Regulatorik

Flinn Comply: Startup ehemaliger N26-Mitarbeiter holt 1,8 Mio. Euro Pre-Seed

Markus, Bastian und Hasib von Flinn Comply. © Flinn Comply
Markus, Bastian und Hasib von Flinn Comply. © Flinn Comply

Die EU hat 2020 mit der Medizinprodukteverordnung (Medical Device Regulation, MDR) die Latte ordentlich hoch gelegt. Jahrzehnte alte Regeln für Medizinprodukte wurden um strengere Regeln erneuert, damit Skandale wie jener von PIP (Poly Implant Prothèse; es wurden Brustimplantate aus billigem Industrie-Silikon verkauft) sich nicht wiederholen können. Das Bittere auch für Startups: Weil Software wie Apps auch darunter fällt, ist es heute schwieriger, langwieriger und letztendlich teurer, MedTech-Produkte auf den Markt bringen zu können.

Und genau deswegen hat sich das neue Startup Flinn Comply formiert. Das große Ziel: Compliance-Prozesse für Medizintechnik-Hersteller zu automatisieren. Gestartet wurde die Jungfirma erst Anfang des Jahres von Markus Müller, Bastian Rüther und Hasib Samad. Ihr gemeinsamer Nenner ist eigentlich die Neobank N26, bei der alle drei arbeiteten. Müller und Rüther haben außerdem gemeinsam bereits vor etwa zehn Jahren ihr erstes Unternehmen (Restaurant Viereck) gegründet. Rüther war dann auch beim steirischen MedTech Carbomed (bekannt für seine beiden Töchter breathe ilo und Lumetry Diagnostics), hat dort aber seine operative Rolle zurückgelegt, um sich fortan im Stealth-Modus um Flinn Comply zu kümmern.

MDR mit hohem Aufwand verbunden

Mit Samad, früher Head of Mobile Development bei N26, haben sie den Dritten im Bunde gefunden. Nun also MedTech. Als SaaS-Anbieter will man den Kund:innen – vor allem Mittelständlern in Europa – dabei helfen, die schwierigen MDR-Vorgaben mit Hilfe einer Software fürs Qualitätsmanagement für regulatorische Angelegenheiten besser erfüllen zu können. „Viele einschlägige Unternehmen sind nicht in der Lage, genügend qualifizierte Mitarbeiter:innen einzustellen, um den Mehraufwand zu kompensieren, so dass sie gezwungen sind, hochrelevante, aber weniger profitable Nischenprodukte wie z.B. Herzschrittmacher für Kinder zu streichen, oder sich aus weniger rentablen Märkten zurückzuziehen, was insbesondere die medizinische Versorgung in Entwicklungsländern herausfordert“, heißt es aus dem Wiener Startup.

Auch Investor:innen sehen darin ein gutes Zukunftsgeschäft. Deswegen konnte das Startup eine ordentlich große Pre-Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 1,8 Mio. Euro abgeschlossen, angeführt von Speedinvest (erst vergangene Woche mit einem neuen Startup-Fonds von 500 Millionen Euro an die Öffentlichkeit gegangen) aus Wien und dem Berliner Frühphasen-Investor SquareOne (zuvor Paua Ventures). Laut Rüther hätte man so nun gut zwei Jahre Runway, um das Produkt in dem hochregulierten Medizintechnikmarkt ordentlich aufbauen zu können.

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Neuzugang in der „N26 Mafia“

Produktseitig will sich das Startup zuerst auf die KI-gestützte Automatisierung der wichtigsten Teile der Datenerfassung, -auswertung und -berichterstattung fokussieren. Im weiteren Verlauf ist geplant, dass über die Software-Plattform Unternehmen alles rund um ihre Medizinprodukte im Zusammenhang mit regulatorischen Anforderungen abwickeln können sollen.

Dass Flinn Comply eine derart große Pre-Seed-Runde in aktuell eher schwierigen Fundraising-Zeiten holen konnte, hat durchaus damit zu tun, dass die drei erfahrene Ex-Mitarbeiter:innen eines stark skalierenden Unternehmens (N26) waren. Ihnen wird zugetraut, dass sie ihr Startup zum Erfolg führen können. Flinn Comply ist nicht das einzige Startup ehemaliger N26-Mitarbeiter:innen. N26 gehört zu jenen Tech-Unicorns in Europa, aus dem die meisten anderen neuen Startups hervor gegangen sind – weswegen manche auch von einer „N26-Mafia“ sprechen.

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