Interview

Hidden Champion Bitkern: Mit Bitcoin-Mining in Richtung 30 Mio. Euro Umsatz

Nadvoitsy, Republic of Karelia, Russia. © Bitkern

Man trifft sie immer wieder, die versteckten Champions aus Österreich, die unbemerkt vom Heimatmarkt weltweit großes Business aufziehen. Einer davon ist Bitkern. Gegründet 2017, inmitten des ersten großen Krypto-Hypes, ist die Bitkern Group von Founder und CEO Stefan Kern zu einem Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz und Mining-Standorten auf vier Kontinenten gewachsen.

Die Vorbereitungen auf das entscheidende Jahr 2024 laufen bei Bitkern schon seit einem Jahr – denn da steht das Halving an, quasi der höchste Feiertag der Bitcoin-Welt. Im Interview gibt Kern Einblicke in sein Mining-Business, die Sache mit dem grünen Strom, in die Vorbereitungen auf das Halving, und warum Blackrock und Vaguard schon längst im Bitcoin-Business drin stecken.

Trending Topics: Den Mondsee kenne ich als wunderschöne Urlaubsregion. Wie kommt man dort auf die Idee, Bitcoin-Mining zu machen?

Stefan Kern: Ich persönlich habe ja zehn Jahre in der Elektrotechnik arbeiten dürfen, in der Automatisierungstechnik, in der Chemie. Ich habe auch zehn Jahre in der Finanzbranche gearbeitet und wie das Leben so will, gibt es immer wieder so Zeitpunkte, wo man sich verändern will. Da habe ich auch das Thema Mining-Kryptowährungen entdeckt. Ich habe dann gesehen, dass es sehr wenige Anbieter im Markt gibt, die das Ganze seriös machen und habe mich dann auch dazu entschieden, 2017 die Firma Bitkern zu gründen. Zuerst in Salzburg, später sind wir dann in der Region Mondsee übersiedelt.

2017 war der erste große Krypto-Bullrun. War das ausschlaggebend?

Ja, das hat natürlich mitgespielt. Es war populär, es war in aller Munde, es hat sehr viele gegeben, die das Ganze damals auch begonnen haben. Viele dieser Marktteilnehmer, die gibt es auch nicht mehr. Ich persönlich habe die ersten Mining-Rigs, damals für Ethereum, im Wohnzimmer zusammengebaut. Dann haben Freunde gesagt, das ist toll, sie wollen hier mitmachen und dann haben wir uns auf die Suche nach dem ersten Wasserkraftwerk gemacht in Österreich, haben uns dort eingemietet und ja, so ist die Reise hat dann so begonnen.

Damals also mit Ethereum, aber heute seid ihr glaube ich Bitcoin-only, oder?

Heute sind es alle möglichen Kryptowährungen, meistens mit ASIC-Mining-Hardware, also spezialisierte Hardware auf diverse Algorithmen. Wir machen das nahezu weltweit eigentlich auf vier Kontinenten mittlerweile, zehntausende Geräte, was wir hier auch für unsere Kunden betreiben. Ethereum nicht mehr, die sind ja auch zum Proof-of-Stake-Konsensus übergegangen, aber zum Beispiel Litecoin, Dogecoin, Zcash, Dash, um einige zu nennen, neben Bitcoin.

Anfang 2017 gab es natürlich noch andere Startups, die ins Mining eingestiegen sind, die sind wieder verschwunden. Was ist das Besondere daran, dass es euch heute noch gibt?

Jeder, der hier einsteigt, der betritt eine Welt, wo er eigentlich nicht weiß, was auf einen zukommt und es gibt auch keinen, der Erfahrung hat in diesem Segment. Es gibt keine Ausbildung in diesem Bereich. Also man muss sich sehr viel selbst beibringen. Man muss unternehmerische Skills haben, seine Hausaufgaben machen. Wie in jeder Industrie geht es mal nach oben, geht es nach unten. Und ja, die die Spreu trennt sich vom Weizen immer dann, wenn es mal nicht so gut läuft. Wir hatten mal Zeiten, wo wir kurzfristig nicht wussten, wie es weitergeht, weil sich einfach die Rahmenbedingungen verändert haben von unserem Geschäftsmodell. Wir mussten flexibel sein. Wir haben neue Geschäftsmodelle gegründet, haben die alten quersubventioniert. Wir haben immer unsere Kunden bedient, auch wenn es sein muss durch ein anderes Geschäftsmodell.

Was habt ihr anders gemacht?

Ich denke, wir waren nicht, ich sage mal, so mediengeil. Wir mussten nicht unbedingt in die Öffentlichkeit. Wir haben uns auf unsere Arbeit konzentriert. Es hat damals einige gegeben, die sind von einem Medium zum anderen gehüpft. Wir haben uns auf uns konzentriert. Das Unternehmen ist organisch gewachsen. Wir hatten nie einen Kapitalgeber. Alles ist organisch und von uns geführt und immer noch in eigener Hand. Und das macht es natürlich auch charmant. Es ist auf der einen Seite natürlich eine Herausforderung, weil es ist sehr kapitalintensiv, gerade im Bitcoin-Mining. Wenn man Infrastruktur ausbaut, braucht man gleich mal ein paar Millionen. Wenn man Hardware anschafft, dann muss man schon fast sagen, was sind ein paar Millionen. Es ist sehr kostspielig und von dem her haben wir versucht, hier auch als Dienstleister unseren Weg zu gehen. Man kann durchaus sagen, erfolgreich. Wir sind immer noch hier. Wir haben einen weltweiten Footprint und versuchen, unsere Expertise einfach jetzt auch für Dritte zugänglich zu machen.

Mining-Hardware ist sehr, sehr teuer. Die muss man auch um den Globus schiffen, vor allem, wenn ihr auf vier Kontinenten unterwegs seid. Es braucht also viel Upfront-Investment. Wie stemmt ihr solche Beträge?

In unserer Industrie geht eigentlich nichts, ohne Upfront zu zahlen. Unsere Kunden müssen vorauszahlen. Wir müssen vorauszahlen. Hier muss man einfach gutes Timing haben, alles sehr gut organisieren. Unsere Hauptdienstleistung ist, dass wir Mining-Hardware verkaufen und diese dann an unterschiedlichen Standorten betreiben. Unsere Kunden sind vorwiegend institutionelle Investoren, größere Family Offices und weniger der Retail-Kunde. Wir strukturieren hier ihr Exposure  im Mining. Einfach alles rund um das Thema Mining, den Standort zu finden mit überschüssiger Energie, den Ausbau sowie auch den weiteren Betrieb, die Beschaffung der Hardware von A bis Z.

Hängen die Mining Rigs überall weltweit an Wasserkraftwerken oder wie läuft das?

Das ist sehr unterschiedlich. Also in Österreich haben wir bei mehreren Wasserkraftwerken begonnen. Dann hat sich 2018 der Markt gedreht, die Strompreise haben angezogen, die Krypto-Kurse sind nach unten gegangen, dann war es nicht mehr so attraktiv. Da haben wir 2018 den Weg nach Schweden gesucht. 2019 war dann eigentlich der Sprung in die USA. Anfang 2019 haben dort eine IT-Firma gegründet, haben Leute rübergeschickt und haben die ersten Mining-Farms selbst betrieben. Der Energiemix ist total unterschiedlich. In der USA ist der Renewable Mix ist in der Regel zwischen 50 und 70 Prozent. Schweden, Finnland sind gute Standorte, Island, da ist man meistens bei 100 Prozent Hydro, in Finnland ist auch ein bisschen Nuclear dabei. In Südamerika findet man auch viel Hydro, etwa in Venezuela oder Paraguay. Russland ist ganz stark neben der USA auch in diesem Bereich tätig und die haben auch sehr viel Hydro. Gerade auch in Sibirien sind einige der größten Wasserkraftwerke.

Ihr sucht schon gezielt nach Renewables?

Also man muss sagen, dass unsere Industrie ökonomisch getrieben ist. Wir gehen dorthin, wo Energie vorhanden ist und nicht gebraucht wird oder Abfall entsorgt wird. Das heißt, wir nehmen sie keinem weg. Wir treiben auch den Strompreis nicht in die Höhe, sogar im Gegenteil. Bitcoin-Miler sorgen dafür, dass das Netz stabil ist. Dadurch, dass wir Stranded Energy abnehmen von den Utilities, wird ja auch der Strompreis dann wieder günstiger für die Masse. Zudem helfen wir den Netzbetreibern beim sogenannten Curtailment, das heißt beim Stabilisieren des Netzes.

Wenn mal ein Peak ist, schalten wir ab. Bitcoin-Miner sind, wenn man das Ganze wirklich holistisch und ganzheitlich betrachtet, eigentlich eine tolle Sache, vor allem für die Allgemeinbevölkerung. Und es ist eben nicht so, dass wir schlecht für die Umwelt sind. Wir sind genau da, um Energie nutzbar zu machen, die irgendwo, zum Beispiel ganz im Norden von Norwegen, nicht nutzbar gemacht werden kann. Wir schaffen dort auch Arbeitsplätze, und wir transferieren die Energie in digitale Werte und machen die Energie dann sozusagen auch nutzbar und wertbar.

Also das klingt danach, dass ihr eigentlich eher mit Überschussenergie arbeitet und nicht dort, wo Energie knapp ist, weil dort wäre sie wahrscheinlich zu teuer?

Wir müssen dorthin schauen, wo die Energie günstig ist. Das ist oft auch bei erneuerbaren Energien nicht immer so, aber der Fokus geht dorthin. Unsere Geschäftspartner und Kunden, die wollen natürlich auch in diese Richtung gehen und somit ist auch unser Fokus dort. Die ökonomischen Kennzahlen müssen hier eben mitspielen, weil die sind eigentlich ausschlaggebend.

Nadvoitsy, Republic of Karelia, Russia. © Bitkern
Nadvoitsy, Republic of Karelia, Russia. © Bitkern

Es gibt immer noch heftige Kritik an Bitcoin, dass es Energieverschwendung wäre. Was sagst du den Kritikern?

Naja, wie schon gesagt, die Energie ist da. Da geht es ja auch darum, dass man etwas für die Gesellschaft macht. Wir unterstützen eigentlich das Stromnetz. Eigentlich sorgen wir dafür, dass der Strom für die Masse günstiger wird. Dadurch stabilisieren wird das Netz. Wir können Energien nutzbar machen, wo sie nicht abtransportiert werden können. Wenn es um die Transformation geht, hin zu erneuerbaren Energiequellen, ist eigentlich Bitcoin-Mining das fehlende Puzzleteil. Nehmen wir mal einen Solarpark in Texas. Da scheint die Sonne, es ist schön warm. Da hat man immer einen Peak und das muss ja auch das Netz abnehmen können. Das kann es aber oft nicht. Das heißt, diese gesamte Fläche bzw. die Energiekapazität kann schwer nutzbar gemacht werden. Da kommen dann Bitcoin-Miner ins Spiel. Wir können Peaks abnehmen und die Infrastruktur und das Investment in diese erneuerbaren Energiequellen refinanzieren. Das muss sich ja auch alles irgendwie abbezahlen.

Ich habe da verschiedenste Zahlen zum Anteil von erneuerbarer Energie im Bitcoin Netzwerk gefunden. Manche sagen 30%, manche sagen mehr als 50%, manche sagen 70%. Die Zahlen gehen ja dann doch stark auseinander.

Wir sind jetzt so um die 60% plus, was Bitcoin-Mining als ganzes erneuerbare Energiequellen verwendet. Wenn man mal einen Vergleich anstellt weltweit mit anderen Industrien, sind wir, denke ich, weit vorne. Auch die E-Autos werden überwiegend mit fossilen Brennstoffen getankt, wenn man das mal so sieht. Von dem her sind wir eigentlich sehr grün unterwegs. Das verändert sich stetig, aber mit dem damaligen Bann in China hat sich das eigentlich sehr zu Gunsten für Bitcoin-Mining verschoben.

Wo sitzen heute die meisten Bitcoin-Miner?

Der Schwerpunkt ist aktuell ganz klar in der USA. Dennoch denken sehr viele große Bitcoin-Miner immer wieder über Diversifikation nach. Einige gelistete Miner sind jetzt auch nach Südamerika gegangen. Dann wird auch Nordeuropa wieder interessanter. Auch der Mittlere Osten ist sehr, sehr stark am Kommen und sogar der afrikanische Kontinent ist sehr aufstrebend. Die Bitcoin-Mining-Branche generell sucht eigentlich nach günstigen Energiequellen, Überschüssen und wir helfen dann sozusagen auch, dass die Infrastruktur auch am afrikanischen Kontinent finanzierbar ist.

Die Miner sorgen ja für die Dezentralität. Wie ist der Status Quo, Wie dezentral ist das Bitcoin-Netzwerk? Wie viel Prozent Hashrate habt ihr zum Beispiel?

Das Netzwerk ist immens groß. Die Dezentralität wird immer ein Thema sein, weil darauf baut das ganze Konstrukt Bitcoin und die Blockchain. Aktuell kann man eigentlich sagen: Es ist schon ein sehr großer prozentueller Anteil immer noch unter der Kontrolle von chinesischen Pool-Anbietern. Wenn man die größten Pools zusammenzählt, wie Ant-Pool, F2-Pool, VIABTC, um ein paar zu nennen, die haben eigentlich ihren Ursprung in China. Jetzt gibt es dann auch den ein oder anderen großen amerikanischen Pool, die eigentlich sehr großen Anteil haben. Im Endeffekt kontrollieren die Pools. Weil auch wenn ich tausend Geräte habe, kann ich kein Solo-Miner sein. Das Netzwerk ist so groß, dass man sich mit anderen in einen sogenannten Mining-Pool zusammen schließen muss.

Wir haben zwischen 0,1 und 1% Marktanteil. Das ist eigentlich gar nicht wenig. Wir haben jetzt einen sehr, sehr interessanten Kunden gewonnen, mit dem wir in 2024 gut rein starten werden. Das Ziel dieses Kunden ist, der größte Dogecoin-Miner der Welt zu sein. Mit Februar, März betreiben wir schon einige tausend Geräte dieses Partners und streben hier auch eine tolle Kollaboration für nächstes Jahr an.

Viele sagen, Dogecoin ist eine Spaß-Währung. Was hältst du davon?

Kann man absolut so sehen. Im Endeffekt macht das der Markt. Der Markt legitimiert eine Währung und gibt ihr den Wert. Und wenn der Markt da ist und Leute diese Währung toll finden und diese digitalen Werte positiv bewerten, dann hat das auch seine Berechtigung. So sehe ich das dann auch.

Es ist einfach Business für dich, und was andere mit Dogecoin tun oder nicht, was Elon Musk davon hält oder nicht, ist dir am Ende egal?

Naja, wenn Elon Musk positiv twittert, dann hat das natürlich einen Impact und natürlich auch auf uns. Als Dienstleister ist es uns egal, aber wenn es nach oben geht, partizipieren wir natürlich auch.

Wie funktioniert euer Business-Modell?

Wir sind Dienstleister. Am Anfang haben wir viel Eigen-Mining betrieben, das machen wir nicht mehr. Wir haben einfach unsere Expertise. Wir wissen, wo wir die Anlagen wie aufbauen und betreiben und geben das Ganze dann an Dritte weiter. Wir suchen auch Synergien. Ein anderer hat das Kapital, will rein, hat aber nicht die Expertise. Da kommen wir ins Spiel, haben auch schon das eine oder andere Joint Venture gemacht. Wir partizipieren am Verkauf der Hardware, wir partizipieren an Service-Endgelten monatlich fürs Hosting. Ein ganz gerades Geschäft. Wir haben natürlich auch die ein oder anderen Miner selbst, die wir an mehreren Standorten betreiben und diese teilweise exchangen wir natürlich dann auf Börsen. Wir müssen ja dann auch den einen oder anderen Teil der Stromkosten bezahlen, aber einen Großteil der Kryptowährungen, die halten wir dann auch längerfristig.

© Bitkern

Euer Business-Modell ist also nicht eins zu eins abhängig vom Bitcoin-Kurs, sondern ihr seid ein IT-Dienstleister wie Amazon Web Services auch ein Dienstleister ist für Cloud.

Das ist richtig. Deswegen brauchen wir auch keine Lizenz. Wir kommen auch nicht zu den geschürften Assets der Kunden. Der Kunde mined auf seinem Pool und die Coins kommen dann auf seine Wallet. Wir sind reine IT-Dienstleister. Wir verkaufen und handeln Hardware. Wir betreiben Mining-Farms. Wir hosten Geräte. Aber der Wertschöpfungsprozess selbst und die digitalen Assets, die sind immer in Reichweite des Kunden. Wir haben hier keinen Zugriff. Das war nicht immer so. Wir hatten andere Geschäftsmodelle. Das hat sich über die Jahre so hinentwickelt. Aber ein gerades Geschäft zu machen als klassischer Dienstleister ist auch nicht unbedingt schlecht.

Kannst du uns ein bisschen Einblicke geben: Wie viele Mitarbeiter habt ihr? Wie viel Umsatz macht ihr?

Wir sind knapp 20 Leute verteilt in Europa und den USA. Wir haben den Hauptsitz in der Schweiz, Niederlassungen in Österreich, auch in den USA. Vom Umsatz her, sieht es eigentlich ganz gut aus, dass wir nächstes Jahr einmal mindestens 30 Millionen machen. Wir wollen natürlich in Richtung 100 Millionen gehen. Man muss ja sportlich ambitioniert sein, und wenn der Markt mitmacht und die ETFs mitmachen und das Bitcoin-Halving, dann bin ich sehr zuversichtlich.

Ein ziemlicher Hidden Champion, oder?

Ja, die Margen sind auch sehr gering, muss ich sagen. Wir müssen es über die Masse machen. Aber im Endeffekt, man kann sich mal nicht beschweren, uns geht es gut. Wir wollen natürlich weiter wachsen, wollen natürlich gerade als mitteleuropäisches Unternehmen mit unserer Servicequalität, Genauigkeit weltweit punkten, und haben einige Projekte und Kampagnen in Planung. Und das nächste Jahr soll eigentlich wieder mal einen Schritt nach vorne gehen.

In den letzten Jahren hatte die Bitcoin-Mining-Industrie schwierige Zeiten. Es war ein Kryptowinter, gab einige Pleiten, Konsolidierung, der eine hat den anderen gekauft. Wie hast du diese Phase gesehen?

Das Ganze fängt an, wenn der Markt nach oben geht. Dann ist es nämlich ziemlich egal, ob ich in Österreich mine oder in den USA oder in Paraguay, weil ich mache genug Rendite. Wenn dann Leute mit weniger Erfahrung in den Markt kommen, die machen sich keine Gedanken, wenn mal die Sonne nicht mehr scheint im Krypto-Markt. Bei diesen großen Pleiten, etwa Core Scientific oder Compute North, die haben einen klassischen Fehler gemacht. Wenn du mich fragst, die waren zu gierig. Die haben Fix-Hosting-Preise verkauft, haben aber den Einkaufspreis in Spot gekauft, weil er günstiger war. Wollten ihn nicht hedgen, weil es teurer war. Das sind klassische Fehler. Ich hoffe, dass die Branche ein bisschen erwachsener wird. Man muss ganz klar seine Hausaufgaben machen.

Das wird auch jetzt wieder passieren. Das kann ich schon voraussagen. Das war die letzten zwei Zyklen, so jetzt kommt der dritte, wo wir dabei sind. Wenn Bitcoin wieder hochgeht auf 150.000, 200.000, meiner Meinung nach, dann werden wieder viele reinkommen, werden nicht ihre Hausaufgaben machen, werden total überteuert Verträge abschließen, wenn es ums Hosting, um die Hardware geht. Dass sie nie den Return-on-Investment erreichen, ist dann vom Einstiegszeitpunkt an eigentlich schon besiegelt. Das ist so wie am Aktienmarkt. Man kennt ja die Konjunkturzyklen, und es wiederholt sich immer wieder. Genauso ist es auch hier. Viele lernen da auch nicht daraus. Nach ein paar Jahren ist ja alles wieder vergessen.

Du hast jetzt gerade eine starke Preisansage gemacht:, 150.000 bis 200.000 Dollar für Bitcoin. 2024 ist ja ein sehr entscheidendes Jahr, nach Meinung vieler für die Krypto-Industrie, gerade für Bitcoin. Fangen wir vielleicht bei Thema Nummer 1 an, Bitcoin-Halving. Welchen Effekt wird das haben?

Wir wissen, dass sich der Block Reward im Mai 2024 halbiert. Jetzt werden 6,25 Bitcoin ausgeschüttet alle 10 Minuten plus Transaktionsspesen, sagen wir also 6,5. Das wird sich halbieren, auf 3,25. Das wird schon mal sehr tough für den einen oder anderen, wenn der Umsatz halbiert wird, aber die Betriebskosten eines jeden gleich bleiben. Wir haben uns schon seit Anfang 2023 auf das Halving vorbereitet. Wir machen nur noch Geschäfte mit der neuesten Mining-Hardware, an Standorten mit sehr günstigen Strompreisen, wo wir auch sicher sind und glauben, dass Halving ohne Probleme zu überstehen, wenn sich der Umsatz dann einfach mal von heute auf morgen halbiert. Das kann dann auch mal ein paar Monate so dahingehen und das wird eine schwierige Zeit werden. Der eine oder andere wird wahrscheinlich ins Straucheln geraten.

Wir gehen einfach auf Nummer Sicher. Wir haben schon viele Sachen miterlebt, vieles erleben dürfen, und wir gehen einfach hier ein bisschen konservativ hinein. Ein gutes Jahr vorher haben wir uns schon eigentlich die Weichen gestellt. Viele Kunden lehnen wir auch ab, weil wir nicht glauben, dass sie nach dem Halving die Rechnungen zahlen können. Das ist ja auch ein Risiko.

Bitcoin-Miner werden durch das Halving also unter Druck geraten.

Das wird voraussichtlich so sein. Es sind eigentlich die zwei Variablen, der Bitcoin-Preis und die Mining-Difficulty, die ergeben dann den Ertrag, den Revenue in Dollar, Euro. Dann hat man die operativen Kosten, die muss man abziehen und dann hat man mal ein vorzeitiges Ergebnis. Ich denke, Bitcoin wird wahrscheinlich so auf um die 50.000 vor dem Halving gehen. Wenn ein ETF zugelassen wird, angenommen, dann geht Bitcoin schon auf 100.000 hoch. Es kann aber auch sein, dass Bitcoin auf 35.000, 30.000 runter geht. Dann tut es noch mal mehr weh. Das Gute am Bitcoin-Mining ist, es ist ein sich selbst regulierendes Ökosystem. Die Leute, die nicht mehr profitabel sind, müssen abschalten und dieselbe Menge an Bitcoin, die fast alle 10 Minuten ausgeschüttet wird, wird dann auf die übrigen Miner aufgeteilt.

© Bitkern

Du hast gesagt, ihr plant euch in den nächsten Jahren zu verdreifachen. Also von 30 Millionen auf 100 Millionen. Wie kann man in einem solchen Markt nach vorne kalkulieren?

Natürlich, wenn der Markt gut ist, dann ist die Nachfrage sehr hoch bei uns. Wir müssen uns natürlich auch auf große Kunden spezialisieren. Generell ist zu sagen, dass die Branche boomt. Es werden hier Milliarden reingepumpt. Jedes Jahr zig Milliarden in Hardware, in Ausbau von Infrastrukturen. Es ist ein Riesenmarkt. Mittlerweile sind auch sehr, sehr große Player aus dem Finanzbereich dabei, die was auch oft gesagt haben, Bitcoin ist Fraud.

Es gibt auch viele Finanzdienstleister, die schon lange im Mining-Bereich dabei sind. Wenn man schaut, wer die größten Aktionäre von den börsennotierten Mining-Unternehmen sind, sind es die üblichen: BlackRock und Vanguard. Die sind natürlich auch hier überall dabei. Das zeigt mir, dass das sicher nicht mehr verschwinden wird. Es ist ein boomender Markt. Wir müssen einfach unsere Hausaufgaben machen, eine gute Dienstleistung bringen. Dann werden wir auch einen Teil dieses wachsenden Marktes abbekommen.

BlackRock, Vanguard, das sind ja die Namen, die darauf hoffen, dass 2024 dieser von vielen heiß ersehnte Bitcoin-Spot-ETF auf den Markt kommen kann und wird. Rechnest du damit, dass das kommen wird? Und wenn ja, hat das wirklich so einen Einfluss auf die Preisentwicklung?

Wir haben es ja gesehen. Es hat ja jetzt schon eine Falschmeldung gegeben heuer, dass er zugelassen wird. Das war eigentlich der Startschuss für diesen kurzen Bullrun jetzt. Also Potenzial ist da. Wenn man nur davon ausgeht, dass Vanguard und BlackRock nur einen ganz, ganz kleinen Zehntelprozent ihres Vermögens da reingeben, was das dann heißen würde für den Bitcoin-Preis. Es muss ja gar nicht viel rein. Und weil es ein begrenztes Gut ist, ist es eigentlich unausweichlich, je länger Bitcoin existiert, desto mehr Akzeptanz wird er finden. Und natürlich werden die Vehikel kommen, dass immer mehr institutionelles Geld reinkommt. Deswegen wird Bitcoin langfristig steigen.

Was sind für dich die nächsten Steps als Unternehmer? Was ist wichtig? Was hast du dir vorgenommen?

Wir haben uns vorgenommen, dass wir unsere Dienstleistungspalette noch ein bisschen streuen. Dass wir wachsen in vielen Bereichen, auch ein paar Standorte auf der Welt selbst betreiben mit eigenem Team. Was wir eigentlich schon länger angefangen haben  im Bereich künstliche Intelligenz und AI. Hier eben unseren Zugang zu günstigen Energiequellen zu nutzen und auch andere Services anzubieten. Wir haben ja auch schon erste Tests gemacht mit Universitäten in den USA und das wird ein spannender Bereich, glaube ich, auch für viele große Bitcoin-Miner, dass sie einfach auch die Revenue-Streams ein bisschen diversifizieren. Da sehe ich in den nächsten Jahren sehr viel Potenzial. Für viele, glaube ich, ist immer noch der Fokus auf Bitcoin, gerade mit dem Halving und dem von vielen erwarteten Kursanstieg, der daraus resultiert.

Aber nachdem es mal hochgeht, geht es auch wieder runter. Wir werden schauen, hier unterschiedliche Einnahmequellen zu haben. Die Basis aller Miner sind günstige Energiequellen, und diese Energie gehört vergoldet.

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