Tech-Jungfirmen

Metaverse, VR und AR: Diese österreichischen Startups sind in vorderster Reihe

VR-Brille © Achinbm on Pixabay / Montage Trending Topics
VR-Brille © Achinbm on Pixabay / Montage Trending Topics

Egal, ob man darin die Zukunft der digitalen Welt oder einen aufgeblasenen Marketing-Gag sieht: Am Begriff „Metaverse“ kommt man derzeit kaum vorbei. Spätestens seit sich Facebook in Meta umbenannt hat und den Fokus massiv auf das Metaverse gelegt hat, ist das Konzept im Mainstream angekommen. In einem dreidimensionalen virtuellen Raum mit Menschen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten und interagieren ist keine Zukunftsvision mehr.

Durch den Metaverse-Hype hat sich auch das Interesse an Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) stark erhöht. Startups, die in diesem Bereich arbeiten, sind heiß begehrt. Auch Österreich hat eine Vielzahl an innovativen Jungfirmen zu bieten, die die Entwicklung dieser Sektoren vorantreiben. Hier präsentieren wir zehn Unternehmen, die spannende Entwicklungen in virtuellen Welten zu bieten haben.

Viarsys: Die „Tür ins Metaverse“

In Kaisermühlen, Wien, in der Nähe zum Eingang zum Gänsehäufel, findet sich eine Jungfirma, die selbst Einsteiger:innen den Schritt ins Metaverse leicht macht. Im Jahr 2017 rief Gründer Konrad Gill Viarsys ins Leben. Es handelt sich dabei um ein Startup, das Angestellte von Unternehmen in der Nutzung des „Neos Metaverse“ ausbildet und auch für Kund:innen eigene VR-Welten erstellt.

Neos Metaverse ist ein relativ quelloffenes Metaverse, das die tschechische Firma Solirax im Jahr 2018 veröffentlicht hat. Das Besondere daran: Der Programmierprozess findet nicht in einem 2D-Interface statt. Stattdessen können Nutzer:innen Welten direkt innerhalb der Virtual Reality aufbauen. Laut Gill können dadurch auch Personen, die keine IT-Spezialisten sind, in einem digitalen Raum remote miteinander zusammenarbeiten. Und genau diese Vorteile will Viarsys Kund:innen zeigen. „Wir wollen die Tür ins Metaverse sein“, erklärt Konrad Gill (Trending Topics berichtete).

Wir haben den Eingang ins Metaverse entdeckt, und er liegt in Kaisermühlen

Holo-Light: Das „Netflix für VR und AR“

Holo-Light hat Firmensitze in Tirol und Bayern und hat es sich zum Ziel gemacht, ein „Netflix für AR/VR-Anwendungen“ zu bieten. Dafür entwickelt die 2015 gestartete Jungfirma einen globalen Streaming-Dienst für Augmented- und Virtual-Reality-Applikationen. Der Streaming-Dienst soll XRnow heißen und es Entwickler:innen von AR/VR-Anwendungen erlauben, diese zu Endkonsument:innen zu streamen. Erstes Beispiel soll „AR3S“ von Holo-Light selbst sein – eine Software für Ingenieur:innen.

Mit diesem Konzept konnte Holo-Light bereits mehrere Investor:innen begeistern. Erst im Dezember gab es eine Finanzierung in Höhe von 5,3 Millionen Euro (Trending Topics berichtete). „Wir werden das Kapital nutzen, unsere Marketing- und Vertriebsaktivitäten zu stärken, unsere Community zu vergrößern und unseren Wettbewerbsvorteil global auszubauen“, berichtet Florian Haspinger, CEO und Mitgründer von Holo-Light. „Wir wollen die führende immersive Streaming-Plattform weltweit werden.“

Holo-Light: 5,3 Millionen Euro für den Ausbau zum “Netflix für AR/VR”

Vrisch: Immersive Erfahrungen in VR und AR

Mit VR und AR ist es möglich, Geschichten und spektakuläre Erfahrungen auf eine einzigartige Weise zu erleben. Das hat der Filmemacher Axel Dietrich erkannt und im Jahr 2016 das Wiener Jungunternehmen vrisch ins Leben gerufen. „Wir kreieren und entwickeln branchenübergreifende 360-Grad-Videos, AR- und VR-Erlebnisse sowie Software, um Botschaften effektiv zu vermitteln. Unsere Mission ist es, den Menschen zu helfen, durch unvergessliche, immersive Geschichten zu lernen, zu verstehen und Spaß zu haben“, heißt es von der Jungfirma.

Vrisch arbeitet an einer Reihe von VR-und AR-Projekten für verschiedene Partnerunternehmen. Mit der britischen Theatergruppe Les Enfants Terribles arbeitet vrisch momentan an einer virtuellen Erfahrung, die User:innen in die Welt des Meisterdetektivs Sherlock Holmes versetzt. Das Projekt „Time Tracer“ zeigt in AR auf interaktive Weise die ökologischen Eigenschaften des Urwalds im Wildnisgebiet Dürrenstein. Mit dem “C-ITS-Demonstrator” hat vrisch außerdem ein VR-Fahrerausbildungs- und Schulungswerkzeug entwickelt, um die Funktionsweise, Sicherheit und Effizienz von intelligenten Transportsystemen in verschiedenen Verkehrssituationen zu veranschaulichen (Trending Topics berichtete).

Wiener VR-Firma vrisch bringt Sherlock Holmes in die Virtual Reality

ViewAR: Infrastruktur für AR-Anwendungen

Auf den Bereich AR hat das Wiener Startup ViewAR seinen Fokus gelegt. Die 2010 gegründete Jungfirma hat eine komplette Infrastruktur zum Erstellen, Verwalten, Testen und Veröffentlichen von Augmented-Reality-Anwendungen entwickelt. Damit sollen Unternehmen ohne viel Know-how ihre „eigenen hochwertigen AR-Apps“ erstellen können. Im vergangenen Juli gab es für das Startup eine Finanzierung in Millionenhöhe (Trending Topics berichtete).

Ein besonderer Fokus des Unternehmens liegt momentan auf der Indoor-Navigation. Beispielsweise ist es mit der Anwendung „GuideBot“ möglich, von einem virtuellen Roboter visuelle Hinweise durch Smartphones und Headsets zu erhalten. Diese Anwendung kommt beispielsweise bei Rundgängen in Museen oder im Immobilienbereich zum Einsatz. Auch im Handel unterstützt der GuideBot bei der Navigation.

ViewAR: Wiener Augmented-Reality-Firma erhält Millioneninvestment

Cybershoes: VR-Schuhe für das Metaverse

Das Metaverse soll durch VR eine möglichst greifbare und immersive digitale Welt darstellen. Ein wichtiger Faktor dafür ist die Bewegung. Müssen User:innen einen Joystick nutzen, um sich zu bewegen, kann das die Erfahrung schmälern. Dafür will das Wiener Startup Cybershoes die Lösung bieten. Bei dem gleichnamigen Gerät handelt es sich um Wearables für die Füße, die User:innen realistische Gehbewegungen in Videospielen und im Metaverse ermöglichen sollen – ohne dass sie sich in der realen Welt vom Fleck bewegen.

Gründer und CEO Michael Bieglmayer hat Cybershoes im Jahr 2018 ins Leben gerufen. „Am Anfang stand die Frage: Wieviel können wir mit hinüber nehmen – ins Metaverse? Das Interessante an VR: Es ist eine ganze Menge. Je mehr Sinne, desto besser, wenn schon koexistieren, dann richtig. Immersion ist der heilige Gral von VR – und vermutlich auch vom Metaverse. Die Devise ist: Zu 100 Prozent eintauchen“, erklärt Bieglmayer. In einem Metaspace könnte man ohne seine Beine nicht gut leben, so der Gründer (Trending Topics berichtete).

Cybershoes: Wiener Startup baut VR-Schuhe für Gaming und Metaverse

Blackshark.ai: Die 3D-Modellierung der Welt

Das Jungunternehmen blackshark.ai modelliert für den Flight Simulator von Microsoft die Erde in 3D – und ist ganz nebenbei auf dem Weg, eines der Fundamente des Metaverse zu werden. Es begann alles mit dem Snowboard-Computerspiel „Stoked“, bei dem man vom Helikopter aus mit dem Snowboard über einem Berg abspringen konnte. Aus dem Grazer Spieleentwickler Bongfish wurde 2020 das Startup blackshark.ai. Das Wissen, wie man 3D-Umgebungen in Spielen baut, hat über Jahre dazu geführt, dass das Unternehmen rund um CEO Michael Putz heute innerhalb von drei Tagen die komplette Welt mit 1,5 Milliarden Gebäuden in 3D modellieren kann.

„Unsere Plattform kann Petabytes an Satellitendaten nahezu in Echtzeit verarbeiten und präzise semantische Informationen wie Gebäudegrundrisse/-höhen, Landnutzung, Gewässer oder Infrastrukturanlagen wie Straßen oder Bahngleise extrahieren“, so Putz. Das könne man in Bereichen Regierung, Geospatial Intelligence, humanitäre Hilfe, Metaverse/AR, Simulationen für autonomes Fahren und Fliegen, Überwachung der Abholzung, Versicherungen oder Smart Cities einsetzen. Im November konnte blackshark.ai satte 17,4 Millionen Euro einsammeln (Trending Topics berichtete).

Blackshark.ai: Grazer Startup holt 17,4 Mio. Euro für seinen 3D-Zwilling der Erde

Innerspace: VR-Training für medizinisches Personal

Medizinischem Personal in Reinräumen die Schlüsselmomente in kritischen Tätigkeitsbereichen beizubringen – das ist die Kernidee hinter dem Tiroler Startup Innerspace. Die 2017 gegründete Jungfirma setzt dafür auf Virtual Reality, um die kritischen Produktionsbereiche in der Life-Science-Industrie zu simulieren und so Trainings-Umgebungen für Pharma-Konzerne zu schaffen. „Die Anforderung, richtiges Verhalten in kritischen Produktionsbereichen effektiv, messbar und reproduzierbar zu trainieren, gibt es neben der Pharma- und Chemieindustrie noch in vielen anderen Bereichen mit weit höherer Anzahl als nur in Reinräumen, zum Beispiel in Laboren“, so Sebastian Scheler, Co-Founder von Innerspace.

In einer virtuellen Trainingsumgebung könne man mit Hilfe von umgehenden Feedback in der künftigen Arbeit schwerwiegende Fehler vermeiden. Auch um den Mindset der Mitarbeiter:innen gehe es. Mithilfe der Trockenübungen in der virtuellen Realität sollen sie lernen, sowohl mit Stresssituationen als auch mit repetitiven Aufgaben richtig umzugehen. Nach einem Millionen-Investment 2020 konnte Innerspace im November ein neuerliches siebenstelliges Investment einsammeln (Trending Topics berichtete).

Innerspace: Tiroler Startup mit VR-Trainings holt Millioneninvestment

Squarebytes: „Digitaler Zwilling“ von Wohngebieten

Squarebytes ist ein Wiener Startup, das Immobilien und Stadtviertel als dreidimensionale Umgebungen visualisiert. Auf der Website der 2015 gegründeten Jungfirma ist es möglich, einen virtuellen Rundgang der Objekte zu erhalten. Auch in Virtual Reality und in Augmented Reality-Anwendungen ist es möglich, die Immobilien zu besichtigen. Das soll für ein möglichst hohes Maß an Transparenz bei der Bewerbung der Räumlichkeiten sorgen.

Mit dem Viertel Zwei am Grünen Prater hat Squarebytes im vergangenen Jahr das Ziel erreicht, ein ganzes Stadtviertel zu digitalisieren. Das Startup hat einen begehbaren „Digital Twin“ des gesamten Quartiers entwickelt. Das Projekt ist in Partnerschaft mit Value One abgelaufen, dem Entwickler von Viertel Zwei. Es soll dabei helfen, potenziellen Mieter:innen einen genauen Eindruck zu verschaffen. In Zukunft will Squarebytes ganz Wien digitalisieren (Trending Topics berichtete).

Squarebytes: Wiener Startup bietet “digitalen Zwilling” von Wohngebieten

VR Coach: Therapie in der virtuellen Realität

Das Salzburger Startup VR Coach entwickelt für die Virtual-Reality-Therapie ein mobiles System, das vor allem für die Behandlung von Angststörungen dienen soll. Dadurch soll diese Behandlungsform auch für Privatpraxen erschwinglich werden. Die Jungfirma hat Michael Altenhofer im Oktober 2019 gegründet. Gesellschafter von VR Coach sind der Wiener Hirnforscher Marcus Täuber und der Salzburger Investor Thomas Blaschke.

„Seit vielen Jahren beobachten wir, dass Studiengänge und Fortbildungen im Bereich Psychotherapie boomen. Seit Kurzem wächst hier eine Generation zukünftiger Therapeut:innen heran, die es gewohnt ist, mit Technologie zu arbeiten. In den nächsten Jahren wird es zum Standard, dass Technologien auch in der Patientenbehandlung eine wichtige Rolle spielen. Virtual Reality ist hier eine Schlüsseltechnologie, da das Erleben von angst- oder stressauslösenden Umgebungen zu den gängigen Interventionen zählt. Mit VR lassen sich solche Umgebungen perfekt simulieren und Interaktionen ermöglichen“, so Altenhofer (Trending Topics berichtete).

VR Coach: Salzburger Startup will Virtual-Reality-Therapie leistbar machen

Artivive: Klassische Kunst – mit AR angereichert

Analogen Kunstwerken durch AR eine digitale Dimension verleihen: Das Wiener Startup Artivive will das Künstler:innen und Museen ermöglichen. Wer sein Smartphone in einem der Partner-Museen und Ausstellungen etwa auf ein Gemälde richtet, dem werden am Display zusätzliche Inhalte gezeigt. Hier sollen User:innen eine zweite, virtuelle Ebene sehen können, die das Werk etwa mit bewegenden Elementen ergänzt.

Zu den Partnern von Artivive gehören unter anderem die Albertina und das Belvedere21 in Wien sowie das Himalayas Museum in Shanghai. Im vergangenen Jahr hat das 2017 gegründete Jungunternehmen außerdem eine Kooperation mit dem südkoreanischen Startup Virnect gestartet, das unter anderem AR-Lösungen für den Industriesektor entwickelt. Gemeinsam mit Artivive will Virnect die Möglichkeiten der Objekterkennung und -verfolgung im Kontext von Kunst und Unterhaltung erkunden (Trending Topics berichtete).

Südkoreanisches AR-Startup Virnect kooperiert mit Wiener Firma Artivive

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