Studie

KSV1870: Wiederholte Krisen drücken Stimmung in Firmen

© Jason Goodman on Unsplash
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Im Jahr 2021 hat sich die Geschäftslage für österreichische Unternehmen nach dem Krisenjahr 2020 wieder deutlich verbessert. Doch mit der wachsenden Inflation und dem Ukraine-Krieg ist in diesem Jahr nun die nächste Krise herbeigekommen. Das wirkt sich auch auf die Stimmung bei den Firmen aus, zeigt eine Umfrage des Kreditschutzverbands 1870 (KSV1870) unter 1.300 heimischen Unternehmen. So bewerten nur etwa 55 Prozent der Firmen derzeit ihre Geschäftslage positiv, während diese Zahl im August 2021 noch bei 65 Prozent lag. Generelle Preiserhöhungen, steigende Rohstoffpreise, die Inflation sowie der Krieg gelten als Hauptgründe dafür.

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Investitionen trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten

„Die weltweiten Krisen beschäftigen Österreichs Wirtschaft mehr, als ihr lieb ist. Bereits vor dem Krieg hatten die Betriebe mit Preisanstiegen, Lieferkettenproblemen und Fachkräftemangel zu kämpfen, jetzt wird ihre wirtschaftliche Stabilität aufgrund der kriegerischen Handlungen ein weiteres Mal auf eine harte Probe gestellt“, erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG. „Bis jetzt haben die Unternehmen das ständige Auf und Ab der vergangenen zwei Jahre größtenteils gut gemeistert. Auf lange Sicht kann der anhaltende ‚Stop-and-Go‘-Modus aber zum echten Spielverderber für die Betriebe werden.“

Schon die Corona-Krise hat in den Finanzbüchern der heimischen Firmen Spuren hinterlassen. Neun Prozent der Betriebe haben ihre liquiden Mittel aufgebraucht und es wird für sie schwierig, das laufende Jahr zu überstehen. Insgesamt erwartet lediglich jedes fünfte Unternehmen, langfristig keine wirtschaftlichen Probleme zu bekommen. Trotz allem haben im Vorjahr 70 Prozent der Unternehmen teils kräftig investiert – auch wenn die Pandemie negativen Einfluss auf das Eigenkapital von etwas mehr als 40 Prozent der Firmen genommen hat. 57 Prozent wollen 2022 weiterhin investieren – 80 Prozent davon in ähnlichem oder sogar größerem Ausmaß als zuletzt.

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Digitalisierung auch unabhängig von Corona-Krise

Doch beim Umsatz sieht die Lage derzeit besser aus. Ausgehend von einem eher niedrigen Umsatzniveau im Jahr 2020 hat knapp die Hälfe der Unternehmen (48 Prozent) im Vorjahr ein Umsatzplus verzeichnet. Ein Viertel musste weitere Verluste akzeptieren. Insgesamt scheint sich der jüngste Trend in den kommenden Monaten fortzusetzen: Während in diesem Jahr 43 Prozent steigende Umsätze erwarten, rechnen weitere 43 Prozent mit einem maximal gleichbleibenden Ergebnis. 14 Prozent befürchten ein Minus. Lediglich ein Drittel geht davon aus, dass sich die generelle Geschäftslage in naher Zukunft nachhaltig verbessern wird. 16 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung bis Jahresende.

Österreichs Wirtschaft hat sich in den vergangenen zwei Jahren verstärkt digitalisiert, die Pandemie als Hauptmotiv dafür nennen aber nur 37 Prozent der Betriebe. „Viele haben das offenbar aus einer intrinsischen Motivation heraus getan, weniger aufgrund einer pandemischen Notwendigkeit. Wenn dem tatsächlich so ist, dann ist das erfreulich und ein gutes Zeichen für den Wirtschaftsstandort“, erklärt Vybiral. Allerdings bestätigen 43 Prozent, dass die Digitalisierung (mit)entscheidend war, um die Corona-Krise finanziell zu meistern. 55 Prozent sehen darin nicht den Hauptgrund.

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„Ignoranz“ gegenüber Cybersecurity weiter hoch

Eine echte Lücke in der Digitalisierung ist jedoch die Cybersecurity. Fast zwei Drittel der Betriebe bestätigen, sich wenig bis gar nicht mit der IT-Sicherheit zu befassen. „In einer Zeit, die auch von einer massiv steigenden Zahl an Cyber-Attacken geprägt ist, ist diese Ignoranz nicht nachvollziehbar“, so Vybiral. Demzufolge befassen sich aktuell nur 38 Prozent der österreichischen Unternehmen damit, wie sie ihren Betrieb IT-Security-fit machen können. 36 Prozent tun dies laut eigener Aussage „ein wenig“, 26 Prozent sehen hier keine Notwendigkeit.

27 Prozent der Unternehmen planen, die Zahl der Mitarbeiter:innen im Jahr 2022 zu erhöhen, weitere 67 Prozent wollen diese zumindest halten. Bei der Frage, was sich die Unternehmer:innen seitens der Politik wünschen, stand ganz klar das Thema Bildung im Fokus. Die zentralen Punkte sind die Modernisierung des Bildungssystems und die Gestaltung einer Ausbildungsoffensive. Zentrale Forderungen sind hier mehr Ausbildungslätze in den Betrieben, finanzielle Unterstützung von Ausbildungsbetrieben und die Entstigmatisierung des Lehrberufes.

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Unternehmen nehmen weniger Kredite auf

Fast die Hälfte der Befragten haben 2021 auf staatliche Haftungen oder Förderungen zurückgegriffen. Aktuell sind 14 Prozent der Betriebe auf staatliche Finanzspritzen angewiesen, um „über die Runden zu kommen“. Die generelle Stabilität der heimischen Wirtschaft zeigt sich auch daran, dass im Vorjahr weniger Unternehmen einen Kredit in Anspruch genommen haben als zu Beginn der Corona-Krise. Während im vergangenen Jahr 19 Prozent einen Kredit aufgenommen haben, waren es ein Jahr zuvor 24 Prozent. Diese Entwicklung scheint sich heuer fortzusetzen: Nur elf Prozent haben angegeben, eine Kreditaufnahme zu planen.

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