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Paris könnte Europas Krypto-Hauptstadt werden

© Irina Lediaeva on Unsplash
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Die Zeichen mehren sich, dass Europa eine neue Krypto-Hauptstadt bekommen wird: Paris. Zuletzt hat das aus Asien stammende Crypto.com bekannt gegeben, dass es 150 Millionen Euro in seinen europäischen Hauptsitz in der französischen Hauptstadt investieren will. Zuvor besorgte sich das Unternehmen, für das Matt Damon warb, eine Lizenz als als Digital Asset Service Provider bei der Marktaufsichtsbehörde Autorité des Marchés Financiers.

Nach Crypto.com wird wohl Binance folgen. Die größte Krypto-Exchange der Welt hat ebenfalls eine DASP-Lizenz in Frankreich erhalten und im September in Paris seine „Blockchain Week“ abgehalten, und hier soll auch der europäische Hauptsitz von Binance eingerichtet werden – investiert werden sollen 100 Millionen Euro. Binance-CEO Changpeng „CZ“ Zhao pendelt seit geraumer Zeit schon zwischen Dubai und Paris. Es sind bereits etwa 150 Menschen für Binance in Paris tätig, und geplant ist, dort hunderte weitere anzustellen. Im Gespräch mit Jean-Noël Barrot, dem französischen Minister für digitale Transformation, bezeichnete CZ Frankreich als Europas Krypto-Hub.

Frankreich bzw. Paris hat auch mit Sorare ein eigenes Krypto-Unicorn hervorgebracht, das mit Sport-NFTs hervorsticht. Die auf Ethereum laufenden NFTs gehören zu den Top-3-Kollektionen aller Zeiten. Die digitalen Sammelkarten sind zwar erfolgreich, aber nicht unumstritten. So verdächtigt britische Glücksspielkommission Sorare des nicht lizensierten Glücksspiels, weil es bei den Collectibles nicht einfach nur ums Sammeln und Tauschen, sondern auch ums Zocken mit Zufallswerten geht. Investoren aber glauben an den Erfolg von Sorare und bewerteten die Firma 2021 mit 4 Milliarden Euro. Ob die Bewertung noch dort ist, ist fraglich. Denn das Handelsvolumen der Sorare-NFTs hat deutlich abgenommen.

Crypto.com investiert 145 Mio. Dollar in neuen europäischen Hauptsitz

Web3 als Chance für Europa

Hochrangige französische Politiker:innen haben es längst ausgesprochen: Jean-Noël Barrot sowie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollen Frankreich intensiv am Web3 und an Decentralized Finance arbeiten lassen. Sie setzen auf das große Versprechen, dass nach den von US-Konzernen dominierten Web 2.0 eine neue, dezentralere Version des WWW entsteht, in der neue Player die alten Größen ablösen. Krypto-Assets, NFTs und dezentralisierte Infrastrukturen gelten als Hebel dafür.

Dass nun internationale Krypto-Größen wie Binance und Crypto.com nach Frankreich drängen, hat mehrere Gründe. Zum einen wird es voraussichtlich ab Anfang 2024 mit MiCA (Markets in Crypto Assets) eine neue EU-Regulierung geben, die die Leitlinien für Krypto-Unternehmen in Europa definiert. Da geht es auch darum, wer unter welchen Bedingungen ein CASP (Crypto Asset Service Provider) sein darf. London bzw. Großbritannien, eigentlich DER europäische Fintech-Hub, fällt diesbezüglich weg. Berlin ist zwar eine Startup-Hauptstadt, hat in Sachen Krypto-Unternehmen aber nicht viel vorzuweisen – zuletzt kündigte Nuri an, komplett zuzusperren. Auch Portugal verliert an Attraktivität. War es bisher Anziehungspunkt wegen günstigen Steuerregeln, könnten diese bald wegfallen. Ab 2023 könnten Gewinne aus Kryptobeständen, die weniger als ein Jahr gehalten werden, mit einem Satz von 28 besteuert werden, ähnlich wie in Österreich.

In Summe scheint sich nun die Chance für Paris auftun, zu Europas Krypto-Hauptstadt zu werden. Es bleibt aber abzuwarten, ob das auch tatsächlich so kommt. Frankreichs Internet-Markt ist sehr nach innen gekehrt und schwierig internationale Unternehmen.

Sorare: Britische Behörde verdächtigt NFT-Unicorn des Glücksspiels

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