Gastbeitrag

Mut zum Moonshot: Wie disruptive Innovationen entstehen

Michael Prohaska, CEO von the tean © the tean
Michael Prohaska, CEO von the tean © the tean

Dr. Michael Prohaska war nach seiner wissenschaftlichen Laufbahn (Doktorat der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Wien und Lehraufträge an Universität Wien, Technischer Universität Wien, Institut für Höhere Studien uvm.) in der Industrie tätig. Jetzt ist er CEO des Technologieunternehmens the tean und Chairman der AI ROCKETS AG. Er befasst sich seit Jahrzehnten mit den Themen Disruption, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz. Im Interview, durchgeführt von the tean, spricht er über die Notwendigkeit von „Moonshot Thinking“ in Deutschland und im weiteren DACH-Raum.

In einer Zeit, in der alles als Innovation bezeichnet wird, wo sind die wahren Innovationen?

Dr. Michael Prohaska: Es stimmt, dass wir eine Flut von Produkten und Services erleben, die eher inkrementelle Verbesserungen darstellen als wirkliche Durchbrüche. Laut einer aktuellen Studie ist die Anzahl disruptiver Erfindungen rückläufig. Auch der Anteil innovativer deutscher Unternehmen sinkt rapide. So gilt laut einer neuen Studie nur noch jedes fünfte Unternehmen in Deutschland als besonders innovativ, 2019 war es noch jedes vierte. Fast vierzig Prozent der Unternehmen streben gar nicht mehr nach Innovationen. Wir verlieren hier nicht nur potenziellen Gewinn und Wohlstand, sondern auch den Anschluss an den globalen Wettbewerb.

Was glauben Sie, sind die Gründe dafür, dass Innovationen in Deutschland ins Stocken geraten?

Es ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Einige Unternehmen zögern, in Forschung und Entwicklung zu investieren. Andere werden durch strenge Regulierungen und mangelnde staatliche Unterstützung gehemmt.

Blicken wir in die USA – würden Sie sagen, dass dort mehr Innovationen entstehen?

Auf den ersten Blick scheint es so, bedenkt man die Erfolge von Amazon, Airbnb und Meta. Gerade bei den immer wichtiger werdenden Plattformgeschäftsmodellen wird es deutlich: 80 % der Plattformen kommen aus den USA, nur 2 % aus Europa! Aber es gibt auch Kritik, dass diese durch Wettbewerbsunterdrückung und nicht reine Innovationskraft entstanden sind. Welche Ansicht man auch vertritt, in einer Sache unterscheidet sich die Unternehmenslandschaft in Deutschland und den USA aber deutlich: Im Denken.

Können Sie das näher ausführen?

Ja, das Denken ist grundverschieden. Amazon investiert laut EY beispielsweise mit 70 Milliarden US-Dollar mehr in die Forschung als die 29 führenden deutschen Unternehmen zusammen (68 Milliarden US-Dollar). Das zeigt eine deutlich risikofreudigere und visionärere Haltung in den USA.

Auf Platz 2 mit den höchsten Innovationsausgaben landet Google (38 Milliarden US-Dollar). Bei Google hat Innovation durch das Moonshot-Thinking sogar Methode. Mit X hat der deutsche Robotikexperte Sebastian Thrun für Google eine eigene Forschungsabteilung aufgebaut, die an Moonshots arbeitet.

Und was genau versteht man unter „Moonshot-Thinking“?

Moonshot-Thinking ist inspiriert von Kennedys ambitioniertem Ziel, einen Menschen auf den Mond zu bringen. Es geht darum, das scheinbar Unmögliche zu wagen und dadurch bahnbrechende Innovationen zu schaffen. Für Google können Moonshots in allen Bereichen auftreten. Sie sollen Millionen oder – besser noch – Milliarden an Menschen betreffen und eine Science-Fiction ähnliche Lösung bieten, die heute unmöglich erscheint, aber durch einen technologischen Durchbruch in den nächsten fünf bis zehn Jahren machbar sein könnte. Ein Beispiel für einen Moonshot ist das autonome Fahren bei Waymo.

Was ist Ihrer Meinung nach nötig, um in Deutschland eine ähnliche Innovationskultur zu etablieren?

Wir müssen unser Mindset ändern. Mehr Mut zu visionärem Denken und zu risikoreichen Investitionen. Wir brauchen den Glauben, dass durch mutiges Handeln echte Durchbrüche möglich sind. Fakt ist: Ohne Risiko keine Rendite, ohne Risiko keine Innovation. Natürlich, die Voraussetzungen in Deutschland und den USA sind anders, der Größenunterschied nahezu grotesk. Am visionären Denken und dem Willen zu mehr Investition und Risiko sollte in Deutschland dennoch gearbeitet werden.

Zum Schluss, wie stehen Sie persönlich zu Moonshot-Projekten?

Ich bin ein großer Befürworter und entwickle mit meinem Unternehmen the tean selbst Moonshots mit Plattformgeschäftsmodellen. Moonshots sind der Schlüssel zu wahrer Innovation und können die Welt verändern. Larry Page, Co-Founder von Google, meint, dass es kaum Konkurrenz beim Erforschen technologischer Grenzen gibt, weil niemand so verrückt ist, es zu versuchen. Ich behaupte, dass die im Silicon Valley nicht mehr können als wir, sondern sich nur mehr trauen. Ich kann nur sagen: Mut zum Moonshot!

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