DLD 2016

„Wenn nur wenige Firmen die Daten kontrollieren, können sie Mitbewerber aus dem Rennen drängen“

EU-Kommissarin Margrethe Vestager, zuständig für Wettbewerb und Digitales auf einer Konferenz 2016 © Jakob Steinschaden
EU-Kommissarin Margrethe Vestager, zuständig für Wettbewerb und Digitales auf einer Konferenz 2016 © Jakob Steinschaden

Die heute, Sonntag, in München gestartete DLD-Konferenz (veranstaltet von Hubert Burda Media) hat ihre elfte Ausgabemit einer Diskussion rund um Wettbewerb am digitalen Markt begonnen. “Wir brauchen Wettbewerb, nur so können wir garantieren, dass neue Produkte eine Chance bekommen”, hielt Margrethe Vestager, EU-Kommissarin für Wettbewerb, in ihrer Eröffnungsrede fest. “Ich habe keine Probleme mit Merger, aber sie dürfen dem Wettbewerb nicht schaden.” So hätte die EU-Kommission etwa die Übernahmen von DoubleClick (2007 durch Google um 3,1 Mrd. US-Dollar) oder WhatsApp (2014 um 19 Mrd. US-Dollar durch Facebook) genehmigt.

Vestager, die als Kommissarin für Wettbewerb direkt mit dem Wettbewerbsverfahren der EU gegen Google zu tun hat und dem Konzern bereits den Missbrauch seiner marktbeherrschenden Position am Search-Markt vorgeworfen hat, blieb bei ihrer DLD-Rede aber sehr unkonkret. Lediglich durch die Blume sagte sie, dass man Unternehmen, die mit den Daten von EU-Bürgern arbeiten, genau im Auge behalten werde. “Daten sind die Währung der digitalen Welt”, so Vestager. “Wenn nur einige wenige Firmen die Daten kontrollieren, können sie kleine Mitbewerber aus dem Rennen drängen.”

„Daten bedeuten nicht automatisch Macht“

Vor dem DLD-Publikum, das sich nicht nur aus europäischen Unternehmern, sondern auch aus solchen aus den USA zusammensetzt, wollte Vestager Big-Data-Firmen nicht verdammen. Zum einen könnten Unternehmen durch Datenanalysen bessere, schnellere und günstigere Services auf den Markt bringen, und zum anderen müsse man immer unterscheiden. “Daten bedeuten nicht automatisch Macht”, so die EU-Kommissarin. Daten seien nicht immer wertvoll, sondern würden oft auch schnell veralten und würden nicht immer von den Firmen selbst gesammelt werden, sondern auch zugekauft werden können. Wichtig sei jedenfalls, so betonte sie, den Wettbewerb aufrecht zu erhalten, ansonsten würden den europäischen Konsumenten höherer Preise, weniger Qualität und weniger Auswahl drohen – das werde man verhindern.

Google-Gegner Jeremy Stoppelman, CEO von Yelp. © Jakob Steinschaden
Google-Gegner Jeremy Stoppelman, CEO von Yelp. © Jakob Steinschaden

Welche Firmen in der Diskussion um Big Data und Wettbewerb manchen Konkurrenten ein Dorn im Auge sind, das sprachen anschließend Internetunternehmer aus – allen voran Yelp-CEO Jeremy Stoppelman. “Google ist speziell in Europa extrem dominant. Google hat entschieden, weiter zu wachsen und immer mehr Bereiche zu dominieren. Vor eineinhalb Jahren haben sie uns den Hahn abgedreht, und deswegen haben wir aufgehört zu wachsen”, so Stoppelman.

“Google zahlt Milliarden dafür, dass sie überall als Suchmaschine voreingestellt werden”, so Stoppelman weiter. Auch die Bündelung des dominanten mobilen Betriebssystem Android mit Google-eigenen Apps hält er für sehr problematisch, weil Konsumenten so weniger wahrscheinlich bei Alternativen (z.B. Yelp für Lokalsuche) landen würden.  “Wenn Google oder Facebook eines Tages alle Daten haben, dann wäre das nicht gut für Start-ups”, gab auch Oliver Samwer, Chef von Rocket Internet, zu bedenken.

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