Energiekrise

Russland dreht Nord Stream 1 komplett ab, Gaspreise schnellen nach oben

Nord Stream Pipeline. © www.nord-stream.com
Nord Stream Pipeline. © www.nord-stream.com

Neues Ungemach für die europäischen Energiemärkte: Nachdem der staatliche russische Energiekonzern Gazprom die Gaslieferungen nach Deutschland am Freitag „bis auf weiteres“ nicht wieder aufnahm, sind die Gaspreise am Montag zu Handelsbeginn wieder dabei, stark zu steigen. So ist der Leitindex Dutch TTF am Montag um 30 Prozent nach oben geschnellt. Der Preis steht wieder bei etwa 272 Euro je Megawattstunde – arbeitet sich also wieder auf sein bisheriges Hoch hin.

Aus dem Kreml heißt es nun offiziell, dass Russland erst wieder Gas liefern würde, wenn die Sanktionen des Westens aufgehoben werden. Damit sind die Ausreden, es würde technische Probleme geben, an denen der Esten schuld sei, auch als Ausreden entlarvt.

Der Dutch TTF (kurz für Title Transfer Facility) ist ein Gradmesser für die europäischen Erdgaspreise. Die Ankündigung seitens Gazprom, bis auf weiteres kein Erdgas mehr über die Nord-Stream-Pipeline nach Deutschland zu liefern, kam am Freitag nach Handelsschluss. Als Grund wurde ein Ölleck genannt. Über eine durch die Ukraine führende Pipeline sollen Ersatzlieferungen kommen, die allerdings nicht im selben Umfang wie Nord Stream 1 stattfinden können.

Bereits am Wochenende, also vor Handelsstart am Montag, kündigte die deutsche Regierung ein weiteres, 65 Milliarden schweres Entlastungspaket an. Einer der Kernpunkte: Sie will über eine Übergewinnsteuer Milliarden Euro bei Stromerzeugern einnehmen, die durch die gestiegenen Gaspreise „Zufallsgewinne“ gemacht haben (Trending Topics berichtete). Dieses Geld soll dabei helfen, eine Preisbremse einzuführen, um Haushalte zu entlasten.

Am Freitag, dem 9. September, gibt es in Brüssel ein Sondertreffen der EU-Energieminister zu den steigenden Energiepreisen. Verhandelt werden soll ein gesamteuropäischer Energiepreisdeckel.

Deutschland will Übergewinnsteuer einführen – auch für Wind- und Solarenergie

Märkte reagieren mit Preisrutschen

Das bald gar kein Gas mehr durch Nord Stream 1 kommt, damit haben Politiker:innen und Energiewirtschaft schon länger gerechnet. Deswegen wurde versucht, die Gasspeicher möglichst voll zu bekommen, um sich für einen harten Winter vorzubereiten. Gleichzeitig hat der Ukrainekrieg und die Energiekrise dafür gesorgt, dass Preise für Gas und in Folge Strom durch die Decke gingen. Das macht es für europäische Staaten notwendig, milliardenschwere Notfallpakete zu schnüren.

Der Dutch TTF ist im Laufe des letzten Jahres um satte 400 Prozent gestiegen. Zuletzt gingen die Gaspreise wieder hinunter, nun folgt, nachdem Moskau am Gashahn dreht, der nächste Schritt nach oben. An den Märkten war die neue Situation am Montag gleich bemerkbar. Der DAX, also der deutsche Leitindex, rutschte am Morgen um mehr als 2,5 Prozentpunkte ab, auch trennten sich viele Trader von Aktien deutscher Energiekonzerne wie Eon und RWE. Auch die Aktie des größten österreichischen Energiekonzerns, Verbund AG, gab am Montag bereits um 3 Prozent nach.

In Folge des Gasstopps ist der Euro auf sein 20-Jahresteig gefallen. Der Effekt: 1 Euro ist nur mehr 99 Dollar-Cent wert und wertet dadurch gegen den US-Dollar stark ab.

Auch die österreichische Regierung hat am Wochenende die Strompreisbremse präsentiert: Haushalte egal welcher Größe bekommen voraussichtlich ab Dezember bis zu 2.900 kWh zu Vorjahrespreisen, die restlichen 20 Prozent müssen zu aktuellen, sehr hohen Marktpreisen bezahlt werden (Trending Topics berichtete).

Strompreisbremse bis zu 2.900 kWh, geplant ab Dezember

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