Ocean Battery

Ocean Grazer: Wie eine Meeres-Batterie Windenergie auch ohne Wind sichern soll

Aufbau einer Ocean Battery ©Ocean Grazer

Die neue Bundesregierung in Deutschland will in Sachen Klimaschutz anziehen: Mit einer Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sollen die Ausschreibungsmengen für Erneuerbaren Strom aus Wind und Sonne erhöht werden. Damit will die Ampel-Koalition den Anteil der Erneuerbaren Energien zur Deckung des Bruttostrombedarfs bis 2030 auf 80 Prozent erhöhen. Das bedeutet auch ein Ausbau der Windkraft. Zwei Prozent der Landfläche sollen für die Windenergie reserviert werden, die Kapazitäten für Windenergie auf See sollen weiterhin deutlich gesteigert werden auf 30 Gigawatt bis 2030.

Doch all die Pläne für Erneuerbare Energien nützen nichts, wenn das Wetter nicht mitspielt. Sowohl zu wenig Sonne oder Wind, als auch zu viel der beiden Kräfte sind nicht gut. Denn an besonders windstarken, sonnigen Tagen kann es schonmal sein, dass die Windräder vom Netz genommen werden müssen, um die Netze nicht zu überlasten. 

Speicherung notwendig

Ideal wäre es somit, diese überschüssige Energie speichern zu können. Eben genau für dann, wenn das Wetter mal nicht so ideal ist. Das ist natürlich keine neue Idee. Dieses Prinzip wird beispielsweise schon bei Wasserkraftwerken eingesetzt mit Pumpspeicherkraftwerken. Diese funktionieren jedoch bisher nur bei der Wasserkraft. Für Wind- und Sonnenenergie gibt es aktuell erst wenige Speichermöglichkeiten, welche oft noch nicht effizient genug sind. 

Das möchte das niederländische Unternehmen Ocean Grazer jedoch ändern.

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Meeresbatterie nach Vorbild der Pumpspeicherkraftwerke

Das Spin-off der Uni Groningen will die bereits bekannte Technologie von Pumpspeicherkraftwerken nutzen, um im Speziellen Offshore-Windparks lukrativer und effizienter zu machen. Dazu will das Startup sowohl bei bereits bestehenden, als auch bei zukünftigen Windparks ihre Ocean Battery im und am Meeresboden versenken.

Das geht so: Im Meeresboden begraben wird ein starres Beton-Auffangbecken installiert, in welchem Wasser gelagert ist. Produzieren die Windkraftanlagen zu viel Strom für die Stromnetze, wird diese überschüssige Energie genutzt, um das gelagerte Wasser in eine druckfeste, lang gestreckte „Blase“ zu pumpen. Diese befindet sich wiederum auf dem Meeresboden. In dieser wird das Wasser “eingesperrt”. Da die Blase im Gegensatz zu dem Auffangbecken flexibel ist und das Meerwasser auf sie drückt, steht das Wasser unter Druck und speichert damit die potentielle Energie. Wird wieder Energie benötigt, wird die Schleuse geöffnet und das Wasser entweicht mit Druck aus der Blase. Auf dem Weg in das Auffangbecken strömt es durch eine Turbine, welche wiederum einen Generator antreibt. Eine Speicherkapazität von bis zu 10 Megawattstunden verspricht sich Ocean Grazer von dem System.

 

 

Aus den Auffangbehältern (unten) wird Wasser in die elastischen Säcke (oben) gepumpt ©Ocean Grazer

Ocean Grazer: „iPhone der E-Industrie“

Bisher ist das aber noch Zukunftsmusik. Ocean Grazer selbst ist überzeugt, dass ihre Technologie das Potenzial hat die Erneuerbaren Energien zu revolutionieren. In einer Presseaussendung von Anfang des Jahres bezeichnet sich das Startup selbst als „iPhone der E-Industrie“. Mit ihrer patentierten Technologie könnten, laut eigenen Aussagen, bis zu 80 Prozent der überschüssigen Energie gespeichert und dann wieder genutzt werden. Außerdem werden keine seltenen Metalle und Mineralien, wie bei anderen Akkus benötigt.

Obwohl die Technologie auch in bereits bestehenden Offshore-Anlagen verbaut werden könnte, wäre sie laut Ocean Grazer vor allem auch für neue Windparks interessant und führt das auf eine schnellere Amortisierung der Investitionskosten zurück. Die ersten kommerziellen Demonstrationsanlagen der Ocean Battery seien derzeit in der Entwicklung, so das Startup. Bis die erste Unterwasserbatterie somit ihren Dienst aufnimmt, wird es voraussichtlich noch ein wenig dauern. 

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