Studie

Grüne Aktienfonds in Österreich nachhaltiger als in Deutschland

Armand Colard (ESG Plus) und Josef Obergantschnig (Ethico) © ESG Plus / Ethico
Armand Colard (ESG Plus) und Josef Obergantschnig (Ethico) © ESG Plus / Ethico

Aktienfonds, die sich als nachhaltig ausgeben, können bei genauerer Betrachtung eine große Enttäuschung sein. Ein internationales Medienprojekt hat ermittelt, dass die Hälfte der scheinbar nachhaltigsten internationalen Fonds („Dark Green“) immer noch in fossile Energien investiert (wir berichteten). Auch in Österreich sind bei Weitem nicht alle Aktienfonds klimafreundlich. Allerdings sind sie im Durchschnitt nachhaltiger als die in Deutschland. Das zeigt eine neue Studie von ESG Plus, Obergantschnig Financial Strategies und Ethico.

Hälfte der „grünsten“ Fonds steckt immer noch Geld in Öl & Gas

Umweltzeichen echter Garant für Nachhaltigkeit

Knapp 2.000 österreichische und deutsche Aktienfonds hat ESG Plus mit seiner Analyseplattform Cleanvest Pro untersucht. Die zentrale Frage lautete, ob nachhaltige Fonds gemäß SFDR (EU-Offenlegungsverordnung) wirklich nachhaltiger sind als konventionelle Fonds. Aktienfonds, die nach dem Österreichischen Umweltzeichen zertifiziert sind, wurden ebenfalls berücksichtigt. Die Studie zeigt, dass die 39 Fonds, die das Österreichische Umweltzeichen tragen, die höchste Nachhaltigkeitsgüte aufweisen. Das Umweltzeichen ist demnach ein echter Garant für Klimafreundlichkeit.

Die 323 untersuchten Fonds, die nach dem Artikel 9 der SFDR (Dark Green) deklariert sind, haben höhere Nachhaltigkeitswerte als die 775 Artikel 8-Fonds („hellgrün“) und diese wiederum eine höhere Nachhaltigkeitsgüte als konventionelle Fonds (Artikel 6). Genau die nachhaltigsten Dark Green-Aktienfonds haben sich jedoch kürzlich als teilweise irreführend herausgestellt. Bei genauerer Betrachtung stellte sich auch in der neuen Studie heraus, dass die Spannweite der Nachhaltigkeitswerte von hellgrünen Fonds höher ist als bei konventionellen Fonds.

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„Hellgrüne“ Aktienfonds teils wenig klimafreundlich

„Das bedeutet, dass Privatanleger:innen die reine Einstufung als hellgrünen Artikel 8-Fonds nicht als ‚Qualitäts-Label‘ sehen sollten, da dies keinerlei Rückschlüsse auf die Nachhaltigkeitsgüte zulässt“, sagt Armand Colard, CEO von ESG Plus. Viel verlässlicher sei dagegen das Umweltzeichen. Ein weiteres Ergebnis der Analyse ist, dass Österreich bei nachhaltigen Aktienfonds vor Deutschland liegt.

Der direkte Ländervergleich zeigt, dass Fonds, die von einer österreichischen Kapitalanlagegesellschaft (KAG) verwaltet werden, eine höhere Nachhaltigkeitsgüte (6,7 auf der Cleanvest-Skala von 0 bis 10) als Fonds von deutschen Asset-Managern (6,2) aufweisen. Auch die Spannweite der Nachhaltigkeitswerte ist in Österreich geringer als in Deutschland. Das gilt als ein weiteres Zeichen für eine höhere Nachhaltigkeitsqualität österreichischer Fonds. „Nachhaltige Fonds haben in Österreich seit den frühen 2000er Jahren eine lange Geschichte, dies zeigt sich auch deutlich im Ländervergleich mit Deutschland“, so Colard.

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Aufholbedarf bei Gleichstellung von Frauen

Insgesamt 16 Kriterien hat ESG Plus zur Bewertung der Unternehmensaktien berücksichtigt und in 10 Hauptkriterien, fünf Umwelt- und fünf Sozialkriterien, zusammengefasst. Die Kriterien, welche die besten Ergebnisse unter den nachhaltigen Fonds erzielen, sind die Themen „Frei von Waffen“, „Frei von Atomenergie“, „Frei von Kohle“ und „Artenschutz“. Die Kriterien mit den schlechtesten Ergebnissen unter den nachhaltigen Fonds lauten: „Indigene Rechte“, „Gleichstellung von Frauen“ und „Bildung & Gesundheit“. Im Mittelfeld rangieren die Kriterien „Grüne Technologien“, Frei von Öl & Gas“ und „Frei von Kinderarbeit“.

„Die Nachhaltigkeitsstrategien der Fonds haben in den Bereichen Gleichstellung von Frauen und Schutz indigener Rechte den größten Aufholbedarf. Im Falle der indigenen Rechte ist das vor allem ein Lieferketten-Problem“, erklärt Armand Colard. „Derzeit liegt der Fokus der Fonds eher auf Ausschlusskriterien wie Waffen, Atomenergie und fossilen Investitionen. Die Fonds sollten sich in Zukunft noch stärker mit Geschäftsfeldern mit positiver Wirkung wie Bildung und Gesundheit beschäftigen“, so Josef Obergantschnig von Ethico.

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