Gastbeitrag

mytalents.ai: 10 Thesen für generative AI in 2024

Florian Hasibar und Fabian Hemmerich von myTalents.ai. © myTalents.ai
Fabian Hemmerich und Florian Hasibar von myTalents.ai. © myTalents.ai

Florian Hasibar und Fabian Hemmerich haben mytalents.ai gegründet. In diesem Gastbeitrag beschäftigen sie sich mit den wichtigsten Trends in Sachen generativer Künstlicher Intelligenz in 2024.

Das Jahr 2023 hat uns gezeigt, wie weit generative KI-Technologien wie GPT-4 und bildgenerierende Tools wie Midjourney v6 gekommen sind. Diese sind nun reif für den breiten, branchenübergreifenden Einsatz – von der Automatisierung einfacher Anfragen bis hin zu komplexen Aufgaben in HR, Finanzen, Rechtswesen, Marketing und Vertrieb. Mit der zunehmenden Verankerung von KI in Unternehmensstrukturen rückt die Qualifizierung der Belegschaft in KI-Kompetenzen in den Fokus, um den technologischen Wandel aktiv mitzugestalten. Wir stehen an der Schwelle zu einer Ära voller Innovationen, wie wir in unseren zehn KI-Thesen für 2024 skizzieren. Diese zehn Thesen beleuchten, wie KI nicht nur unsere Arbeitsweise, sondern auch unsere Gesellschaft im Jahr 2024 prägen wird.

Unsere wesentlichen Erkenntnisse:

  • Generative KI (Ge nAI) wird zum branchen- und fachbereichsübergreifenden Motor für Innovation, Produktivität und Wirtschaftswachstum.
  • Upskilling in KI wird für Unternehmen zur Schlüsselpriorität.
  • KI-basierte Produktivitätswerkzeuge wie Microsoft Copilot 365 und Google-Tools werden Unternehmensprozesse grundlegend verändern.
  • „AI Operations Experts“ werden zum Dreh- und Angelpunkt für KI-Management und die effektive Nutzung in Unternehmen.

These 1: KI schafft Arbeitsplätze und erschließt neue Arbeitsfelder

Generative KI führt zu einer signifikanten Umstrukturierung des Arbeitsmarktes, ähnlich der Industrialisierung, mit der Schaffung neuer Jobs und der Transformation bestehender Rollen. Studien zeigen, dass der Einsatz von KI in Unternehmen zu einem Nettozuwachs an Arbeitsplätzen führen wird, wobei repetitive Tätigkeiten durch KI ergänzt und die Arbeitsproduktivität gesteigert wird. Zwei Drittel der international befragten CEOs in einer Studie von EY geben an, dass durch KI betroffene Stellen durch neue ersetzt werden. Diese Entwicklung erfordert eine Anpassung und Umschulung der Arbeitskräfte, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.

These 2: KI-Fähigkeiten sind bei Arbeitgebern gefragt

Im Jahr 2023 stieg die Nachfrage nach KI-Kompetenzen im Arbeitsmarkt signifikant, was sich in einem zwanzigfachen Anstieg von KI-bezogenen Stellenausschreibungen auf LinkedIn widerspiegelt. Die Bereitschaft, KI für ein breites Aufgabenspektrum zu nutzen, ist hoch, und Führungskräfte sehen in vielseitigen KI-Fähigkeiten eine essenzielle Kernkompetenz für die Zukunft. Eine weitere Studie von Upwork von Juli 2023 zeigt, dass die Anzahl der wöchentlichen Stellenausschreibungen im Zusammenhang mit generativer künstlicher Intelligenz (GenAI), wie zum Beispiel OpenAI’s ChatGPT, im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 450% gestiegen ist. Bildungseinrichtungen und Unternehmen stehen vor der Herausforderung, den Mangel an qualifizierten KI-Fachkräften zu beheben und Arbeitskräfte entsprechend auszubilden.

These 3: KI-Upskilling und Kompetenzentwicklung werden zur Unternehmenspriorität

Bis 2024 wird der Erwerb von KI-Kenntnissen ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie sein. Laut einer Deloitte-Studie erkennen österreichische Unternehmen mehrheitlich die Vorteile von KI, sehen jedoch fehlendes Know-how als wesentliches Hindernis. Eine Studie von EdX zeigt, dass in den letzten 12 Monaten 57% der Mitarbeiter und 89% der Führungskräfte angegeben haben, dass sie Lerninhalte (z.B. Kurse, Schulungen, Konferenzen, Webinare) außerhalb des Angebots ihres Unternehmens gesucht haben – und viele haben dafür aus eigener Tasche bezahlt.

Die Unzufriedenheit der Arbeitnehmer ist so groß, dass besorgniserregende 39% angeben, dass es wahrscheinlich ist, dass sie ihr Unternehmen innerhalb des nächsten Jahres verlassen, um einen Job mit besseren Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten anzunehmen. Bei der Generation Z und den Millennials steigt diese Zahl auf 51%.

Diese Trends unterstreichen die dringende Notwendigkeit für Unternehmen, in umfassendes KI-Upskilling zu investieren, um zukunftsfähig und wettbewerbsfähig zu bleiben.

These 4: KI-Produktivitätswerkzeuge von Microsoft und Google sind eine Investition, die sich auszahlen wird

Im Jahr 2024 werden KI-basierte Produktivitätstools, wie der Microsoft Copilot 365 und Google-Tools, in der Unternehmenslandschaft zum Standard und ermöglichen eine effizientere Bewältigung von Routineaufgaben. Untersuchungen von Microsoft dokumentieren einen durchschnittlichen ROI, der die Investitionen in KI um das Dreieinhalbfache übersteigt, und bestätigen KI als kraftvollen Katalysator für Geschäftsinnovationen und finanziellen Erfolg. Generative KI soll dabei zukünftig bis zu 10 Billionen USD zum globalen BIP beisteuern, insbesondere in den Bereichen Marketing und Vertrieb, und untermauert so ihren Status als wirtschaftlichen Impulsgeber.

These 5: Die Position des „AI Operations Expert“ wird zu einer Schlüsselrolle im Unternehmen

Bis 2024 wird die Bedeutung von „AI Operations“-Experten steigen, da sie entscheidend für die effektive Integration von KI in Unternehmensprozesse sind. Ein AI Operations-Experte ist eine Schlüsselfigur für die Einführung und Integration von KI in Geschäftsprozesse. Sie schulen Mitarbeiter, implementieren KI-Lösungen, managen KI-Projekte, übersetzen geschäftliche Herausforderungen in KI-Lösungen, gestalten Systeme und Prozesse, integrieren KI in bestehende Abläufe, beraten Unternehmen strategisch in der KI-Nutzung und bleiben stets auf dem neuesten Stand der KI-Entwicklung.

McKinsey und HubSpot betonen, dass KI die Wettbewerbsdynamik in technologieintensiven Sektoren grundlegend verändern wird und dass Investitionen in KI zunehmend zur Geschäftsstrategie gehören. Viele große Unternehmen werden AI Operations Experts suchen – derzeit sind sie noch nicht zu finden.

These 6: Personalisierte Lerninhalte werden die Zukunft sein

Bis 2024 wird die Mitarbeiterfortbildung zunehmend auf individuelle Lerninhalte ausgerichtet sein, wobei neuartige Lernplattformen individuelle Lernpfade bieten. Webbasierte Lerninhalte verstärkt die Flexibilität und Zugänglichkeit der Weiterbildung, während die KI-Trainings auf die dynamischen Anforderungen der Arbeitswelt reagieren. Unternehmen, die in solche maßgeschneiderten Bildungsressourcen investieren, fördern die Motivation und Effizienz ihrer Mitarbeiter und sichern sich damit einen Wettbewerbsvorteil.

These 7: ChatGPT wird Konkurrenz bekommen

Im Jahr 2023 trat OpenAIs ChatGPT mit seinen fortgeschrittenen kreativen und technischen Fähigkeiten als führender KI-Chatbot in Erscheinung, sieht sich aber zunehmendem Wettbewerb durch Claude von Antrophic, Bard von Google oder Microsofts Copilot gegenüber. Das Open-Source-basierte Modell Mistral aus Europa erweitert das Feld und könnte eine wichtige Rolle in der europäischen KI-Landschaft spielen. Neben der Wahl zwischen etablierten Modellen und innovativen Open-Source-Lösungen, zeichnet sich ein weiterer Trend ab: Unternehmen beginnen, bestehende KI-Modelle zu feintunen oder zu hosten, um eine sichere und spezifisch angepasste Nutzung von Technologien wie GPT zu ermöglichen. Dieser Schritt bietet ihnen die Flexibilität und Sicherheit, KI-Tools auf ihre spezifischen Bedürfnisse und Datenschutzanforderungen abzustimmen.

These 8: Edge AI wird das Smartphone revolutionieren

Apple und andere Technologieunternehmen treiben die Entwicklung der Edge AI voran, mit dem Ziel, leistungsstarke KI-Modelle direkt auf Smartphones zu integrieren. Apples Forschung konzentriert sich auf effiziente Sprachmodell-Implementierungen auf mobilen Geräten. Diese Fortschritte könnten das Smartphone-Erlebnis grundlegend verändern und neue Anwendungsmöglichkeiten für KI auf mobilen Geräten bieten, wie zum Beispiel echtzeitnahe Übersetzungen bei Gesprächen, Coaching und Beratung. Abseits von Apple zeigen bereits Google Gemini Nano und Microsoft Phi, dass kleine Edge-Modelle auf einem Smartphone laufen können, was bedeutet, dass wir künftig generative KI-Funktionen direkt in der Hosentasche haben könnten.

These 9: Generative KI-Projekte überwinden die 80%ige Misserfolgsrate herkömmlicher KI-Projekte

Generative KI-Projekte weisen eine höhere Erfolgsquote als traditionelle KI-Projekte auf, da sie flexibler und schneller umsetzbar sind und sich an neue Daten und Situationen anpassen können. Bis jetzt war es sehr schwer, KI zu integrieren, da man viel selber entwickeln musste. Dank der APIs von OpenAI, Cohere und anderen sowie Open-Source-Lösungen und Services wie Replicate ist es jedoch jetzt relativ einfach, fertige KIs zu verwenden, die bereits vieles abdecken. Generative KI betrifft nicht nur mehr die 1% der Datenspezialisten im Unternehmen, sondern nun auch die 99% der täglichen Anwender.

These 10: Integration von KI in die Bildungslandschaft verändert herkömmliche Bewertungsmethoden und Abschlüsse

Die Bildungslandschaft erlebt durch die Integration von KI einen Wandel, der herkömmliche Bewertungsmethoden und Abschlüsse in Frage stellt. Nun hat die erste Universität in der EU beschlossen, Bachelorarbeiten abzuschaffen. An der Fakultät für Betriebswirtschaft der Wirtschaftsuniversität in Prag werden neue Studenten keine Bachelorarbeiten mehr schreiben müssen. Bereits im Frühjahr veröffentlichte die Universität Hohenheim in Stuttgart ein Whitepaper zum Einsatz von generativer KI im Hochschulalltag, welches in der Branche Wellen schlug. KI-Tools wie Chatbots dienen als Schreibpartner, Lernpartner, Unterstützung beim Überarbeiten eigener Texte, beim Zusammenfassen von umfangreichem Lernmaterial und beim Programmieren. Hochschulen stehen vor der Herausforderung, ihre Lehrpläne und Bewertungssysteme anzupassen, um den Anforderungen einer KI-gesteuerten Arbeitswelt gerecht zu werden.

Ausblick

Für das Jahr 2024 rechnen wir mit erheblichen Fortschritten in der KI-Technologie. Experten der Stanford University prognostizieren größere Modelle, erweiterte Anwendungsbereiche und verstärkte Diskussionen über Regulierung und Nutzung. KI wird unsere Arbeitsprozesse zwar nicht vollständig automatisieren, aber sie wird sie ergänzen und zunehmend optimieren. PwC betont, dass das Verständnis und die Nutzung von KI den Unternehmen im Jahr 2024 einen entscheidenden Vorteil verschaffen werden.

Firmen sollten daher den Einsatz von generativer KI priorisieren und ihre Arbeitsweisen und -prozesse überdenken, um Produktivität und Effizienz zu steigern. KI wird in bestehende Produkte integriert, wodurch die Adoption steigt. Open-Source-Modelle wie Mistral oder LLama von Facebook werden weiter aufholen. Die Zukunft ist ungewiss, aber klar ist, dass unsere derzeitigen KI-Tools den niedrigsten Stand der Technik darstellen werden. Die Entwicklung wird sich wohl beschleunigen, sodass es an uns liegt, unsere Aus- und Weiterbildung entsprechend anzupassen, um Schritt zu halten.

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