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Neue Gentechnik: 94 Prozent für Beibehaltung der Kennzeichnungspflicht

©heder neves/ Unsplash
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Bis dato unterliegen Lebensmittel, die mit Methoden der „Neuen Gentechnik“ (z.B. mit der Genschere CRISPR/Cas) produziert wurden, in Europa den strengen Regeln des EU-Gentechnikrechts für Landwirtschaft und Lebensmittel. Doch hier könnte es bald zu einer Deregulierung kommen. Im vergangenen Jahr hat die Europäische Kommission eine Studie veröffentlicht, die empfiehlt, die Einstufung von Neuen Genomischen Techniken (NGT) an Lebensmitteln als Gentechnik zu überdenken (wir berichteten).

Ja von EU-Kommission: Neue Gentechnik könnte doch in EU angewendet werden

EU-Kommission könnte Neue Gentechnik deregulieren

NGT hätten laut der Europäischen Kommission das Potenzial, zu „einem nachhaltigeren Lebensmittelsystem als Teil der Ziele des Europäischen Green Deal und der Farm to Fork-Strategie beizutragen.“ Mit der Einstufung als „Gentechnik“ gehen Regulationen wie eine Risiko- und Sicherheitsabschätzungen der Auswirkungen auf die Gesundheit und Umwelt sowie die Kennzeichnung im Verkauf als genverändertes Lebensmittel einher. Der Studie zufolge ist die geltende Gesetzgebung aber nicht mehr „zeitgemäß“.

Im ersten Halbjahr 2022 führte die Kommission eine öffentliche Konsultation zum EU-Gentechnikrecht durch, im Sommer eine Expert:innen-Befragung zu dem Thema. Auch hier zeigte sich eine Tendenz zur Deregulierung. Gentechnisch veränderte Pflanzen könnten daher künftig schnell und ohne Risikobewertung und Zulassungsverfahren auf den EU-Markt kommen. Umweltschutzorganisation kritisieren dieses Vorhaben und sehen dahinter Bemühungen von internationalen Chemie- und Saatgut-Konzernen, mehr Profit aus NGT zu schlagen.

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Konsument:innen gegen einfachere Zulassung

Doch in Österreich sind die meisten Konsument:innen mit so einer Deregulierung alles andere als einverstanden. Mindtake Research hat im Auftrag des Handelsverbandes und der Umweltschutzorganisation Global 2000 eine Umfrage zu diesem Thema durchgeführt. 1.008 Verbraucher:innen haben teilgenommen. Dabei hat sich ergeben, dass 92 Prozent der Befragten fordern, dass Lebensmittel, Futtermittel und Saatgut aus NGT weiterhin genauso streng kontrolliert werden wie Produkte aus der Alten Gentechnik.

94 Prozent sind der Meinung, Produkte aus NGT sollten auch weiterhin direkt am Artikel die Kennzeichnung als „gentechnisch verändert“ haben. Sieben von zehn Befragte sprechen sich gegen eine einfachere und schnellere Zulassung von Lebensmitteln, Saatgut und Futtermitteln aus der Neuen Gentechnik aus. Seit dem Gentechnikvolksbegehren vor 25 Jahren ist Österreich laut Handelsverband Vorreiter bei der gentechnikfreien Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. In keinem anderen EU-Mitgliedsland sei der Anteil an gentechnikfreien Lebensmitteln und Bioprodukten so hoch wie in Österreich.

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„Einhaltung des Vorsorgeprinzips“

„Die Gesundheit der Konsument:innen hat für den heimischen Handel oberste Priorität. Daher sprechen wir uns ebenso wie mehr als 90 Prozent der österreichischen Bevölkerung für die Einhaltung des Vorsorgeprinzips aus. Gerade bei neuen Produktionsverfahren muss sichergestellt sein, dass keine Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt besteht. Wir alle haben auch ein Recht darauf, zu erfahren, woher das Essen auf unseren Tellern kommt und wie es produziert wurde. Dafür setzen wir uns gemeinsam mit Global 2000 und der ARGE Gentechnik-frei ein“, sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Angesichts der Umfragezahlen fühlt sich Global 2000 in ihrer Initiative „Pickerl drauf!“ bestätigt. Diese informiert Verbraucher:innen über eine europaweite Petition, bei der mehr als 50 Organisationen, Umwelt- und Verbraucherschutzverbände, Saatguterhalter:innen und bäuerliche Organisationen Unterschriften für den Schutz der Kennzeichnung von Neuer Gentechnik in Lebensmitteln sammeln. Fast 250.000 Unterschriften kann die Petition bislang vorweisen.

„Deregulierung gefährdet Transparenz“

“Knapp 250.000 Europäer:innen – und es werden täglich mehr – haben mit ihrer Unterschrift gezeigt, dass sie Transparenz am Teller verlangen! Sie wollen auch in Zukunft wissen, ob in ihrem Essen Gentechnik ist und sie wollen eine Risikoprüfung dieser Produkte. Eine Deregulierung des EU-Gentechnikrechts gefährdet Transparenz und Wahlfreiheit für die Konsument:innen. Wir setzen uns für mehr unabhängige Forschung zu den Umweltauswirkungen von Neuer Gentechnik ein“, erklärt Brigitte Reisenberger, Gentechniksprecherin von Global 2000. Noch hat die EU-Kommission keine Entscheidung zur NGT-Regulierung getroffen. Reisenberger rechnet allerdings schon im kommenden Jahr mit einem Gesetzesvorschlag.

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