Studie

KSV1870: Unternehmensinsolvenzen 2022 um fast 60 Prozent gestiegen

Symbolbild. © Jason Mowry / Unsplash
Symbolbild. © Jason Mowry / Unsplash

Schon im September hat es sich in einer Analyse des KSV1870 abgezeichnet: Die Unternehmensinsolvenzen in Österreich sind im Jahr 2022 wieder deutlich angestiegen und haben fast das Niveau vor der Corona-Pandemie erreicht. Nun bestätigt das die neue Hochrechnung des KSV1870: Insgesamt 4.770 Unternehmen waren in diesem Jahr von einer Insolvenz betroffen. Das bedeutet ein Plus von 57,2 Prozent gegenüber 2021. Im Jahr 2019 verzeichnete der KSV1870 noch rund 5.000 Fälle.

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„Vielzahl an Baustellen“ für heimische Wirtschaft

Betriebe waren im Jahr 2022 mit einer Reihe von schweren Herausforderungen konfrontiert. Explodierende Kosten, steigende Energie- und Rohstoffpreise, die hohe Inflation, erhöhte Zinsbelastungen und der akute Personalmangel belasten die Budgets der Unternehmen weiterhin massiv. „Angesichts der Vielzahl an Baustellen, mit denen sich die heimische Wirtschaft herumschlagen muss, ist es keine Überraschung, dass die Zahl der Firmenpleiten gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte gestiegen ist“, erklärt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.

Die größte Firmenpleite des Jahres betrifft jene der CPI Gruppe aus Wien mit geschätzten Passiva von rund 220 Millionen Euro. Insgesamt haben sich die Verbindlichkeiten gegenüber dem Vorjahr um etwas mehr als 19 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro erhöht. Diese könnten noch weiter anwachsen, nachdem die Bertsch Energy GmbH & Co KG einen Insolvenzantrag mit Passiva in der Höhe von 138,3 Millionen Euro gestellt hat. Eröffnet ist dieser Fall zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht. Die Zahl der insgesamt betroffenen Mitarbeiter:innen ist auf 14.400 und jene der betroffenen Gläubiger auf 30.700 angewachsen.

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Immer mehr Fälle mangels Kostendeckung nicht eröffnet

Insbesondere die Zahl der mangels Kostendeckung nicht eröffneten Fälle ist laut der Hochrechnung deutlich gestiegen. Mussten im Vorjahr 974 Fälle abgewiesen werden, waren es heuer mit 1.874 Fälle beinahe doppelt so viele. Auch hier ist das Vor-Corona-Niveau fast wieder erreicht. „Wird eine Pleite mangels Kostendeckung nicht eröffnet, sind in dem insolventen Unternehmen nicht einmal mehr 4.000 Euro verfügbar, um Gerichtskosten zu finanzieren“, so Götze und ergänzt: „Das ist sehr häufig ein Zeichen dafür, dass mit dem Insolvenzantrag solange zugewartet wurde, bis gar nichts mehr geht. In so einem Fall verliert das Unternehmen die Gewerbeberechtigung und müsste liquidiert werden. Der ‚Worst Case‘ für alle. Denn sämtliche Mitarbeiter:innen verlieren ihre Jobs und die Gläubiger sehen keinen Cent.“

Abseits der Insolvenzen gab es in Österreich im Jahresverlauf fast 50.000 zusätzliche Geschäftsschließungen, bei denen sich die Eigentümer:innen entschlossen haben, den Betrieb mehr oder weniger freiwillig einzustellen. Die Gründe dafür sind vielfältig. So ist es zum Beispiel nicht gelungen, einen Nachfolger zu finden oder eine Fortführung erschien aus wirtschaftlichen Blickwinkeln wenig sinnvoll. „Häufig lief das Geschäft schon vor der Corona-Krise wenig erfolgreich. Während der Pandemie wurde dann versucht, sich mit finanzieller Unterstützung über Wasser zu halten. Und jetzt, wo die staatlichen Hilfsgelder ausbleiben, geht es sich für viele Betriebe einfach nicht mehr aus“, sagt Ricardo-José Vybiral, CEO des KSV1870.

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Unternehmensinsolvenzen werden 2023 weiter steigen

Die Branchen „Handel und Instandhaltung/Reparatur von Kfz“ (871 Fälle), die Bauwirtschaft (778) und Tourismus/Gastronomie (585) sind am Ende des Jahres die mit den meisten Firmenpleiten. Alleine diese drei Branchen machen knapp die Hälfte aller Unternehmensinsolvenzen des Jahres aus. Dabei fällt auf, dass insbesondere der Handel mit massiven wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat. Bereits am Ende des dritten Quartals gab es in dieser Branche mehr Pleiten als am Ende des Vorjahres. „Unsere damalige Prognose, dass der Handel am Jahresende rund 900 Firmenpleiten zu Buche stehen haben wird, hat sich bewahrheitet. Hohe Energiepreise und fehlendes Personal haben die Unternehmen häufig in die Knie gezwungen“, erläutert Götze.

Der KSV1870 geht nun davon aus, dass die Zahl der Firmenpleiten im kommenden Jahr weiter steigen wird. „Wir befinden uns nach wie vor in einer Phase der Normalisierung des Insolvenzgeschehens, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen setzen den österreichischen Unternehmen mehr als sonst zu. Auch darauf ist die aktuelle Beschleunigung zurückzuführen“, erklärt Götze. Voraussichtlich werde der Staat kein weiteres Mal in einem Ausmaß in den Wirtschaftskreislauf eingreifen wie zu Beginn der Corona-Krise. Für das Jahr 2023 prognostiziert der KSV1870 einen Anstieg der Firmenpleiten im niedrigen zweistelligen Prozentbereich auf 5.500 bis 6.000 Fälle. Das wären maximal rund 1.000 Pleiten mehr als vor der Corona-Krise.

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