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„Fassungslos“: UEFA übt heftige Kritik an FIFA-Entscheid zu roter Karte

Rote Karte. © eustella
Rote Karte. © eustella

Die Aufhebung der Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun durch die FIFA zieht immer weitere Kreise. Nach dem belgischen Fußballverband hat sich nun auch die UEFA zu Wort gemeldet – mit ungewöhnlich deutlichen Worten. Der europäische Kontinentalverband erklärte in einem Statement, die Entscheidung habe „eine rote Linie überschritten“. Die UEFA zeigte sich „fassungslos angesichts einer solch beispiellosen, unverständlichen und ungerechtfertigten Entscheidung“.

Worum es geht

Die FIFA hatte am Sonntag überraschend die Sperre Baloguns ausgesetzt. Der 25-Jährige war im Sechzehntelfinale beim 2:0-Sieg der USA gegen Bosnien-Herzegowina nach einem Tritt auf die Ferse von Tarik Muharemovic mit Rot vom Platz gestellt worden. Normalerweise zieht ein Platzverweis eine automatische Sperre für mindestens ein Spiel nach sich. Die FIFA setzte die Sanktion jedoch unter Berufung auf Artikel 27 ihres Disziplinarreglements für ein Jahr zur Bewährung aus. Damit darf Balogun am Dienstag im Achtelfinale gegen Belgien auflaufen.

Für zusätzliche Brisanz sorgen Medienberichte von „The Athletic“ und der Nachrichtenagentur AP, wonach US-Präsident Donald Trump persönlich bei FIFA-Präsident Gianni Infantino interveniert haben soll. Weder die FIFA noch das Weiße Haus haben sich dazu bislang geäußert. Trump bedankte sich auf Truth Social bei der FIFA für die Korrektur einer aus seiner Sicht „großen Ungerechtigkeit“.

UEFA: Keine Ermessensentscheidung

In ihrer Stellungnahme argumentiert die UEFA, dass Regeln zwar mitunter Interpretationsspielraum ließen – in diesem Fall jedoch nicht. Eine automatische Mindestsperre von einem Spiel nach einer roten Karte sei keine Ermessensentscheidung und erfordere keinen Beschluss eines zuständigen Gremiums. Es handle sich um einen in den Reglementen verankerten Grundsatz, der keine Ausnahmen zulasse – schon gar nicht mitten in einem Turnier, in dem mehrere andere Spieler in derselben Situation ihre Sperren ordnungsgemäß verbüßt hätten.

Der Verband warnt zudem vor den Folgen: Wenn die Einhaltung der Spielregeln nicht länger von ihren Hütern gewährleistet werde, stehe die Integrität des Fußballs auf dem Spiel und die Glaubwürdigkeit des Wettbewerbs werde untergraben. Die Entscheidung schaffe außerdem einen Präzedenzfall im laufenden Turnier: Ähnliche Situationen würden nun eine Gleichbehandlung erfordern – auf Kosten des Wettbewerbs. Der Fußball genieße weltweit Vertrauen, weil er überall nach denselben Regeln gespielt werde, so die UEFA. Eine Weltmeisterschaft sei nie ein reines Einzelereignis, sondern könne positive oder negative Auswirkungen auf den Sport als Ganzes haben.

Die UEFA stellt sich damit inhaltlich hinter die Position des belgischen Verbands, der bereits angekündigt hatte, alle rechtlichen Optionen zu prüfen. Die Belgier verweisen auf Artikel 66.4 des FIFA-Disziplinarreglements und Artikel 10.5 des Turnierreglements, die eine automatische Sperre nach einer roten Karte vorsehen.

UEFA und FIFA: Wer ist wofür zuständig?

Die FIFA (Fédération Internationale de Football Association) mit Sitz in Zürich ist der Weltfußballverband. Sie umfasst mehr als 200 nationale Verbände und ist für globale Wettbewerbe zuständig – allen voran die Weltmeisterschaft, bei der sie auch die Disziplinargerichtsbarkeit ausübt. FIFA-Präsident ist Gianni Infantino.

Die UEFA (Union of European Football Associations) mit Sitz in Nyon ist einer von sechs Kontinentalverbänden unter dem Dach der FIFA und vertritt die europäischen Nationalverbände. Sie organisiert eigene Wettbewerbe wie die Europameisterschaft, die Champions League und die Europa League. Bei der Weltmeisterschaft hat die UEFA keine Entscheidungsgewalt – ihre Mitgliedsverbände, darunter Belgien, nehmen aber als Teilnehmer am Turnier teil. Ihre Stellungnahme hat daher keinen rechtlich bindenden Charakter, ist aber politisch von erheblichem Gewicht: Dass sich der mächtigste Kontinentalverband öffentlich und in dieser Schärfe gegen eine Entscheidung der FIFA stellt, ist höchst ungewöhnlich.

Wie es weitergeht

Sportlich profitieren die USA: Trainer Mauricio Pochettino, der den Platzverweis von Beginn an als überzogen kritisiert hatte, kann gegen Belgien auf seine Bestbesetzung zurückgreifen. Ob der Fall damit abgeschlossen ist, bleibt offen. Sollte Belgien tatsächlich rechtliche Schritte einleiten, könnte die Causa Balogun das Turnier noch länger beschäftigen – und die Frage aufwerfen, wie unabhängig die FIFA-Disziplinargerichtsbarkeit bei dieser Heim-WM des US-Präsidenten agiert.

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