlageprodukts fehle es den meisten Vermögensberater:innen jedoch oftmals an geeigneten Instrumenten, um diese effizient überprüfen und bewerten zu können.

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Cleanvest analysiert Nachhaltigkeits-Kriterien

„Viele Vermögensberater:innen sind nach wie vor auf oberflächliche Fonds-Factsheets und veraltete Programme angewiesen. Diese berücksichtigen weder die notwendige Datentiefe noch sind sie besonders anwenderfreundlich. Das erschwert die Kundenberatung“, sagt Armand Colard, CEO von ESG Plus. Mit Cleanvest Pro will ESG Plus nun genau diesem Problem entgegenwirken. Vermögensberater:innen erhalten über die Plattform Zugang zu einer umfassenden Fonds-Datenbank. Anhand von speziell entwickelten Nachhaltigkeits-Kriterien und flexibel anpassbaren ESG-Filtern können sie Fonds exakt nach den individuellen Bedürfnissen der Kund:innen identifizieren.

„Unsere Umfragen haben gezeigt, dass rund 80 Prozent der Kund:innen, die eigentlich gerne nachhaltig investieren wollen, dies derzeit nicht tun. Grund dafür ist in erster Linie der fehlende Informationsgrad zu den einzelnen Anlageprodukten. Mit Cleanvest Pro wissen sowohl Vermögensberater:innen als auch deren Kund:innen ab sofort genau, wie nachhaltig ein Fonds tatsächlich ist”, so Colard.

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Neue Funktion unterstützt Vermögensberater:innen

Cleanvest will auf die Problematik des Greenwashings bei ESG-Investments aufmerksam machen und diese gleichzeitig bekämpfen. Es gibt auch einige andere Lösungen, die dazu einen Beitrag leisten. „Greenwashing ist schon seit Langem ein Problem in der Finanzbranche, aber es war noch nie medial und regulatorisch so präsent wie jetzt. Das ist ein Effekt des gestiegenen Bewusstseins und vor allem weil die Blackbox der Finanzindustrie in Bezug auf ESG endlich aufgebrochen wurde. Dazu haben nicht zuletzt auch Plattformen wie Cleanvest, MeinFairMögen und FaireFonds sowie Kampagnen von NGOs beigetragen“, sagt Colard.

Den Kern der jeweiligen Fondsbewertung bei Cleanvest Pro bildet das etablierte Cleanvest-Rating, bestehend aus zehn für Privatinvestor:innen besonders relevanten Kriterien. Für die Gesamtbewertung eines Fonds werden alle enthaltenen Positionen einzeln anhand dieser Kriterien überprüft und mit einer Zahl zwischen 0 und 10 bewertet, wobei 10 den besten und 0 den schlechtesten Wert markiert. In Cleanvest Pro gibt es zudem weitere 26, für die Kund:innen individuell auswählbare, Kriterien. Dazu zählen sowohl positive Geschäftstätigkeiten wie Bildung und Gesundheit oder der Einsatz grüner Technologien, als auch negative Vorfalls- und Ausschlusskriterien wie etwa der Einsatz von Kinderarbeit, Diskriminierung von Frauen, Investments in fossile Energien oder die Produktion von Waffen.

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Grüne Investments oft nicht optimal

Cleanvest Pro berücksichtigt aktuell knapp 4.000 unterschiedliche Anlageprodukte. Dazu zählen unter anderem Aktienfonds, Anleihenfonds, Mischfonds oder auch ETFs. Für alle Vermögensberater:innen, die in den letzten 36 Monaten gegründet haben, sowie für all jene, die einen ausschließlichen Fokus auf nachhaltige Veranlagung setzen, bietet ESG Plus zudem einen 50-Prozent-Rabatt auf alle Cleanvest Pro-Pläne.

Colard will mit der Plattform die immer noch bestehenden Schwierigkeiten bei ESG-Investments bekämpfen. „ESG-Ratings sind immer noch großteils auf ‚Best-in-Class‘-Bewertungen aufgebaut und diese Art, Nachhaltigkeit zu bewerten, ist längst überholt. So kommen dann Ratings zustande, die Tesla (trotz einiger prekärer z.B. sozialer Missstände) schlechter stellen als ExxonMobile. Bei der Betrachtung der zugrunde liegenden Produkte (Öl & Gas vs. Elektromobilität) sollte dies keinesfalls das Ergebnis eines ESG-Ratings sein. Niemand empfindet das als plausibel. Hier geht das Verständnis von Nachhaltigkeit auf institutioneller Ebene wesentlich auseinander“, meint der CEO von ESG Plus.

Die beiden Anspruchsgruppen bei ESGs sind diejenigen, die Fonds managen und diejenigen, die sie kaufen. Diese beiden Gruppen sind Colard zufolge nicht optimal aufeinander eingestellt. Die Fondsindustrie höre lieber auf ihre institutionellen Kund:innen als auf ihre Retail-Kund:innen. Dazu komme, dass die neuen Regulierungen in der Anfangsphase zu einer starken Verunsicherung führen, weil die notwendigen Daten und IT-Systeme nicht ausreichend für diese neue Aufgabe verfügbar seien. Vermögensberater:innen können nicht sofort zu ESG-Expert:innen werden. Doch durch Cleanvest Pro sollen sie besser und zielgerichteter denn je auf die Wünsche und Werte der Kund:innen eingehen können.

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